Wohin mit den Kindern im Sommer?

Wohin mit den Kindern im Sommer?

Zu Schulbeginn im letzten Herbst sah alles noch recht vielversprechend aus. Kinder in Ganztagesschulen werden selbstverständlich auch während der Sommerferien betreut, hieß es von der Schuldirektorin. Der Sommer rückt näher, und auf einmal sieht alles nicht mehr so rosig aus. Innerhalb von nur drei Tagen bereits im März muss das Kind für eine Betreuung angemeldet werden, und diese befindet sich - im besten Fall - drei Gemeindebezirke weiter. Für Berufstätige aber können drei Bezirke weiter eine wahre Odyssee werden.

Das eingangs zitierte Beispiel steht exemplarisch für das österreichweit existierende Problem berufstätiger Eltern, für ihre Sprösslinge im Sommer neun Wochen lang eine Beschäftigung zu finden. "Es gibt sicher noch große Versorgungslücken im öffentlichen Bereich“, gibt auch Familienministerin Sophie Karmasin, selbst berufstätige Mutter, im FORMAT-Gespräch zu. Wie viele Betreuungsplätze in Österreich genau fehlen, kann sie nicht sagen, denn dies sei Landessache. In der Arbeiterkammer schätzt man den Zusatzbedarf auf zumindest 100.000 Plätze. "Die Diskrepanz zwischen 68 Ferientagen und nur 25 Urlaubstagen im Jahr schafft große Probleme“, konstatiert auch die AK-Bildungsexpertin Gabriele Schmid.

1,5 Millionen für 1.200 Plätze. Besonders groß sei dieses Problem in den ländlichen Gebieten, vor allem in Tirol und Vorarlberg gäbe es kaum öffentliche Betreuungsmöglichkeiten, berichtet Schmid. In Wien ist man stolz, 1,5 Millionen Euro für die heurige Sommerbetreuung investiert zu haben. Damit könnten in Kooperation mit Partnern wie den Kinderfreunden 1.200 neue Betreuungsplätze geschaffen werden. Auch in Privatschulen wie dem Wiener Theresianum werden seit kurzem Feriencamps angeboten.

Doch dieses Angebot scheint bei Weitem zu gering, denn private Veranstalter von Sommercamps und -kursen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Alfred Meindl, Eigentümer von www.feriencamps.at und größter privater Anbieter, hat 2006 mit einem zweiwöchigen Camp begonnen. Heute bietet er 40 verschiedene Camps an und beschäftigt im Sommer nicht weniger als 100 Mitarbeiter. Im Schnitt werden 200 Kinder pro Woche hier betreut. Angeboten wird alles, was das Herz begehrt: Vom "ordinären“ Fußballcamp über Bogenschießen, Musical bis hin zu Schach und Computerkursen kann alles gebucht werden.

Einige Kurse ausgebucht

Rund um Ostern beginnt meist der große Run auf die besten Plätze. Und manchmal ist man zu Ostern auch schon zu spät mit dem Buchen dran. Das "Naturabenteuer für Walddetektive“ oder das "Abenteuer Kultur“ in Kooperation mit dem Belvedere ist bei den Kinderfreunden schon jetzt ausgebucht. "Kinder werden anspruchsvoller. Man muss ihnen heutzutage mehr bieten als ein Matratzenlager im Turnsaal einer Schule“, glaubt die Sprecherin der Kinderfreunde, Michaela Müller-Wenzel.

Davon ist auch Ilse Kefer überzeugt, die letztes Jahr in Tulln das Projekt "Good Afternoon“ privat initiiert hat. "Es geht nicht um eine Aufbewahrung der Kinder. Sie wollen körperlich und geistig gefordert werden“, ist sie überzeugt. Deshalb hat sie kurzerhand in Tulln, einer Wüste, was Kinderbetreuung anbelangt, ein Haus gekauft, saniert und adaptiert und betreut dort auf 2.500 Quadratmetern rund 50 Zehn-bis 14-Jährige. Sozialminister Rudolf Hundstorfer hat das so gut gefallen, dass er dafür einen Förderpreis für innovative Kinderbetreuung vergeben hat. Ansonsten, so Kefer, ist die Betreuung aber kein einträgliches Geschäft: "Ich muss jedes Jahr Geld nachschießen“, sagt sie. Auch Meindl beteuert, nicht das große Geld mit seinen Feriencamps zu machen: "Die Spannen werden immer geringer. Um in diesem Geschäft überleben zu können, müssen Anbieter aufpassen, die Qualität nicht zu verlieren.“

Das dürfte nicht immer gelingen, denn immer wieder berichten leidgeprüfte Eltern hinter vorgehaltener Hand von Sommercamps in Bruchbuden, überforderten Betreuern und Essen, das sie nicht einmal ihrem Haustier vorsetzen würden. Und das zu stolzen Preisen von 600 Euro pro Woche. Für Mehrkindfamilien oder Alleinerzieher ist das meist eine finanzielle Herausforderung. Das weiß auch Familienministerin Karmasin, die sich nun für eine Erhöhung der steuerlichen Absetzbarkeit der Betreuungskosten vom 10. auf das 14. Lebensjahr einsetzen will.

Neue Plattform und App

Außerdem will Karmasin mehr Transparenz in den Anbieter-Dschungel bringen. Deshalb hat sie diese Woche eine Betreuungsplattform und eine "Family App“ für Android und iOS mit mehr als 400 Angeboten österreichweit vorgestellt. Nach Anlaufen des Projekts will sie es um ein Forum, über das sich Eltern austauschen können, erweitern. Auch FORMAT hat eine Auswahl an Sommercamps zusammengestellt.

Aber nicht nur die öffentliche Hand ist in der Sommerbetreuung gefordert. Bislang bieten nur einige wenige Unternehmen für die Kinder ihrer Mitarbeiter eine Sommerbetreuung an . Die Bank Austria betreibt seit letztem Jahr ein Kidscamp am Kaiserwasser und kann sich der Anmeldungen gar nicht mehr erwehren. Von insgesamt 400 Plätzen ist die Hälfte schon weg.

Auswahl an Sommercamps

Anbieter in Wien
Camps in den Bundesländern
Unternehmensinterne Angebote

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