Crowdfunding: Wenn die Masse Firmen finanziert

Crowdfunding: Wenn die Masse Firmen finanziert

Im anglosächsischen Raum sind Finanzierungen über die "Masse" längst zu einer üblichen Finanzierungsform geworden. Hierzulande gelten allerdings andere Regeln, wie die Probleme rund um den GEA-Chef Heini Staudinger und andere Finanzierungsmodelle zeigen. Im folgenden eine Zusammenfassung der TPA Horwath-Experten über wichtigsten Regeln für Unternehmen und Investoren, sowie deren steuerlichen Auswirkung.

Crowdfunding ermöglicht es, über eine Vielzahl von beteiligten Personen innovative Projekte umzusetzen. Dabei haben sich in den letzten Jahren unterschiedliche Varianten herauskristallisiert, die von Sponsoring
über kleine Dankeschön-Geschenke bis hin zu Unternehmensbeteiligungen reichen.

Der Grundgedanke

Der Grundgedanke bei all diesen Plattformen besteht darin, dass große Projekte durch eine Menge an kleineren Beträgen finanziert werden. Als zusätzliches Asset bekommen die Initiatoren der Projekte viele Anregungen, wie sie ihr Projekt erweitern bzw. verbessern können. Eine alte Idee (beispielsweise Bauherrenmodelle, atypisch stille Modelle, Wiener Bürgerbeteiligungsmodell, Windenergieaktien, Genossenschaftsanteile) wird also in neuen Ausprägungen weiter entwickelt.

Gerade für Unternehmen kann eine spezielle Form des Crowdfunding interessant sein, nämlich das sog. Crowd-Investing. Dabei investieren viele Personen kleinere Beträge in ein Unternehmen und erhalten dafür meist entweder eine Verzinsung, eine (Gewinn-) Beteiligung am Unternehmen oder jede mögliche Variante dazwischen.

Unternehmen können damit die eigene Zielgruppe des Projektes zur Finanzierung ansprechen und Investoren können direkt bei konkreten Projekten auch mit kleinen

Beträgen mitpartizipieren. In Deutschland sind bereits seit 2011 Plattformen am Markt, in Österreich werden gerade mehrere Plattformen (wie zum Beispiel www.conda.at) aufgebaut, die in den nächsten Monaten am Markt ersichtlich sein werden. Zuletzt ist – wie die Medien
berichteten – ein langjähriges Waldviertler Beispiel der Crowdfinanzierung mit den Behörden und Gesetzen in Schwierigkeiten
gekommen.

In der Umsetzung gilt es allerdings, Fehler zu vermeiden, die sowohl das Unternehmen, das sich über derartige Plattformen finanzieren möchte, als auch den inländischen Investor selbst treffen können.

Aus der Beraterpraxis bei TPA Horwath heraus können wir insbesondere anmerken:

Essentiell für das Beteiligungsunternehmen

* Eigenkapital/Fremdkapital:

Sowohl im Hinblick auf die unternehmensrechtliche als auch für die ertragsteuerliche Bewertung ist es essentiell zu beurteilen, ob die gewünschte Beteiligungsform als Eigenkapital oder Fremdkapital zu werten ist. Zinsen aus steuerlichem Fremdkapital sind ertragsteuerlich abzugsfähig, aus unternehmensrechtlicher Sicht Finanzierungsaufwand.

Bei Qualifikation als steuerliches Eigenkapital liegt eine evtl. mit 25 % KESt belastete Ausschüttung vor, bei Einstufung als Mitunternehmerbeteiligung sind die Einkünfte dem Investor direkt zuzurechnen und ist idR keine Quellensteuer einzubehalten.

*Verkehrssteuern:
Durch die Beteiligung können sowohl Gesellschaftsteuer als auch Gebühren entstehen, die entsprechend der Vertragsgestaltung abzuklären sind.

*Sonstige rechtliche Rahmenbedingungen

Diese sind im Vorfeld abzuklären, insbesondere im Hinblick auf das Bankwesengesetz betreffend das Einlagengeschäft, die Finanzmarktaufsicht und die Prospektpflicht nach dem Kapitalmarktgesetz.

Essentiell für einen Investor

* Ertragsteuern:

Je nach Ausgestaltung des Vertrages sind die Einkünfte aus Crowdfunding-Beteiligungen sehr unterschiedlich im Ertragsteuerrecht
zu erfassen. Dabei reicht die Besteuerung der Einkünfte von 25 % bis hin zu 50 % (Höchst-Progression).

Zusätzlich hängt die Besteuerung von den individuellen Gegebenheiten des Investors ab und sollte daher entsprechend mit dem persönlichen Steuerberater abgestimmt werden.

* Exit/Abschichtung:
Investoren sollten sich von Beginn an die Ausstiegsmöglichkeiten, auch aus steuerlicher Sicht, genau ansehen. Das Beteiligungskapital ist meist für mehrere Jahre gebunden, das Kapital kann daher nicht
rückgefordert werden.

Insgesamt bietet Crowdfunding sowohl für (Klein-) Investoren als auch für Unternehmen große Möglichkeiten, deren Umsetzung birgt jedoch viele rechtliche und steuerliche Fallstricke, die im Vorfeld genau
abgeklärt werden müssen.

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