Meilensammeln beim Fliegen: Die Tricks der Profis

Miles & More, Executive Club und andere Treueprogramme der Fluggesellschaften ermöglichen durch das Sammeln von Flugmeilen den Erwerb von Prämien wie Upgrades oder Gratisflügen. Doch in der Praxis ist das deutlich komplizierter. Ravindra Bhagwanani ist Chef von , das Reisende und Unternehmen bei solchen Meilenprogrammen berät.

Meilensammeln beim Fliegen: Die Tricks der Profis

FORMAT : Meilensammeln ist gerade bei Geschäftsreisenden sehr beliebt. Aber hat die Attraktivität der Programme nicht in den verganenen Jahren nachgelassen?

Ravindra Bhagwanani : Ja und nein. Während einige namhafte Programme sicher schlechter geworden sind, kann man nicht einheitlich über alle 200 Programme mit einem Kamm scheren. In Europa sind beispielweise Programme wie jene von British Airways oder SAS besser geworden. Auch Nischenprogramme versuchen sich durch attraktive Angebote von den großen Programmen abzugrenzen und sind daher sicher mehr als nur zweite Wahl.

Die Intransparenz vieler Programme ist ein Problem. Wie behalten Reisende da noch den Durchblick?

Bhagwanani : Das ist in der Tat schwierig. Man muss hier wirklich offen sein, auch auf den ersten Blick exotisch anmutende Programme zu berücksichtigen, was durch die Vernetzung der Programme durchaus machbar ist. Ich kenne Österreicher, die als Hauptprogramme die Programme von Ethiopian Airlines für die Star Alliance und von AeroMexico für SkyTeam nutzen – und damit durchaus besser fahren als so manch anderer. Wer sich nicht die Mühe machen möchte, sich selber durch den Dschungel aller 200 Vielfliegerprogramme und Hunderter anderer Programme im Reisebereich zu wühlen, kann diese Analyse auch Spezialisten wie uns überlassen. Welche Programme man schlussendlich auch immer nutzt, wichtig ist, sich mit dem Kleingedruckten der Programme auszukennen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Vielfach werden Umwege oder teurere Hotelzimmer in Kauf genommen, um die begehrten Meilen zu erlangen? Ist das sinnvoll?

Bhagwanani : Nein, man muss hier realistisch bleiben und den Gegenwert der gesammelten Meilen im Auge behalten. Wenn man normalerweise in Budgethotels für 50 Euro übernachtet, ist es schwer zu rechtfertigen, dass man ein 5-Stern-Hotel für 200 Euro wählt, nur um 500 Meilen zu sammeln. Die Kunst ist vielmehr, nicht auf dieses Spiel der Programmanbieter hereinzufallen, sondern sein Portfolio unter den gegebenen Umständen ohne Mehrkosten zu optimieren. Schließlich bieten auch Niedrigpreisfluggesellschaften oder Budgethotels in der Regel Programme an – und die sind oftmals nicht weniger attraktiv als die Programme der hochpreisigen Anbieter.

Durch die Allianzen können unterschiedliche Programme diverser Airlines genutzt werden. Gibt es Tricks, wie man rasch zu viele Meilen kommt?

Bhagwanani : Ganz wichtig ist, dass man von dem Anfängerfehler wegkommt zu denken, dass wenn man mit einer Airline A fliegt, man auch deren Programm nutzen muss. Für Austrian Airlines-Flüge hat man derzeit die Wahl zwischen Miles & More oder 21 anderen Programmen – wobei uns bisher noch niemand begegnet ist, für den die ausschließliche Nutzung von Miles & More die beste Lösung war. Sicher, man kann das Programm beispielsweise für die Kreditkarte oder lokale Partner nutzen, muss aber deswegen noch lange nicht seine Flüge in dem Programm gutschreiben lassen. Für Vielflieger ist es hier wichtig, sich durch das richtige Portfolio eine gewisse Flexibilität zu schaffen. Zum Beispiel macht es viel mehr Sinn, in den richtigen Programmen einen Gold-Status in der Star Allianz und mindestens einer anderen Allianz zu erreichen als – mit der gleichen Flugleistung – lediglich den Senator-Status bei Miles & More innezuhaben. Und denkt, dass die Welt zusammen bricht an dem Tag, an dem man mit Air France oder Air Berlin fliegen muss, wo man jedoch mit dem richtigen Ansatz durchaus auch Statuskunde sein könnte.

Immer wieder sorgt speziell das Verfallsdatum gesammelter Meilen für Aufregung. Wie können Meilensammler da auf Nummer sicher gehen?

Bhagwanani : Ich denke, man muss hier zwei Fälle unterscheiden, den Wenigflieger und den Sparer. Der Wenigflieger braucht definitiv ein Programm ohne Punkteverfall, bei dem er genügend Zeit hat, mit seinen gelegentlichen Flügen nach Jahren trotzdem einen Freiflug zu erhalten. Der Sparer, der seine Meilen erst im Ruhestand einlösen möchte, benötigt natürlich auch eine flexible Punkteverfallsregel, zusätzlich aber auch eine Garantie gegen die Entwertung der Programme. Die zweite Strategie empfehle ich wegen der damit verbundenen Risiken nicht wirklich, weil ich keinem 25-jährigen garantieren möchte, was geschieht, wenn er in Rente geht. Weniger wegen den Unwägbarkeiten der Programme, aber welcher 25-jähriger kann denn überhaupt noch erwarten, jemals in Rente zu gehen?

Welches Meilenprogramm halten Sie für das derzeit beste?

Bhagwanani : Es mag überraschen, aber ich habe nicht wirklich ein Lieblingsprogramm. Ich bin in rund zehn Vielfliegerprogrammen aktiv und versuche genau mein eigenes Credo anzuwenden – also Programme dort zu nutzen, wo sie ihre Stärken haben. So komme ich in Frankreich zum Beispiel nicht um die Kreditkarte des Air France-Programms herum, nutze aber für Air France-Flüge eher das Delta-Programm, welches mehr zu meinem Profil passt. Und gleichzeitig verstehe ich, dass man das Delta-Programm auch als schlechtes Programm verstehen kann, wenn man eben ein etwas anderes Profil aufweist.

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