Countdown zum Steuersparen

Countdown zum Steuersparen

Die geplante Erhöhung der Immobilien-Eintragungsgebühr hat gehörig Staub aufgewirbelt. Vorerst besteht im privaten Bereich jedoch kein Handlungsbedarf für eine rasche Immobilien-Übertragung.

PwC-Steuerexpertin Christine Weinzierl: "Bei Schenkungen oder Erbschaften von Immobilien zwischen nahen Angehörigen wird weiter der dreifache Einheitswert als Bemessungsgrundlage für die Eintragungsgebühr herangezogen.“

Schnelligkeit ist dagegen bei der legalen Reduktion der Steuerlast gefragt. Ist es doch nur noch bis zum Jahreswechsel möglich, für 2012 Maßnahmen zu setzen, um den Obolus an den Fiskus zu senken. Bis Jahresende besteht auch die letzte Chance, die Arbeitnehmer-Veranlagung für 2007 durchzuführen.

Kapitalertragssteuer

Ab 1. April 2012 tritt die Kapitalertragssteuer (KESt) Neu in Kraft. Innerhalb eines Jahres können Anleger bei Neubeständen KESt-pflichtige Gewinne mit anderen Posten gegenrechnen. Zu "Neubeständen“ zählen alle seit dem 1. Jänner 2011 erworbenen Aktien und Investmentfonds, bei manchen Wertpapieren wie zum Beispiel Anleihen gilt der Stichtag 30. September 2011.

Steuerberater Joseph Böck: "Bei neu angeschafften Wertpapieren können die bei einem Verkauf erzielten Gewinne mit heuer angefallenen Verlusten ausgeglichen werden. Der Verlustausgleich ist auch mit Dividenden möglich. Sparbuchzinsen und Kosten für Depotgebühren oder Bankspesen können nicht zum Verlustausgleich herangezogen werden.“

Monika Seywald, Steuerberaterin bei TPA Horwath: "Wegen der Möglichkeit zur Gegenverrechnung kann es steuerlich sinnvoll sein, noch heuer Gewinne oder Verluste zu realisieren. Dennoch sollte nicht einzig der steuerliche Aspekt Ausschlag darüber geben, ob Wertpapiere abgestoßen werden. Es ist auch zu bedenken, dass Transaktionsspesen anfallen, die steuerlich aufgrund der Endbesteuerung nicht abzugsfähig sind.“

Weiter steuerfrei bleiben dagegen Gewinne aus Veranlagungen, die nicht auf einem Bankdepot liegen. Dazu zählen etwa Goldmünzen oder auch Sammlerobjekte wie Gemälde. Wer solche Pretiosen nach der einjährigen Behaltefrist verkauft, kann den Gewinn völlig legal brutto für netto behalten.

Gemeinschaftsdepots

Thomas Wilhelm, Steuerexperte von Ernst & Young: "Eine unangenehme Änderung betrifft Besitzer von Gemeinschaftsdepots, was etwa bei Ehepaaren sehr häufig vorkommt. Innerhalb dieser Depots dürfen Banken keinen automatischen Verlustausgleich der Wertpapier-KESt mehr durchführen. Deshalb sind Betroffene gezwungen, den Ausgleich zwischen den KESt-Beträgen aus Kursgewinnen und -verlusten selbst über die Steuerveranlagung vorzunehmen.“

Das ist nicht nur mühsam, sondern führt in der Praxis zu einer Aufgabe des Bankgeheimnisses für das Depot. Steuerberater Wilhelm: "Besitzern von gemeinschaftlichen Depots rate ich, die Wertpapiere auf unterschiedlichen Konten zu trennen und sich gegenseitig die Zeichnungsberechtigung einzuräumen.“ Allerdings sollte man vorher genau abklären, ob dabei kein steuerpflichtiger Tausch entsteht. Wilhelm: "Um das zu verhindern, kann man zum Beispiel entweder jeden Wertpapierbestand genau eins zu eins auf beide Besitzer aufteilen oder alle Wertpapiere einem Partner zuordnen, was ohnehin meist der Realität entsprechen wird.“

Kirchensteuer

Bei der Kirchensteuer konnten im Vorjahr 200 Euro als Sonderausgabe abgesetzt werden. Heuer liegt die Grenze bei 400 Euro, falls der Beitrag an eine anerkannte Religionsgemeinschaft entrichtet wird. Tipp: Beim Kirchenbeitrag macht es Sinn, die gesamten Zahlungen innerhalb der Familie im Auge zu behalten. Jeder Steuerzahler sollte seinen Beitrag bis zur Obergrenze selbst berappen. Überschreitet der Beitrag bei einem Partner die Höchstgrenze, kann der andere, dessen Beitrag darunter liegt, den übersteigenden Teil steuerwirksam nutzen.

Sonderausgaben

Die gleiche Spielart lässt sich bei Topf-Sonderausgaben anwenden. Dazu zählen Prämienzahlungen für bestimmte Kranken-, Lebens- und Unfallversicherungen sowie Ausgaben für Wohnraumbeschaffung und -sanierung. Der Betrag der Topf-Sonderausgaben ist mit 2.920 Euro pro Jahr begrenzt. Alleinverdiener und -erzieher können weitere 2.920 Euro geltend machen. Achtung: Die Sonderausgaben werden ab einem Jahreseinkommen, das nach Abzug von Sozialversicherung und Sonderzahlungen 36.400 Euro erreicht, reduziert. Deshalb bringt es oft Steuervorteile, wenn der Partner, der über das geringere Einkommen verfügt, Zahlungen übernimmt und geltend macht.

Zusätzlich sind außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzbar. Dabei werden aber nur Beträge berücksichtigt, bei denen der jährliche Selbstbehalt klar über einem Monatsgehalt liegt. Das kann etwa auf kostenintensive Zahnbehandlungen zutreffen. TPA-Horwath-Expertin Seywald: "Hohe Arzt- oder Apothekenrechnungen sollten innerhalb eines Jahres und nicht in Raten auf mehrere Jahre hinweg verteilt gezahlt werden, da jedes Jahr der Sockelbetrag zu berücksichtigen ist. Jeder Euro, der über dem Sockelbetrag liegt, wirkt steuermindernd.“ Weitere Infos zu Sonderausgaben gibt das "Steuerbuch“ des Finanzministeriums, das unter www.bmf.gv.at gratis zum Download zur Verfügung steht.

Spenden

Gegen Jahresende ist die Spendenfreudigkeit am höchsten. Ab der Veranlagung 2012 wurde die Höchstgrenze der steuerlichen Absetzbarkeit neu geregelt. Private können Spenden bis zu einer Höhe von zehn Prozent des Vorjahreseinkommens als Sonderausgaben absetzen. PwC-Steuerberaterin Weinzierl: "Mit dem Abgabenänderungsgesetz 2012 wurde die Liste der begünstigten Spendenempfänger ausgeweitet.“ Infos dazu gibt es wiederum auf der Homepage des Finanzministeriums. Tipp: Heben Sie die Zahlungsbelege Ihrer Spenden auf, Sie können diese bis zu fünf Jahre rückwirkend beim Finanzamt einreichen.

Kinderfreibetrag und -betreuungskosten

Pro Kind ist ein Freibetrag von 220 Euro im Jahr geltend zu machen. Wenn beide Elternteile den Freibetrag in Anspruch nehmen, steht den Partnern jeweils 60 Prozent des Freibetrages, das sind 132 Euro, zu. Für Kinder bis zum Alter von zehn Jahren sind bis 2.300 Euro pro Kind und Jahr als Kinderbetreuungskosten absetzbar. Bei behinderten Kindern gilt eine Altersgrenze von 16 Jahren. Sowohl Kinderfreibetrag als auch -betreuungskosten können über die Einkommenssteuererklärung oder Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden.

Investitionen bis 400 Euro

Beruflich notwendige Ausgaben werden vom Fiskus als Werbungskosten anerkannt. Arbeitnehmer, die noch heuer einen Steuervorteil lukrieren wollen, sollten etwa ein neues Mobiltelefon oder einen günstigen Tablet-Computer kaufen. Dabei ist zu beachten, dass die Anschaffung bis zum Kaufpreis von 400 Euro sofort von der Steuer absetzbar ist. Sonst muss der Kaufpreis steuerlich auf mehrere Jahre verteilt werden. Sollte etwa ein Tablet-PC inklusive Zubehör 500 Euro kosten, zahlt es sich aus, separate Rechnungen für das Gerät und eine Ladestation ausstellen zu lassen, um unter die Grenze von 400 Euro zu kommen.

Kilometergeld als Werbungskosten

Arbeitnehmer, die selbst Kosten tragen, die berufsbedingt entstanden, können die Zahlungen als Werbungskosten geltend machen. PwC-Expertin Weinzierl: "Das ist etwa der Fall, wenn der Arbeitgeber die Kosten der Teilnahme an einem Seminar, aber nicht die Fahrtkosten zum Veranstaltungsort übernimmt. In diesem Fall ist das Kilometergeld als Differenz-Werbungskosten einzubringen.“

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