GmbH: 6 Tipps, wie Sie vor 2016 höheren Steuern entkommen

Warum sich GmbHs ab dem nächsten Jahr durch die Steuerreform vielfach nicht mehr lohnen, welche Alternativen es gibt und wie man bei GmbHs heuer steuerlich noch das meiste herausholt. Plus: Aktueller Rechtsformenrechner der Steuerexperten der TPA Horwath, mit Steuer-Werten von 2016.

Thema: Steuertipps
GmbH: 6 Tipps, wie Sie vor 2016 höheren Steuern entkommen

Wenn man ein Unternehmen gründet, gilt es am Anfang, oder auch wenn sich die Umstände ändern, die Rechtsform genau zu überlegen. Derzeit gilt das ganz besonders, da sich mit Anfang nächsten Jahres die steuerlichen Rahmenbedingungen für eine GmbH deutlich ändern.

Ab 2016 steigt für GmbHs die KESt von 25 auf 27,5 Prozent, der Höchststeuersatz der Einkommenssteuer steigt ebenfalls, von derzeit 50 auf 55 Prozent. Die Einlagenrückzahlung wird überhaupt neu geregelt.


Änderung 1: Erhöhung der KESt von 25 Prozent auf 27,5 Prozent
Im Zuge der Steuerreform wird die Kapitalertragsteuer (KESt) ab 1.1.2016 von 25 % auf 27,5 % angehoben. Diese erhöhte KESt gilt nicht nur für Gewinnausschüttungen (Dividenden), sondern auch für Veräußerungsgewinne von Kapitalvermögen und etwa Zuwendungen von Stiftungen. Ausgenommen sind lediglich Sparbuchzinsen, für die weiterhin 25 Prozent KESt fällig werden.

Doch steuerliche Änderungen muss man nicht einfach hinnehmen. Die Steuerexperten von TPA Horwath geben Tipps, wie man am besten noch heuer auf die neuen Rahmenbedingungen für GmbHs reagiert.

Wie man die KESt-Erhöhung am besten umschifft:

TPA Horwath Steuer-Tipps:
1. So viel Gewinn wie möglich noch heuer ausschütten
Dabei ist es unschädlich, der Gesellschaft nach Ausschüttung das Geld wieder als Kredit zur Verfügung zu stellen.
2. Bei hohen Gewinnen Rumpfwirtschaftsjahr einschieben
Bei hohen Gewinnen kann es von Vorteil sein, 2015 noch ein Rumpfwirtschaftsjahr einzuschieben, um diesen Gewinn noch bis zum 31.12.2015 ermäßigt ausschütten zu können.
3. Wandeln Sie bei niedrigen Gewinnen die GmbH um
Bei niedrigeren Gewinnen kann die Umwandlung der GmbH in ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft interessant sein. Dadurch fällt zwar bei thesaurierten Gewinnen heuer noch die 25-prozentige KESt an, Sie können aber dann im Jahr 2016 von den niedrigeren Progressionsstufen im Einkommensteuerbereich profitieren.

4. Wie Sie bei hohen Gewinnen dem neuen Höchststeuersatz entkommen
Bei Unternehmern mit hohen Gewinnen, jedenfalls ab einer Million Euro Ertrag, kann die Einbringung des Einzelunternehmens in eine GmbH vorteilhaft sein, um dem neuen Einkommensteuersatz von 55 Prozent ab einer Millionen Euro zu entgehen.

Entscheidungshilfe Rechtsformenrechner: Ab sofort mit Steuer-Werten, die auf den 2016 Zahlen beruhen
Die TPA Horwath bietet darüber hinaus auf Ihrer Homepage einen Rechtsformrechner, der Sie - basierend auf Ihren Unternehmenskennziffern - mit Hilfe mathematischer Berechnungsmethoden dabei unterstützt, die optimale Rechtsform für Ihr Unternehmen zu finden. In der Berechnungsmethode werden auch Sozialversicherung und Lohnnebenkosten berücksichtigt. Der neue TPA Horwath Rechtsformrechner beinhaltet bereits alle Werte, die ab 2016 gelten – also bereits inklusive der Veränderungen aufgrund der Steuerreform.

Änderung 2: Wahlrecht zwischen Gewinnausschüttung und Einlagenrückzahlung eingeschränkt
Die Steuerreform und das aktuelle Abgabenänderungsgesetz 2015 (Ministerialentwurf) sehen starke Änderungen im Bereich der Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften vor. Das bisherige Recht bei der Besteuerung zwischen Gewinnausschüttung und Einlagenrückzahlung zu wählen, ist ab 2016 nur noch unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Die Einlagenrückzahlung unterliegt nicht der KESt, sondern reduziert die steuerlichen Anschaffungskosten für die Anteile. Wählt die Kapitalgesellschaft für eine Ausschüttung die steuerliche Form der Einlagenrückzahlung, erhält der Staat vorerst keine KESt, sondern muss bis zum Zeitpunkt der Veräußerung der Anteile warten (außer die Einlagenrückzahlung ist höher als die steuerlichen Anschaffungskosten). Künftig ist die Wahlfreiheit nur noch dann möglich, wenn sowohl die Innenfinanzierung als auch die Einlagenfinanzierung positiv sind. Die Gewinne der Gesellschaft müssen mittels einer sogenannten „Innenfinanzierungs-Evidenz“ festgehalten werden. Wenn diese Evidenz positiv ist und die Einlagen-Evidenz Null, unterliegt die Ausschüttung zwingend der KESt, ist umgekehrt die Innenfinanzierung negativ und die Einlagen-Evidenz positiv, ist künftig zwingend eine Einlagenrückzahlung vorzunehmen.

Wie man noch heuer das ganze Potential für Einlagenrückzahlungen ausschöpft

TPA Horwath Steuer-Tipps:
5. Schöpfen Sie noch heuer alle Möglichkeiten aus KESt-freie Einlagenrückzahlungen gelten zu machen Prüfen Sie noch heuer, ob in Ihrer GmbH auf Basis des bisherigen Wahlrechts KESt-freies „Einlagenrückzahlungs-Potential“ besteht. Dafür ist die gesamte Historie einer Gesellschaft relevant, wie etwa in Vorjahren durchgeführte Umgründungen.
6. Vorsicht ist bei fremdfinanzierten Einlagenrückzahlungen
Gemäß Verwaltungsgerichtshof sind Zinsen für derartige Kredite in der GmbH steuerlich nicht abzugsfähig.
Bei allen genannten steuerlichen Optimierungsüberlegungen (Ausschüttungen und/oder Einlagenrückzahlungen) sollte man jedoch stets die betriebswirtschaftliche Zweckmäßigkeit, also etwa die nötige Eigenkapitalausstattung, im Auge behalten. Allerdings sollte man bedenken, dass es bei der neuen Regelung zur Einlagenrückzahlung noch bis Ende des Jahres (Stichwort: „Herbstlegistik“) zu Änderungen kommen kann.