Für Unternehmen: Steuerspartipps zum Jahresende

Was Unternehmen bei Gewinnfreibetrag, Pensionsrückstellungen, Wertpapierveranlagung, Gruppenbesteuerung noch vor Jahresfrist beachten sollten und warum neuen Selbstständigen künftig saftige Strafen drohen könnten.

Thema: Steuertipps
Für Unternehmen: Steuerspartipps zum Jahresende

Sowohl Einnahmen-Ausgaben-Rechner als auch Bilanzierer können noch vor Jahresbeginn einige steuerlich sinnvolle Maßnahmen setzen, um ihre Steuerlast zu reduzieren. Die besten Tipps dazu von den beiden Steuerexperten von TPA Horwath, Monika Seywald und Gottfried Sulz.

KESt-Erhöhung 2015 noch umschiffen

Im Zuge der Steuerreform wird die Kapitalertragsteuer (KESt) ab 1. Jänner 2016 von 25 % auf 27,5 % angehoben. Die höhere KESt gilt dann etwa für Gewinnausschüttungen (Dividenden), Veräußerungsgewinne von Kapitalvermögen, Zuwendungen von Stiftungen. Ausgenommen sind lediglich Sparbuchzinsen, für die gelten weiterhin 25 %.

TPA Horwath Tipp:
Schütten Sie so viel Gewinn wie möglich noch heuer aus, so sparen Sie 2,5 %-Punkte an KESt. Dabei ist es steuerlich unschädlich, der Gesellschaft nach Ausschüttung das Geld wieder als Kredit zur Verfügung zu stellen.

Evidenzkonto wird eingeführt

Laut dem Entwurf des vorliegenden Abgabenänderungsgesetzes 2015 soll, entgegen ursprünglichen Planungen, das Wahlrecht zwischen Einlagenrückzahlung und Gewinnausschüttung erhalten bleiben. Voraussetzung für eine Gewinnausschüttung soll aber eine positive Innenfinanzierung sein. Neu ist ab dem kommenden Jahr jedoch eine sogenannte Evidenzierungspflicht. Beim diesem Evidenzkonto der Innenfinanzierung sollen verdeckte Einlagen, erhaltene Einlagenrückzahlungen und ausschüttungsgesperrte Beträge außer Betracht bleiben.

Gewinnfreibetrag bis zu 22.675 Euro

Sowohl Einnahmen-Ausgaben-Rechner als auch Bilanzierer können einen bestimmten Betrag ihres steuerlichen Gewinnes (ausgenommen Veräußerungsgewinn) steuerfrei stellen. Vorausgesetzt ist, dass sie noch heuer in bestimmte abnutzbare Anlagegüter und/oder Wohnbauanleihen investieren. Die Behaltefrist beträgt mindestens vier Jahre.

Der Gewinnfreibetrag beträgt:
- 1 3,0 % bis zu einem Gewinn von 175.000 Euro
- 7,0 % für den Gewinnteil zwischen 175.000 und 350.000 Euro
- 4,5 % für den Gewinnteil zwischen 350.000 und 580.000 Euro
Ergibt einen maximalen Gewinnfreibetrag in Höhe von 45.350 Euro und eine maximale Steuerersparnis von 22.675 Euro.

Bis zu einem Gewinn von 30.000 Euro kann der Freibetrag ohne Investition geltend gemacht werden (sog. Grundfreibetrag), zusätzlich zum Betriebsausgabenpauschale. Für den investitionsabhängigen Gewinnfreibetrag ist das jedoch nicht möglich.

Zudem ist infolge der „Wertpapier-KESt“ zu berücksichtigen, dass ein Investment im Betriebsvermögen gegenüber dem Privatvermögen steuerlich vorteilhaft sein kann, etwa durch die Abzugsfähigkeit von Nebenkosten und Spesen sowie erweiterte Verlustverrechnungsmöglichkeiten.

TPA Horwath Tipp:
Um Investitionen in ausreichender Höhe zu tätigen, ist eine Prognoserechnung für 2015 empfehlenswert. Bitte beachten Sie, dass die Investitionen noch heuer getätigt werden müssen. Wohnbauanleihen könnten gegen Jahresende knapp werden. Daher lassen Sie sich von Ihrer Hausbank die unterschiedlichen Wohnbauanleihen erklären und kaufen Sie die notwendigen Wertpapiere so bald wie möglich.

Forschungsprämie wird erhöht, Prämie für Mitarbeiterbildung abgeschafft

Die Forschungsprämie für eigenbetriebliche Forschung und für Auftragsforschung wird ab 2016 von 10 auf 12 Prozent erhöht.

TPA Horwath Tipp:
Die Bildungsprämie von 6 Prozent wird jedoch mit Ende des Jahres abgeschafft. Investieren Sie noch heuer in die Aus- und Fortbildung Ihrer Mitarbeiter.

Vergütungsantrag für Energiekosten rechtzeitig stellen

Ein Vergütungsantrag muss spätestens bis zum Ablauf von fünf Jahren gestellt werden. Für das Jahr 2010 und folgende kann ein Vergütungsantrag somit noch bis zum 31.12.2015 gestellt werden.

TPA Horwath Tipp:
Auch für Dienstleistungsbetriebe besteht ein Vergütungsanspruch, allerdings nur für die Zeit bis 31.Jänner 2011.

Pensionsrückstellung prüfen

Zum Ende des Wirtschaftsjahres müssen für steuerliche Pensionsrückstellungen bestimmte Wertpapiere und/oder Ansprüche aus Rückdeckungsversicherungen in Höhe von 50 Prozent des vorjährigen Rückstellungsbetrages im Betriebsvermögen vorhanden sein und meist bis zum nächsten Bilanzstichtag gehalten werden.

TPA Horwath Tipp:
Wird der Pensionsanspruch mit einem Einmalbetrag unterjährig abgefunden, dann können Sie zur Finanzierung der Abfindung die jeweiligen Wertpapiere auch unterjährig verkaufen.

Rückstellungen mit 3,5 Prozent abzinsen

Langfristige Rückstellungen für sonstige ungewisse Verbindlichkeiten und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften durften steuerlich bisher nur mit 80 Prozent des Teilwertes angesetzt werden. Bei Bilanzstichtagen nach dem 30.6.2014 ist nunmehr entsprechend der Restlaufzeit der Rückstellung eine Abzinsung mit einem Zinssatz von 3,5 % p.a. vorzunehmen.

TPA Horwath Tipp:
Rückstellungen für Zeitausgleichsguthaben und Überstunden der Mitarbeiter können nach wie vor mit 100 Prozent angesetzt werden.

TPA Horwath Tipp:
Da ab 2016 die SV-Befreiung für Jubiläumsgeld entfällt, erhöht sich die Jubiläumsgeldrückstellung.

Steuersparen bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern

Einnahmen-Ausgaben-Rechner können ihr steuerpflichtiges Einkommen optimieren, indem sie Betriebsausgaben vor dem 31.12.2015 bezahlen. Dazu zählen diverse Vorauszahlungen, wenn auch gewisse Einschränkungen zu beachten sind. Oder man optimiert die Steuer, indem Rechnungen an Kunden erst nach dem 31.12.2015 gelegt werden. (Potentielle) Kleinunternehmer sollten auch die umsatzsteuerliche Kleinunternehmergrenze von jährlich 30.000 Euro (Der Betrag gilt netto) im Auge behalten.

TPA Horwath Tipp:
Beachten Sie jedoch die fünfzehntägige Zurechnungsfrist für regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben.

Die neuen Steuertarife ab 2016:

Tarifstufe
Über bis Steuersatz
0€ 11.000 € 0%
11.000 € 18.000 € 25%
18.000 € 31.000 € 35%
31.000 € 60.000 € 42%
60.000 € 90.000 € 48%
90.000 € 1 Mio. € 50%
1 Mio. € 55% (befristet)

Durch die Senkung des Eingangssteuersatzes von 36,5 % auf 25 % werden lohn- und einkommensteuerzahlende Personen ab 2016 entlastet.

TPA Horwath Tipp:
Wenn möglich, verschieben Sie als Einnahmen-Ausgaben-Rechner zum Teil Betriebseinnahmen in das Jahr 2016, um die niedrigere Progression auszunutzen.

Spenden bis zu zehn Prozent des Gewinns absetzbar

Spenden aus dem Betriebsvermögen sind bis höchstens 10 % des steuerlichen Gewinnes des laufenden Wirtschaftsjahres steuerlich als Betriebsausgaben absetzbar, darüberhinausgehende Betriebsspenden und Privatspenden können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Allerdings nur soweit sie, gemeinsam mit den Betriebsspenden, 10 % des Gesamtbetrages der Einkünfte nicht übersteigen. Die aktuellen Listen der begünstigten Spendenempfänger finden Sie auf der Homepage des Finanzministeriums unter www.bmf.gv.at.

TPA Horwath Tipp:
Geld- und Sachspenden in Katastrophenfällen können steuerlich ohne 10-prozentige Höchstbegrenzung als Betriebsausgaben abgesetzt werden, wenn sie mit einem Werbeeffekt verbunden sind; auf die entsprechende Dokumentation – Berichte in Zeitungen, Homepages, Fotos etc. – ist daher zu achten.

Neue Selbständige: Wer sich nicht meldet, kriegt eine Strafe

Neue Selbständige müssen sobald sie eine bestimmte Versicherungsgrenzen während des Kalenderjahrs überschreiten, das bis zum Jahresende melden, sonst droht ein Strafzuschlag von 9,3 Prozent. Ab 2016 müssen neue Selbständige das innerhalb von acht Wochen nach Ausstellung des Einkommensteuerbescheides melden.

TPA Horwath Tipp:
Ab 2016 werden die Versicherungsgrenzen für neue Selbständige vereinheitlicht. Die Grenze ist dann – unabhängig davon, ob weitere Beschäftigungen vorliegen – einheitlich die einfache Geringfügigkeitsgrenze (2016 voraussichtlich 4.988,64 Euro/Jahr).

SVA-Vorauszahlung senkt Steuern

Die Finanz anerkennt bei Einnahmen-Ausgaben- Rechnern eine Vorauszahlung von GSVG-Beiträgen, wenn diese in ihrer Höhe der voraussichtlichen Nachzahlung für das betreffende Jahr entsprechen. Ab 2016 besteht auch die Möglichkeit, die vorläufige Beitragsgrundlage bis max. zur Höchstbeitragsgrundlage zu erhöhen.

TPA Horwath Tipp:
Rechnen Sie bei der SVA mit einer Nachzahlung, können Sie durch Leistung einer freiwilligen Vorauszahlung Ihren Gewinn reduzieren bzw. glätten, und damit teure Progressionssprünge vermeiden.

Rückwirkend Gruppenbesteuerung möglich

Besteht eine Unternehmensgruppe aus mehreren Kapitalgesellschaften mit Regelbilanzstichtag, kann unter bestimmten Voraussetzungen für das gesamte Jahr 2015 rückwirkend die Bildung einer Unternehmensgruppe beantragt werden.
Wenn beispielsweise Akquisitionen von Beteiligungen fremdfinanziert wurden, kann die Gruppenbesteuerung zur steuerlichen Verwertung der Finanzierungskosten sinnvoll sein.

TPA Horwath Tipp:
Durch die Gruppenbesteuerung können steuerlich rückwirkend für das gesamte Jahr Gewinne einer Gesellschaft mit Verlusten einer anderen Gesellschaft verrechnen.
TPA Horwath Tipp:
Heuer können für Beteiligungsanschaffungen letztmalig Firmenwertabschreibung vorgenommen werden. Dafür müssen diese Tochtergesellschaften jedoch bis spätestens Ende des Wirtschaftsjahres 2015 als Gruppenmitglied in die Unternehmensgruppe aufgenommen werden.