Hochwasser: Was Sie von der Müllentfernung bis zur Autoreparatur steuerlich absetzen können

Hochwasser: Was Sie von der Müllentfernung bis zur Autoreparatur steuerlich absetzen können

Zahlreiche Kosten, die für die Sanierung und Reparatur von Haus und Inventar sowie für die Beschaffung zerstörter Gegenständen nötig sind, kann man steuerlich geltend machen. Wer ein neues Auto kauft, um ein kaputtes zu ersetzen, kann den Zeitwert geltend machen. Die Steuerexperten von TPA Horwath geben wertvolle Tipps für Betroffene, indirekt Betroffene und jene, die spenden.

Das Jahrhunderthochwasser 2013 hat nicht nur Menschenleben gefordert, sondern auch viele Menschen um ihr Hab und Gut gebracht. Spätestens wenn der Wasserspiegel wieder sinkt, müssen sich Betroffene damit befassen, wie sie die Folgen der Katastrophe finanziell bewältigen.

Ausgaben für Katastrophenschäden sind als außergewöhnliche Belastung absetzbar

Neben Entschädigungen von Versicherungen und Hilfe aus dem Katastrophenfonds gibt es auch steuerliche Erleichterungen für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe. So sind steuerliche Erleichterungen im Zusammenhang mit der Naturkatastrophe als außergewöhnliche Belastungen absetzbar.

Nur der Eigentümer oder eine unterhaltspflichte Person kann Kosten absetzen

Außergewöhnliche Belastungen, die in Zusammenhang mit Katastrophenschäden anfallen, können ohne Berücksichtigung eines einkommensabhängigen Selbstbehaltes steuerlich abgesetzt werden. Kosten von Katastrophenschäden kann grundsätzlich nur der Eigentümer der betroffenen Gegenstände oder unter Umständen auch eine unterhaltsverpflichtete Person steuerlich absetzen.

Diese Kosten können Sie absetzen:

1. Kosten der Beseitigung der unmittelbaren Katastrophenfolgen: Darunter fallen die Kosten für die Beseitigung von Wasser, Schlammresten, Sperrmüll und unbrauchbar gewordenen Gegenständen, Entfeuchtung betroffener Gebäude inklusive Anschaffung oder Anmietung von Trocknungs- und Reinigungsgeräten. Diese Kosten sind in Höhe der tatsächlich geleisteten Zahlungen laut Rechnungen absetzbar, für Haupt- und Nebenwohnsitze und auch für Luxusgüter (zB Schwimmpool).

2. Kosten für die Reparatur und Sanierung beschädigter Gegenstände: Reparatur und Sanierung von Gegenständen, die durch die Katastrophe beschädigt wurden und Gegenstände, die für die übliche Lebensführung nötig sind. Dazu zählen Kosten für die Reparatur und Sanierung von Wohnungen und Wohnhäusern, die Erneuerung des Fußbodens, des Verputzes, das Ausmalen von Räumen, Sanierung von Senkgruben und Kanalanlagen, die Reparatur und Wiederherstellung von Zäunen, Gehsteigen und Hofpflasterungen sowie die Reparatur beschädigter Autos. Die Kosten sind nach der Zahlung laut Rechnung absetzbar. Nicht absetzbar sind dagegen Kosten für die Reparatur oder Sanierung von Zweitwohnsitzen oder Gegenständen, die nicht zur üblichen Lebensführung zählen, wie etwa von Schwimmpools.

3. Kosten für die Ersatzbeschaffung zerstörter Gegenstände: Die Kosten für die Ersatzbeschaffung von Gegenständen, die für die übliche Lebensführung benötigt werden, sind ebenfalls absetzbar. Dazu zählen Kosten des erforderlichen Neubaus des Wohngebäudes oder von Gebäudeteilen, Neuanschaffung von Einrichtungsgegenständen und Bekleidung (bis zu 2.000 Euro pro Person) oder Geschirr. Absetzbar ist auch die Miete für Überbrückungsquartiere. Nicht absetzbar sind Kosten für die Ersatzbeschaffung eines Zweitwohnsitzes oder von Gegenständen, die nicht dem Hauptwohnsitz zuzuordnen sind und für Gegenstände, die nicht die übliche Lebensführung betreffen, wie Sportgeräte und Luxusgegenstände.

4. Kosten für die Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen: Voll absetzbar sind die tatsächlichen Kosten für Ersatzbeschaffungen von Mopeds und Fahrrädern, soweit sie nicht als reine Sportgeräte ausgelegt sind (wie Rennräder). Motorräder sind absetzbar, wenn es das einzige von der betroffenen Person genutzte Kraftfahrzeug ist. Für die Ersatzbeschaffung von Pkws kann nur der Zeitwert des beschädigten Fahrzeugs (nur „Erstauto“, keine Zweitwagen) steuerlich geltend gemacht werden.

Unterstützung vom Katastrophenfonds und Versicherungen sind von den Kosten abzuzuiehen

Die Kosten in Zusammenhang mit Katastrophenschäden müssen durch Rechnungen und Zahlungsbelege nachgewiesen werden. Hat der Betroffene Versicherungsentschädigungen oder Hilfen aus dem Katastrophenfonds oder anderen Quellen erhalten (zB steuerfreie Zuwendungen und Spenden anlässlich der Hochwasserkatastrophe), sind diese Beträge von den Kosten abzuziehen. Zum Nachweis des eingetretenen Schadens werden die bei der Schadenserhebung aufgenommene Niederschrift oder die dem Katastrophenfonds vorgelegten Unterlagen benötigt.

Freiwillige Zuwendungen sind steuerfrei

Zuwendungen, die darauf gerichtet sind, unmittelbare Katastrophenschäden zu beseitigen, sind beim Empfänger steuerfrei. Begünstigt sind Privatpersonen, Unternehmer und auch Arbeitnehmer. Dadurch ist etwa auch der Zinsvorteil aus einem zinsenlosen Darlehen des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer steuerfrei (kein Sachbezug).

Ausstellung eines Freibetragsbescheid bis 31. Oktober beantragen

Betroffene können bei ihrem Finanzamt bis 31. Oktober 2013 die Ausstellung eines Freibetragsbescheides beantragen, wenn 2013 Kosten zur Beseitigung von Katastrophenschäden angefallen sind. Mithilfe des Freibetragsbescheides kann die Steuerersparnis bereits bei der Abrechnung des Lohns/Gehalts im Jahr 2013 berücksichtigt werden. Der Betroffene erhält schon 2013 einen höheren Nettobezug und kann den höheren Auszahlungsbetrag zur teilweisen Finanzierung der Schadensbehebung verwenden. Ohne Freibetragsbescheid können außergewöhnliche Belastungen erst in der Arbeitnehmerveranlagung oder Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Die Steuergutschrift erhält der Betroffene dann frühestens Anfang 2014.

Herabsetzung der Vorauszahlungen möglich

Einkommensteuerpflichtige Personen können die Herabsetzung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen beantragen, wenn das voraussichtliche Einkommen für das Jahr 2013 (unter anderem aufgrund von Katastrophenschäden) niedriger ist. Wenn sie von Katastrophenschäden betroffen sind, können Betroffene einen solchen Antrag bis 31.Oktober 2013 stellen. Auch dadurch können Betroffene bereits früher eine zu erwartende Steuergutschrift erhalten, die zur Finanzierung von Schadensbehebungen verwendet werden kann.

Betriebe, die nur indirekt betroffen sind, können Herabsetzung beantragen

Eine Herabsetzung der Vorauszahlungen kommt auch für alle Steuerpflichtigen in Betracht, die nur mittelbar von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind (zB Gewerbetreibende in den Hochwassergebieten, die Umsatzausfälle erlitten haben oder voraussichtlich erleiden werden, selbst aber keine Hochwasserschäden am Vermögen zu beklagen haben). Personen, die bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft versichert sind, können die Herabsetzung der vorläufigen Beiträge für das Jahr 2013 beantragen, wenn sie einen niedrigeren Gewinn oder sogar Verlust erwarten.

Befreiung von Gebühren für neue Dokumente oder Verträge

Wenn aufgrund der Katastrophe die Ersatzausstellung von gebührenpflichtigen Dokumenten, Erstellung von Schriften für Schadensfeststellung, -abwicklung und –bereinigung oder die (Neu-)Errichtung von Miet-/Pachtverträgen im Zusammenhang mit einer Ersatzbeschaffung erforderlich sein sollte, sind diese von Gebühren befreit. Keine Verwaltungsgebühren fallen weiters für Amtshandlungen an, die durch Katastrophenschäden veranlasst worden sind.

Bei Zahlungsverzug entfällt der Säumniszuschlag

Kommt es katastrophenbedingt zu einem Zahlungsverzug mit Abgaben, entfällt der Säumniszuschlag. Auch wird bei katastrophenbedingter Fristversäumnis kein Verspätungszuschlag verhängt.

Für alle Steuerzahler, die nicht unmittelbar selbst von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind, bestehen folgende Möglichkeiten, steuerbegünstigt zu helfen:

Spenden an begünstigte Organisationen und freiwillige Feuerwehren

Private und Betriebe können Spenden an spendenbegünstigte Organisationen bis zu 10 Prozent ihrer Einkünfte bzw. Gewinnes steuerlich absetzen. Von Privaten sind dabei nur Geldspenden steuerlich absetzbar. Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit ist, dass der Spendenempfänger zum Zeitpunkt der Spende auf der Liste der begünstigten Spendenempfänger geführt wird. https://www.bmf.gv.at/Service/allg/spenden/show_mast.asp

Geld- und Sachspenden von Betrieben als Werbeaufwand absetzbar

Betriebe können geleistete Geld- und Sachspenden ohne betragliche Begrenzung im Rahmen des Werbeaufwands steuerlich absetzen, sofern durch die Zuwendungen eine Werbewirkung erzielt wird. Die Werbewirkung ist zB dann gegeben, wenn in regionalen oder überregionalen Medien oder auf der Firmenhomepage über Spenden an Betroffene der Hochwasserkatastrophe berichtet wird.

Weitere Informationen unter: www.tpa-horwath.at/de

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