Grunderwerbssteuer neu: Gut für Familien, schlecht für Firmen und Stiftungen

Grunderwerbssteuer neu: Gut für Familien, schlecht für Firmen und Stiftungen

Praktisch im letzten Moment wurde nun die Regelung der Grunderwerbssteuer repariert, da die bisherigen Bestimmungen als verfassungswidrig gelten. Auflage des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) war es die Gesetzesbestimmung zur Grunderwerbssteuer bis spätestens Ende Mai 2014 zu ändern. Die Neureglungen treten am 1. Juni 2014 in Kraft.

Die positive Nachricht gleich vor weg: "Bei Übertragungen innerhalb Familie erfolgt keine Verschlechterung und ein bereits gewohntes System wird zum Teil beibehalten“, erklärt Karin Fuhrmann, Steuerberaterin und Partnerin bei TPA Horwath.

Für Familien: Dreifacher Einheitswert gilt nach wie vor

Am System des Einheitswertes wird festgehalten. Im Familienkreis wird bei Schenkungen und Erbschaften der dreifache Einheitswert oder 30 Prozent des gemeinen Wertes (de facto der Verkehrswert) als Bemessungsgrundlage herangezogen – und zwar künftig auch beim Verkauf. Das betrifft sowohl Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser oder Grundstücke als auch betriebliche Liegenschaften.
Für Übertragungen innerhalb der Familie gilt, wie bisher, der begünstigte Steuersatz von zwei Prozent.

Steuerlicher Unterschied ob entgeltlicher oder unentgeltlicher Erwerb aufgehoben

Die gravierenste Neuregelung: Der Gesetzgeber unterscheidet nun nicht mehr zwischen entgeltlichem und unentgeltlichem Erwerb, sondern danach, ob die Liegenschaft innerhalb oder außerhalb der Familie weitergegeben wird.

Weit gefasster Begriff der Familie

Zur Familie zählen Ehegatten oder eingetragene Partner (während aufrechter Ehe/Partnerschaft oder im Zusammenhang mit der Auflösung), Lebensgefährten (sofern diese einen gemeinsamen Hauptwohnsitz haben oder hatten), oder Verwandte und Verschwägerte in gerader Linie (Eltern, Kinder Enkel, deren Ehegatten, und eingetragenen Partner), oder Stief-, Wahl- oder Pflegekinder oder deren Kinder, Ehegatten oder eingetragene Partner, oder Geschwister, Nichten sowie Neffen.

Neuregelung trifft Unternehmen mit Liegenschaftsbestand

Außerhalb der Familie gilt bei Grundstückübertragungen als Bemessungsgrundlage künftig der Kaufpreis - bei unentgeltlichen Weitergaben wird der gemeine Wert (de facto der Verkehrswert) zur Berechnung der Steuer herangezogen. Der Steuersatz beträgt in diesen Fällen 3,5 Prozent. Die Regelung kommt ebenfalls unabhängig davon zur Anwendung, ob die Übertragung entgeltlich oder unentgeltlich erfolgt. Die Steuerbefreiung bei der Übernahme eines Betriebes bis zu einem Wert von 365.000 Euro soll aber weiterhin gelten. "Ob in diesem Bereich im Rahmen der Begutachtung noch Verbesserungen erzielt werden können, bleibt abzuwarten", so TPA-Horwath-Expertin Fuhrmann.

Ausgenommen sind Umstrukturierungen im Rahmen des Umgründungssteuergesetzes

Für Weitergaben aus Anlass von Umstrukturierungen innerhalb eines Unternehmens im Rahmen des Umgründungssteuergesetzes bleibt der zweifache Einheitswert als isolierte Bemessungsgrundlage erhalten.

Keine Sonderbestimmungen mehr für Privatstiftungen

Weiters werden von der Neuregelung auch Privatstiftungen berührt, da diese nicht zum Kreis der Familie zählen und keine Sonderbestimmungen für diese vorgesehen sind. Die unentgeltliche Zuwendung von Liegenschaftsvermögen an Privatstiftungen dürfte sich somit ab 1.Juni deutlich verteuern.

Weitere Infos unter: Weitere Details über den Gesetzesentwurf zur geplanten Änderungen der Grunderwerbssteuer
sowie unter: http://www.Karin Fuhrmann, Partnerin TPA Horwath

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