"Die Aktien-KESt fördert erst recht die Spekulanten"

"Die Aktien-KESt fördert erst recht die Spekulanten"

FORMAT: Halten Sie die Vermögenszuwachssteuer also die Aktien-KESt-neu für sinnvoll?

Christian Wimpissinger: Die KESt auf Veräußerungsgewinne aus Aktien stellt Kurzfristanleger besser als vor deren Einführung und bietet keinen Vorteil, wenn man Aktien langfristig hält. Das fördert erst recht die Spekulanten und ist konträr zu dem, was Politiker in Europa eigentlich erzielen wollen – nämlich Spekulanten höher zu besteuern als Langzeitinvestoren. In Österreich schafft man eine Situation, dass jemand der Aktien zwei Monate hält, genauso besteuert wird, wie jemand der ein Wertpapier zehn Jahre hält. Das sehe ich problematisch. In anderen Rechtsordnungen wie etwa den USA, reduziert sich der Steuersatz auf Spekulationsgewinne sehr stark, je länger man die Wertpapiere hält.

Bei welchen Wertpapiere kommt die neue Aktien-KESt zum tragen?

Wimpissinger: Die Bestimmungen gelten für alle Aktien, die nach dem 31.12.2010 erworben wurden.

Welche Verluste kann ich den Gewinnen gegenrechnen?

Wimpissinger: Der Privatanleger nur solche aus der gleichen Einkunftsart. Man kann nur die Verluste den Gewinnen gegenrechnen, die innerhalb von einem Jahr gemacht wurden. Ein Verlustvortrag auf das nächste Jahr ist nicht möglich.

Welcher Kurs wird für die Berechnung der Aktien-Besteuerung herangezogen?

Wimpissinger: Zu den Anschaffungskosten gilt, dass für alle auf einem Depot gehaltenen Aktien mit derselben Wertpapierkennnummer der gleitende Durchschnittspreis angesetzt wird. Das heißt, wenn ein Anleger 100 Aktien zu einem Kurs von 20 Euro und einmal 100 Stück zu einem Kurs von 22 Euro kauft, liegen die Anschaffungskosten bei 21 Euro. Im betrieblichen Bereich können Investoren auch Anschaffungsnebenkosten berücksichtigen, Privatanleger nicht.

Gibt es einen Stichtag, ab dem die Bank ihren Kunden sagen muss, wie viel Geld sie vom Fiskus zurückbekommen?

Wimpissinger: Das wäre ein spezieller Service der Kreditinstitute, aber verpflichtet sind sie dazu nicht. Sie müssen den Gewinn/Verlust-Ausgleich für 2012 nur innerhalb der ersten vier Monate 2013 machen. Die Verlustdokumentation wird dann wahrscheinlich genauso verschickt wie die Depotauszüge.

Vor allem kurzfristige Anleger haben das Problem, dass für Gewinne gleich 25 Prozent KESt an den Fiskus gehen, aber Verluste erst zu einem späteren Zeitpunkt gegengerechnet werden können.

Wimpissinger: Die Problematik der erst nachträglichen Verlustverrechnung durch die depotführende Stelle stellt sich nur für den Zeitraum zwischen 1. April 2012 und 31. Dezember 2012. Ab 1. Jänner 2013 ist die Verlustverrechnung nämlich laufend vorzunehmen. Das ist vom Gesetzeswortlaut klar vorgegeben: werden positive Einkünfte, die bereits mit 25 Prozent besteuert wurden, später durch negative Einkünfte (Verluste) reduziert, erfolgt eine Gutschrift. Damit gibt es ab 1. Jänner 2013 keinen Liquiditätsnachteil mehr.

Was ist der Stichtag ab dem Anleger die 2012 zu viel bezahlt haben ihre Steuer wieder zurückbekommen?

Wimpissinger: Banken haben bis zum 30.4.2013 Zeit damit die Kunden die Steuer zurückbekommen. Das führt natürlich heuer schon zu einem Liquiditätsproblem bei den Anlegern. Im betrieblichen Bereich unterliegen Veräußerungsgewinne, die mit KESt belastet sind, nicht der Endbesteuerung. Die Verluste, die man innerhalb von Kapitalinvestments erlitten hat, und das was darüber hinausgeht, können im betrieblichen Bereich zur Hälfte mit anderen Einkünften verrechnen werden; hier besteht auch die Möglichkeit eines Verlustvortrages.

Der automatische Gewinn/Verlust-Ausgleich funktioniert aber nur wenn die Anleger alle Wertpapiere bei der gleichen Bank haben?

Wimpissinger: Ja, es bestehen aber Ausnahmen. Die Bank als depotführende Stelle hat den Verlustausgleich für sämtliche Depots eines Anlegers, die er oder sie bei dieser Bank hat, vorzunehmen. Depots mit mehreren Inhaber dürfen jedoch nicht einbezogen werden, genauso wenig wie betriebliche Depots oder Treuhanddepots. Für diese Fälle und wenn Depots bei mehreren Banken eingerichtet sind, müssten Anleger den Verlustausgleich im Rahmen einer Veranlagung geltend machen.

Was passiert, wenn ich das Depot ins Ausland verlege oder selbst ins Ausland ziehe?

Wimpissinger: Dann wird ermittelt wie hoch der Stand der Investments ist und die Differenz zwischen Marktwert und den Anschaffungskosten werden mit 25 Prozent KESt besteuert. Beim Wegzug innerhalb der EU bestehen Ausnahmen, genauso für den Fall eines bloßen Depotwechsels ins Ausland ohne Wegzug, sofern das Finanzamt informiert wird und die Anschaffungskosten der neuen Bank mitgeteilt werden. Der Depotwechsel im Inland oder ins Ausland wird grundsätzlich so behandelt als hätten Sie das Depot verkauft. Das gilt nur dann nicht, wenn der neuen depotführenden Bank die Anschaffungskosten bekannt gegeben werden und im Auslandsfall wie gesagt auch das Finanzamt informiert wird.

Glauben Sie, dass das aktuelle Gesetzt noch reparaturbedürftig ist, oder wird es jetzt so bleiben?

Wimpissinger: Vorläufig dürfte sich nichts mehr ändern, sofern ja auch der Verfassungsgerichtshof das Gesetzt bereits durchgewunken hat. Zudem wurden Unklarheiten teilweise bereits beseitigt und an einigen Stellen nachgebessert.

Besteht die Chance, dass diese Steuer wieder abgeschafft wird?

Wimpissinger: Nein. Was ich mir vorstellen kann, ist, dass man irgendwann die kurzfristige Spekulation mit Wertpapieren höher besteuert als Langfristinvestoren.

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