Urlaub: Malediven und Mauritius statt Nordafrika und Paris

Österreichs Reiseveranstalter verzeichnen Einbrüche bei Buchungen für Ägypten und Tunesien, dafür boomen Fernreisen auf die Malediven. Viele Destinationen werden künftig billiger, teurer werden hingegen Reisen nach Griechenland oder Kuba.

Urlaub: Malediven und Mauritius statt Nordafrika und Paris
Urlaub: Malediven und Mauritius statt Nordafrika und Paris

Die Malediven entwickeln sich zur reizvollen Alternative zu Ägypten oder Tunesien.

Die Tourismusbranche ist von politischen Wirren und Terrorakten in beliebten Destinationen wie Tunesien, Ägypten und zuletzt Paris gebeutelt und kämpft um die Reiselust ihrer Kunden. "2015 war eine Hochschaubahn der Gefühle - und auch der Zahlen", sagt der Geschäftsführer der Rewe Austria Touristik, Martin Fast. Was aber boomt, sind Fernreisen.

Der (hinter Marktführer TUI) zweitgrößte Reiseveranstalter in Österreich mit den Marken ITS Billa Reisen und Jahn Reisen schloss sein Tourismusjahr 2014/15 per Ende Oktober letztlich "mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau" ab. "Wir haben das Budget erreicht und das war kein leichtes Unterfangen", berichtet der Rewe-Touristik-Chef. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita), der an den deutschen Mutterkonzern abgeliefert wird, sei "im Plan" gewesen.

Malediven als Alternative zum Abtauchen

Trotz der zuletzt schwierigen Rahmenbedingungen strebt die Rewe Austria Touristik für den Sommer 2016, der bei dem Reiseveranstalter ab heute buchbar ist, ein Umsatzwachstum von 5 Prozent an. Dazu beitragen soll in erster Linie das Geschäft mit weiter entfernten Destinationen. "Es ist ein Schwenk hin zu Fernreisen zu beobachten", stellt Fast fest. Die Malediven beispielsweise seien schon im abgelaufenen Tourismusjahr "der Shootingstar" gewesen. Sein Unternehmen verbuchte mit diesem Reiseziel ein Umsatzplus von 19 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Auch der aktuelle Winter 2015/16 sei "getrieben durch die Fernreise - die ist wirklich bombastisch", so der Touristiker. Die Buchungsumsätze in dem Bereich liegen derzeit den Angaben zufolge in Summe um fast 20 Prozent über dem Vorjahr. In erster Linie seien es auch jetzt wieder die Malediven, die besonders gefragt und bisher um 24 Prozent stärker gebucht seien als vor einem Jahr. Doch auch Kuba ist laut Rewe Austria Touristik sehr beliebt - die Umsätze für diesen Winter stiegen hier im Jahresabstand bisher um 47 Prozent; das Volumen mit Mauritius habe sich verdoppelt und die Umsätze mit Kenia hätten - von einem niedrigen Niveau aus - um 66 Prozent zugelegt.

Ägypten ist "komplett weggebrochen"

Gravierende Probleme gibt es dafür mit Ägypten. Zwar hätten die Buchungen für den heurigen Winter "stark begonnen". Doch seit dem Anschlag auf eine russische Passagiermaschine am 31. Oktober, bei dem alle 224 Insassen getötet wurden, sind "die Neubuchungen, die hereinkommen, extrem gering". Das Land ist buchungstechnisch "komplett weggebrochen". Die Reiseveranstalter haben Charterkapazitäten eingekauft und sitzen nun auf den nicht verkauften Flugplätzen. Der Flugzeugabsturz auf der Halbinsel Sinai wirke sich auf die Buchungen in ganz Ägypten aus, erzählte Fast. Das österreichische Außenministerium warnt vor einem erhöhten Risiko von Terroranschlägen und hat für das Land eine partielle Reisewarnung ausgesprochen. Die Reisepreise seien "derzeit teilweise extrem im Keller".

Im Sommer 2016 will die Rewe Austria Touristik trotzdem ein Umsatzplus gegenüber heuer schaffen. Dazu sollen nicht nur die im oberen Preissegment angesiedelten Fernreisen, sondern auch zusätzliche Destinationen und Produkte beitragen. Als neues Reiseziel wird beispielsweise Florida mit fünf AUA-Flügen pro Woche angeflogen. "Weiters haben wir einige Destinationen, die kommenden Sommer unserer Meinung nach stark werden", sagt Fast. Für Bulgarien, Spanien und Portugal wurden die Flug- und Hotelkapazitäten jedenfalls aufgestockt. Nach Bulgarien können Rewe-Austria-Touristik-Kunden nun auch ab Linz fliegen.

Kuba und Griechenland werden teurer

Zum Teil werden die Reisen im kommenden Sommer billiger. "Wir haben - je nach Destination - die Preise gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um 2 bis 5 Prozent gesenkt", erklärt Fast. Es gibt aber auch Reiseziele wie beispielsweise Griechenland, wo die Preise um durchschnittlich 3 Prozent anziehen. Das sei alleine durch die dort massiv erhöhte Mehrwertsteuer für Hotels begründet.

Aber auch Kuba, das nach der Öffnung gegenüber den USA in der Beliebtheit der Urlauber gestiegen ist, wird um 3 Prozent teurer. "Da ist der Dollarkurs relevant, in dem unsere Verträge abgeschlossen sind", so der Unternehmenschef.

Kroatien, Kenia und Türkei werden billiger

Im Schnitt um 2 Prozent günstiger werden wiederum Reisen nach Kroatien. "Wir kaufen dort jetzt gemeinsam mit Deutschland (Rewe Touristik in Köln, Anm.) ein", sagt Fast. Preisnachlässe gibt es auch für Kenia - im Schnitt sind es 10 Prozent, bei einzelnen Hotels bis zu 25 Prozent. Billiger geht es auch nach Mauritius (minus 2 Prozent), Sri Lanka (minus 3 Prozent) und die Türkei (ebenfalls minus 3 Prozent).

Gemessen an den Umsätzen rückte die Türkei bei der Rewe Austria Touristik 2015 gegenüber dem Jahr davor trotz der Terroranschläge in Suruc nahe der syrischen Grenze am 20. Juli mit 32 Toten und in Ankara am 10. Oktober mit über 100 Toten mit einem leichten Plus von 3 Prozent auf Platz zwei der am stärksten gebuchten Reiseziele vor und überholte damit Spanien.

Die bei dem Reisekonzern beliebteste Destination war heuer nach wie vor Griechenland, das nach einer dreiwöchigen Buchungsflaute im Juli letztlich doch mit Umsätzen über Vorjahresniveau abschloss. Bei dem kurzfristig abgehaltenen Referendum am 5. Juli hatten sich gut 61 Prozent der Griechen gegen die Spar- und Reformvorgaben der internationalen Geldgeber ausgesprochen. Daraufhin wurden die Banken in dem von der Pleite bedrohten Land drei Wochen lang geschlossen und Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Bilder in Medien von leeren Supermarktregalen hielten dann doch eine ganze Reihe von potenziellen Urlaubern von einem Kurzfrist-Trip nach Hellas ab. "Dann hat sich alles wieder normalisiert und Griechenland legte doch noch eine erfolgreiche Saison hin", resümierte Fast.

Tunesien-Offensive kommenden Sommer

Massive Umsatzeinbußen von 60 bis 65 Prozent erlitt der Reiseveranstalter heuer allerdings in Tunesien. "Bis Juni liefen die Buchungen gut, doch seit den Anschlägen am Strand wird das Land extrem wenig gebucht", räumte der Tourismus-Chef ein. Geringere Umsätze verzeichnete die Rewe Austria Touristik auch in Kenia und in Mexiko.

Kommenden Sommer riskiert der Reiseveranstalter - ebenso wie sein Konkurrent TUI - eine Tunesien-Offensive: "Wir haben acht Charter nach Tunesien eingekauft", gab Fast bekannt. Flugpartner ist die Nouvelair. Allerdings gibt es eine Vereinbarung mit der Airline, die Lage bis Ende März zu beobachten und gegebenenfalls flexibel zu reagieren. Die TUI hat im Sommer 2016 für Österreich in Richtung Tunesien mit dem Partner Tunis Air vier Vollcharter im Programm, die ab Mai in den Markt gestellt werden und bereits buchbar sind, wie die operative TUI-Österreich-Chefin Lisa Weddig kürzlich bekanntgab. Die TUI fliegt bereits dreimal die Woche nach Tunis.

"Wir sind schon gespannt, wie sich die allgemeine Situation mit der Flüchtlingskrise und der Alarmstimmung in Paris auf den kommenden Sommer auswirkt - die Stimmung ist derzeit nicht gerade euphorisch, aber wir hoffen, dass sich der Österreicher seinen Sommerurlaub nicht vergällen lässt", sagt der Österreich-Chef der Rewe Touristik.

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