SoPi – Bobo-Paradies Paris

SoPi – Bobo-Paradies Paris

Neulich in Paris. Auch wenn es zur Rentrée, zum Beginn der kulturellen und gesellschaftlichen Herbstsaison nach den Grandes Vacances, noch einige Wochen hin ist, so geht es hier recht lebhaft zu: im und vor dem Hotel Amour.

Fotografen testen ihre Kameras, ihre Assistenten verpacken schwere Ausrüstungen in kleine Autos, eine Gruppe ganz junger, superdürrer Models aus New York sitzt an einem der größeren Tisch vor der Bar und erörtert Jet-lag-Probleme. Am Nebentisch lehnen zwei junge Männer mit Bart und Wollmützen über iPads gebeugt, eine Gruppe elegant gekleideter Damen sitzt an den Bistrotischen im grünen Innenhof.

Das könnte NoMad oder SoHo oder die LSE in New York sein. Aber nein, das ist SoPi in Paris: South of Pigalle. Wenn SoPi das angesagteste Viertel von Paris ist, dann ist das Hotel Amour der angesagteste Ort in SoPi.

SoPi, die Gegend um die Rue des Martyrs im neunten Arrondissement, ist ein interessantes Viertel. Im 19. Jahrhundert wurde es wegen seiner klassischen Architektur und der vielen Gelehrten und Schriftsteller, die hier wohnten, "La nouvelle Athenes“ genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkam es zu einem Rotlichtviertel. Nun ist es eine äußerst gefragte Wohngegend für die Klasse der bourgeoisen Bohemiens, der Bobos, jener nicht mehr ganz jungen Menschen, die zu etwas Geld gekommen sind, sich den Lebensstil der jungen Jahre aber nicht nehmen lassen wollen.

Ein hippes Hotel mit frivoler Vergangenheit: das Hotel Amour. Wenn ein Hotel "Amour” ( hotelamourparis.fr ) heißt, dann muss man nicht lange raten, um eine Idee von seiner Geschichte zu bekommen. Tatsächlich diente das Amour in der kleinen Rue Navarin lange Zeit als "hôtel de passe“, als Stundenhotel. Vor einigen Jahren hat es der frühere Graffiti-Künstler André Saraiva, der den angesagten Pariser Nachtclub "Le Baron“ (inzwischen mit Ablegern in aller Welt) betreibt, übernommen. Jedes der 24 Zimmer wurde von einem anderen Künstler - u. a. von Marc Newson, Terry Richardson, Sophie Calle - gestaltet, meist ist die Ausstattung recht frivol geworden, manchmal auch richtig sexy. Die Leute vom Hotel sind sich da ihrer Sache so sicher, dass sie erst gar keinen Fernseher in die Zimmer stellen. An den Wänden hängen erotische Fotografien, in den Regalen stehen hippe Bücher.

Wer jedoch kein Zimmer bekommt (das Hotel ist meist gut gebucht; Zimmer gibt es bereits ab 115 Euro), sollte das Amour dennoch aufsuchen. Das Restaurant mit dem schönen, grünen Innenhof ist längst der Hotspot der Pariser Kreativ-Szene, die Bar am Abend rappelvoll.

Eine Straße, wie man sie nur in Paris findet: die Rue des Martyrs. Der Name der Straße soll an den Heiligen Dionysius erinnern, den ersten Bischof von Paris, der mit seinen Gefolgsleuten hier im dritten Jahrhundert enthauptet wurde. Die Legende will es, dass der geköpfte Dionysius mit seinem Kopf unterm Arm dann noch einige Kilometer gelaufen ist. Das kann man glauben oder auch nicht. Wie auch immer: Heute ist die Rue des Martyrs eine fast schon altmodisch anmutende Pariser Straße mit Cafés, kleinen Bistros, Boutiquen, Boulangerien, Pattisserien, koscheren und halalen Fleischereien und mit einem kleinen Markt am unteren Ende der Straße. Steil führt sie von der Église Notre Dame de Lorette nach oben, Richtung Place Pigalle.

In das Blickfeld der schicken Szene geriet die Rue des Martyrs vor etwa zehn Jahren. Damals eröffnete die Engländerin Rose Carranini in einem ehemaligen Lagerraum eine Bäckerei samt Café: Rose Bakery (46, Rue des Martyrs). Eine große Zukunft wurde ihr damals nicht prophezeit. Eine Engländerin, die meint, Paris würde auf ihre süßen anglo-amerikanischen Spezialitäten (von Brownies bis Carrot Cakes) warten - das kann und darf nicht gut gehen. Es ging gut, die Leute standen Schlange bis raus auf die Straße und heute ist Rose mit ihrer Bakery Kult.

Foodies kommen auf ihre Rechnung: die Restaurants von SoPi. Natürlich gibt es sie auch, die typisch französischen Restaurants und Bistros. Die Casa Olympe (48, rue Saint-Georges) zum Beispiel, die von Olympe Versini betrieben wird, einer Legende aus den Zeiten der Nouvelle Cuisine, die viele Leute aus der Modeszene zu den Stammgästen zählt. Oder La Table des Anges (66, rue des Martyrs), ein recht innovatives, kleines Bistro. Sonst aber dominiert Multikulti, was in einem Viertel, das sich so amerikanisch SoPi nennt, keinen überraschen wird.

Gut zu wissen

Wer Zeit für eine Exkursion hat, der sollte die etwa einstündige Fahrt mit dem TGV vom Gare du Nord in die ehemalige Bergarbeiterstadt Lens unternehmen. Dort hat der Pariser Louvre kürzlich eine Außenstelle errichtet: den Louvre Lens ( www.louvrelens.fr ), ein ganz wunderbares Museum, das von den japanischen Stararchitekten Sanaa hervorragend gestaltet wurde.

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