Fluchtpunkt Kärnten: Niedrigere Steuern locken immer mehr Italiener an

Fluchtpunkt Kärnten: Niedrigere Steuern locken immer mehr Italiener an

Im norditalienischen Friaul verlassen nicht nur Unternehmen, sondern auch immer mehr Bewohner ihre Heimat, um sich im benachbarten Kärnten eine neue Existenz aufzubauen.

Seit 2010 hätten 74 Personen die Stadtgemeinde in Richtung Kärnten und Slowenien verlassen, berichtete der Tarviser Bürgermeister Renato Carlantoni. Als Grund nannte er bessere Dienstleistungen und niedrigere Steuern und Preise. 315 Firmen haben sich allleine in den ersten fünf Moanten des Jahres über die Ansiedlungsbedingungen informiert.

"Die Abwanderung in Richtung Österreich und Slowenien ist ein Problem, das wir nicht bekämpfen können. Es ziehen nicht nur immer mehr Menschen nach Kärnten. Hinzu kommt auch noch das Geld, das wir in Österreich ausgeben, wo die Lebensmittel- und Benzinpreise wesentlich günstiger sind", klagte Carlantoni nach Angaben der Tageszeitung "Il Messaggero Veneto".

Der Abbau der Grenze durch den Schengen-Vertrag, die Krise bei dem großen Kettenwerk Acciaierie Weissenfels und die Schließung der Bauwerke Cave del Predil in den 1990er Jahren hätten zum Verlust hunderter Jobs geführt. Eingebrochen ist auch der Einkaufstourismus in der traditionellen Marktstadt mit 4.500 Einwohnern.

Freihandelszone soll Abwanderung stoppen

Der Bürgermeister will nun eine Freihandelszone mit einem günstigeren Steuersystem schaffen, um die Krise zu bekämpfen und neue Investitionen in die Gegend zu locken. Ein dementsprechendes Gesetzprojekt wurde von der Senatorin Isabella De Monte, Bürgermeisterin der friaulischen Kleinstadt Pontebba, eingebracht.

"Wegen unserer geografischen Nähe zu Österreich und Slowenien müssen wir Steuerbegünstigungen für unsere Region einführen, damit wir gegenüber den Nachbarländern konkurrenzfähiger werden", betonte die Senatorin. Laut ihrem Projekt sollen Unternehmen, die in der Gegend investieren, Steuervorteile erhalten.

Immer mehr Firmen wandern nach Kärnten ab

Auch der Präsident der Region Veneto, Luca Zaia, hat zuletzt erneut die starke Abwanderung norditalienischer Unternehmen nach Kärnten beklagt. Der Steuerdruck, der auf Unternehmen in Italien laste, betrage schon 65 Prozent und zwinge zum Abzug, sagte Zaia. "Wenn ein Unternehmen nach Kärnten abwandert, ist es meiner Ansicht nach nicht 'schuldig', denn Rom löst die Probleme nicht. Die Unternehmensabwanderung ist ein Zeichen des Scheiterns des italienischen Staates", meinte Zaia, der für die nächsten drei Jahre Präsident der "Euregio Senza Confini - Ohne Grenzen" ist, der auch Kärnten angehört.

Österreichs Anziehungskraft für italienische Betriebe wächst offenbar immer mehr. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2013 haben sich 315 italienische Unternehmen bei der österreichischen Betriebsansiedlungsgesellschaft Austrian Business Agency (ABA) über die Bedingungen zur Ansiedlung in Kärnten erkundigt. Im Gesamtjahr 2012 waren es 470.

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