Reisetipp: Kuba

Reisetipp: Kuba

Neulich in Havanna: "Año 55 de la Revolución“, das 55. Jahr der Revolution, steht klein links oben auf der Titelseite von Granma, der rachitischen Parteizeitung der kommunistischen Partei Kubas. Wer jedoch mit halbwegs offenen Augen und Ohren durch die Straßen Havannas geht, der kann es nicht übersehen: Ein Gespenst geht um in Kuba, das Gespenst des Kapitalismus.

Der Concierge meines Hotels erzählt mir von privaten Restaurants, die ich unbedingt besuchen sollte, weil sie soviel besser sind als die staatlichen; Touristen, mit denen man an der Theke einer Bar ins Gespräch kommt, berichten von den privaten Pensionen, in denen sie untergekommen sind und die soviel mehr Einblick in das wahre Leben von Havanna geben. Paradores nennt man diese privaten Restaurants, Casas particulares die privaten Bed & Breakfasts. Aber nicht nur private Restaurants, Cafés und Hotels gibt es, auch privat geführte Boutiquen, Friseure und Taxiunternehmer. KMUs auf Kubanisch also. Kuba ist ein Land im Umbruch. Wer noch den revolutionären Charme kennenlernen will, der muss sich beeilen. Vier Beobachtungen von einer Reise über die Insel.

1. Kuba ist anders

Gut, das behaupten viele Städte und Regionen von sich. Meist ist das nicht mehr als ein etwas fantasieloser Marketing-Gag. Bei Kuba aber trifft das aber voll und ganz zu. Eine Reise nach Kuba ist immer auch eine Reise in die Vergangenheit. Und das liegt nicht nur an den amerikanischen Oldtimern aus den 1950er-Jahren, die immer noch fein poliert durch die Straßen fahren. Kreditkarten sind hier ein nahezu unbekanntes Zahlungsmittel; mit Maestro-Karten lässt sich kein Geld aus dem Bankomaten ziehen. Außerhalb Havannas wird der öffentliche Verkehr von Pferdedroschken gestaltet, treiben Cowboys mit Stetson-Hüten am Kopf und Revolver am Gürtel Kuhherden über die Weiden und ein passabel schneller Internetzugang ist auch kaum zu finden. Vor allem aber fällt auf, was fehlt: Auf Kuba gibt es keine Werbung. Nur Plakate, die den Sozialismus, die internationale Solidarität und Hugo Chavez als "nuestro mejor amigo“ feiern.

2. Havanna ist mehr als Hemingway

Man kann sich natürlich immer noch auf die Spuren Ernest Hemingways begeben. Die vielen amerikanischen Touristen, die die Insel auf einer dieser eigenartigen People-to-People-Reisen besuchen dürfen, machen es so. Lunch und Daiquiris im Restaurant El Floridita, Mojitos in der Bodeguita del Medio, Besuche seines Zimmers im Hotel Ambos Mundos und der Finca in San Francisco de Paula. Viel unterhaltsamer ist ein Abend an der "Rampa“, der steil aufsteigenden Calle 23 im Stadtteil Vedado. Hier lassen sich die Habaneros treiben; hier sind die Kinos, die Bars, die besten Paradores, der berühmte Eissalon Coppelia. Und spät am Abend sitzt man an der Bar des berühmten Hotel Nacional.

3. Kuba ist eine große Insel

Mit mehr als 100.000 Quadratkilometern ist Kuba deutlich größer als Österreich. Es hat eine Länge von 1.200 Kilometern. Etwa eineinhalb Stunden dauert der Flug von Havanna nach Santiago de Cuba, der zweitgrößten Stadt. Ich kann diesen Ausflug nur jedem empfehlen. Santiago ist die Musik-Hauptstadt der Insel, viele der bekanntesten Musiker (z.B. Compay Segundo) wurden hier geboren. Wer heute durch die enge Calle Heredia geht, stößt alle paar Meter auf einen tollen Musik-Club. Santiago ist auch die Stadt der besten Rumdestillerien. Vor der Revolution wurde hier der berühmte Bacardi Rum hergestellt; in dessen alter Destillerie (und angeblich nach dem Originalrezept) entsteht jetzt der Ron Caney. Und auch die kubanische Revolution des Fidel Castro nahm hier ihren Ausgang.

4. Kuba hat die schönsten Strände weit und breit

Die Traumstrände von Varadero haben schon die amerikanischen Mafiosi und Milliardäre in den 1920er-Jahren begeistert. Sie errichteten riesige Villen wie etwa der Waffenfabrikant Dupont, dessen Mansión Xanadú jetzt ein Luxushotel mit Golfplatz ist. Heute gibt es hier Hotels aller Kategorien und Preisklassen. Wasser und Strand sind unvergleichlich. Mühelos könnte man hier neue Versionen der legendären Bacardi-Werbung drehen.

Gut zu wissen

Anreise: Auch in diesem Winter verbindet die Fluggesellschaft Condor Wien und Varadero einmal pro Woche nonstop (ab 359,99 Euro One-Way).

Rundreise: Organisierte Rundreisen sind die bequemste Art, das Land kennenzulernen. So hat Thomas Cook eine achttägige Rundreise (inkl. Flüge ab 1.573 Euro) im Angebot ( thomascook.de ).

Paradores: Unbedingt sollte man die privaten Restaurants besuchen. Besonders empfehlenswert: das Café Laurent ( cafelaurent.ueuo.com ), La Guarida ( laguarida.com ), La Chansonnier ( lechansonnierhabana.com ) und Doña Eutimia ( facebook.com/paladardona.eutimia ).

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