Nachfolger der Concorde: Airbus forscht an Highspeed-Jet

Nachfolger der Concorde: Airbus forscht an Highspeed-Jet

Concorde der British Airways im Jahr 2001. Nach dem verheerenden Absturz im Jahr zuvor wurden Flüge mit dem Überschallflugzeug eingestellt. Airbus entwickelt mit dem Projekt "Zehst" einen potentiellen Nachfolger.

Wer träumt nicht davon, in nur drei Stunden von Paris nach Tokio zu jetten. Mit der Einstellung des Überschallflugzeugs Concorde im Jahr 2003 schien dieser Traum wieder in weite Ferne zu rücken. Jetzt lässt Airbus wieder hoffen: Der Luftfahrtkonzern Airbus forscht an einem neuen Hochgeschwindigkeitsjet namens "Zehst".

Der "Patent-Yogi" hat es entdeckt. In den jüngsten Datensätzen des US-Patentamts stieß der Inder Deepak Gupta auf die Nummer "US 9.079.661 B2". Hinter der Zahl verbirgt sich ein "ultraschnelles Luftfahrzeug". Auf 17 Seiten offenbart sich der Entwicklertraum von einem neuen Passagierflieger jenseits der Schallgeschwindigkeit.

Das Werk ist Teil von "Zehst", einem Projekt des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Theoretisches Ziel der Entwicklung: ein Nachfolger für die legendäre Concorde.

Vor allem in Deutschland und Frankreich ist der Name des schlanken Überschall-Passagierflugzeugs nicht allein mit faszinierender Technik und kurzen Flugzeiten verbunden: Beim Absturz einer Concorde bei Paris am 25. Juli 2000 starben 113 Menschen, darunter 97 Deutsche. 2003 endete die offizielle Ära der Concorde nach 34 Jahren. Für die einzigen Betreiber British Airways und Air France wurde der Flieger zunehmend zu teuer, zu laut, zu wenig nachhaltig.

Flugzeit Paris-Tokio: Drei Stunden

Doch der Traum bleibt: Von Paris nach Tokio in drei statt zwölf Stunden? London nach New York in 60 Minuten und nicht sieben Stunden? "Die Reduktion von Reisezeit für Passagiere ist und bleibt ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung des weltweiten Luftverkehrssystems", heißt es bei Airbus zum neuen Flieger.

Geschwindigkeit allein reicht dabei nicht mehr. Zehst steht für "Zero Emission High-Speed Transport". Die Studie befasst sich auch mit dem Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroenergie. Flugzeuge für die Mitte des Jahrtausends müssten steigende Normen bei Umwelt- oder Flughafenstandards erfüllen, heißt es darin.

"Patent-Yogi" Gupta erläutert in einem anschaulichen Video, wie ein Concorde-Nachfolger bei Airbus funktionieren könnte. Der Inder ist Patentberater und nach eigenem Bekenntnis leidenschaftlich verbunden mit Wissenschaft und Technik. Gupta spricht von einem "revolutionären Flugzeug, das jeden anderen Überschalljet weit hinter sich lässt" und "mit einer Geschwindigkeit von 4,5 Mach sogar die Concorde beschämt". Die war mit gut doppelter Schallgeschwindigkeit unterwegs.

4,5-fache Schallgeschwindigkeit

Für den Start dienen zwei Turbojets unter dem Rumpf. Sie werden nach der Startphase eingeklappt. Ein Raketentriebwerk bringt das Flugzeug anschließend in einer steilen Flugbahn auf rund 35.000 Kilometer Höhe. Diese Flugposition sorgt dafür, das die Wellen des Überschallknalls sich parallel zur Erdoberfläche ausbreiten - vom Lärm kommt auf dem Boden nicht viel an. "Der von diesem Flugzeug erzeugte Überschallknall ist überraschend leiser als der der Concorde", erläutert Gupta.

Zwei Leitwerke an den Enden der - ähnlich wie bei der Concorde - deltaförmigen Tragflächen werden in dieser Phase hochgeklappt. Dies soll mehr Schub und Stabilität bringen. Das Flugzeug soll so auf die 4,5-fache Schallgeschwindigkeit beschleunigen. Auf Reisehöhe übernehmen dann zwei spezielle Staustrahltriebwerke den Antrieb.

Anschließend geht es wieder steil abwärts. Die Flugkurve entspricht für den Patent-Yogi damit "aus technischer Sicht der höchsten Achterbahn der Welt". Passagiere liegen deswegen in hängemattenartigen Sitzen quer zur Flugrichtung.

Airbus dämpft Erwartungen

Zehst wurde bereits vor vier Jahren in Grundzügen vorgestellt. Nun kommt das wichtige Patent für Airbus in den USA hinzu. Der europäische Flugzeugbauer versucht aber, voreilige Erwartungen zu dämpfen. "Airbus Group und seine Sparten melden jedes Jahr Hunderte von Patenten an, um sich intellektuelles Eigentum zu sichern."

Diese Patente basierten häufig auf Konzepten und Ideen aus Forschung und Entwicklung in einem sehr frühen Konzeptstadium, heißt es in Toulouse. "Nicht jedes Patent entwickelt sich zu einer voll ausgearbeiteten Technologie oder einem Produkt." Ein bei Airbus genanntes Argument gegen eine Realisierung kannte schon Vorläufer EADS bei der Concorde: wirtschaftlich uninteressant, zu teuer.

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