Russland: Automarkt steht vor scharfer Korrektur

Russland: Automarkt steht vor scharfer Korrektur

Am zuletzt beständig boomenden Automarkt in Russland werden für das laufende Jahr erste Bremsspuren erwartet. Nach drei Jahren in Folge mit mehr als zehn Prozent Wachstum werden für 2013 mindestens Wachstumseinbußen oder sogar Absatzverluste prognostiziert.

Vor allem der Hersteller Renault wäre mit einem starken Engagement in Russland betroffen. Die russische Lust auf Neuwagen sollte bei den Franzosen die wegbrechenden Märkte in Westeuropa ausgleichen.

Renault kontrolliert die russische Traditionsmarke Lada und setzt damit auf den florierenden Inlandsmarkt, der bereits 2014 Deutschland als den größten Automarkt in Europa ablösen soll. Eine wachsende Mittelschicht kann sich immer mehr leisten und der Nachholbedarf an Motorisierung in dem riesigen Land scheint immens. Jetzt hat Russland allerdings mit einer Inflationsrate von 6,6 Prozent im Jahre 2012 und einem entsprechend steigenden Zinsniveau zu kämpfen, und das dämpft die Nachfrage für neue Autos offenbar wesentlich.

Diese Gefahr besteht nicht nur für Renault - auch Konkurrenten wie Volkswagen, Ford und andere Hersteller haben ihre Kapazitäten in Russland zuletzt deutlich ausgeweitet. General Motors und deren russischer Partner GAZ fuhren erst in der abgelaufenen Woche die lokale Produktion des Chevrolet Aveo auf 30.000 Fahrzeuge pro Jahr hoch, womit noch mehr Fahrzeuge um Marktanteile kämpfen.

“Es handelt sich bei Russland um einen besonders wettbewerbsintensiven Markt”, sagte GAZ-CEO Bo Andersson zum Anlass der Produktionserhöhung. “Hier werden derzeit mehr als 500 Modelle angeboten. In Schweden werden Kombis bevorzugt, die Amerikaner lieben Pickups, SUV oder Limousinen. Hier in Russland sind alle Autotypen gleichermaßen gefragt”, sagte er.

Das war nicht immer so. Bis in die neunziger Jahre, schon nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, konnte Russland praktisch als weißer Fleck auf der Landkarte der internationalen Autoindustrie gelten. Die Lada-Konzernmutter OAO AvtoVAZ wurde von der Regierung in Moskau subventioniert und am Leben gehalten. Dabei wurden die Zulieferer zuweilen mit fertigen Fahrzeugen bezahlt, oder gar mit Lebensmitteln und Kleidung für die Arbeiter entschädigt.

Bis zum Jahre 2008 änderte sich die Lage grundsätzlich. Um eine 25-Prozent-Beteiligung an AvtoVAZ konkurrierten neben Renault auch GM und Fiat. Gemeinsam mit dem japanischen Konzernpartner Nissan haben die Franzosen zuletzt vereinbart, mit 74,5 Prozent die Kontrolle beim Lada-Hersteller zu übernehmen. Volkswagen und Ford betreiben jeweils eigene Werke mit einer Kapazität von mehr als 100.000 Fahrzeugen in Russland und arbeiten seit 2011 an deren Erweiterungen.

Der volatilkste Markt der Welt

Aber der russische Markt ist volatil; vor dem letzten dreijährigen Boom gab es im Jahre 2009 einen Absatzeinbruch von 49 Prozent. Das Absatzwachstum von elf Prozent im Jahre 2012, als 2,98 Millionen Fahrzeuge im Lande verkauft wurden, wird von IHS Automotive im laufenden Jahr auf gerade noch 2,3 Prozent geschätzt. Eine Umfrage der Branchenvereinigung Association of European Businesses AEB brachte eine Erwartung zwischen plus fünf und minus fünf Prozent für den Automarkt.

Die Renault-Nissan-Lada-Gruppe konnte den Absatz 2012 um ein Prozent auf 890.433 Fahrzeuge steigern, wobei Renault mit einem Zuwachs von 23 Prozent den um sieben Prozent gesunkenen Marktanteil von Lada mehr als ausgleichen konnte. Russland hatte im letzten Jahr einen Anteil von 7,3 Prozent am Renault- Gesamtabsatz.

“Russland gehört bei der Profitabilität mit Margen von fünf bis sieben Prozent zu den wichtigsten Märkten von Renault” sagt Analyst Florent Couvreur von CM-CIC Securities in Paris. Jede Abschwächung hätte Konsequenzen für das Engagement. Bei Renault wird für 2012 eine operative Gewinnmarge von 1,7 Prozent erwartet, wenn das Unternehmen aus Boulogne-Billancourt nahe Paris am 14. Februar seine Zahlen vorlegt.

An der Börse hat sich das positive Ergebnis für Renault in Russland bislang als stützend erwiesen. Renault-Aktien sind im Laufe des Jahres 2012 um 52 Prozent gestiegen und legten damit die drittbeste Entwicklung im Branchenindex Stoxx 600 Autos and Parts vor. Seit Jahresbeginn sind Renault-Titel um acht Prozent gestiegen, woraus sich eine Marktkapitalisierung von 13 Mrd. Euro ergibt.

Renault selbst will mit der Abschwächung ohne große Blessuren klarkommen: “Wir bleiben sehr zuversichtlich, dass sich der russische Markt strukturell im Aufwind befindet”, sagte Renault-Russlandchef Bruno Ancelin in einem Interview, und: “Die Kaufkraft in Russland erhöht sich weiter”.

Tatsächlich gibt es unverändert ein riesiges Potenzial des russischen Automarktes. Mit 233 Autobesitzern je 1000 Einwohner lag die Quote 2009 bei gerade der Hälfte von Deutschland, wo jeder zweite ein Auto besitzt. In den USA sind es 600 von 1000 Amerikanern, wie aus Daten der Weltbank hervor geht. Zugleich altert die Flotte und kommt nach Branchenangaben im Durchschnitt auf eine Nutzung von zehn Jahren.

Analyst Wladimir Bespalow von VTB Capital in Moskau sieht noch einen weiteren Grund für Kaufzurückhaltung unter russischen Autointeressenten. “Lange sind Autos hier als Anlagemöglichkeit angesehen worden”, sagt er, “mit der Stabilisierung im Bankensektor bringen die Leute ihr Geld nun eher zur Bank, als es für einen neuen Wagen auszugeben”.

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