Kvarner-Bucht – ein kroatisches Fischparadies

Kvarner-Bucht – ein kroatisches Fischparadies

FORMAT über die besten Restaurants in einer für Flossen- und Krustentiere noch heilen Welt.

Am Teller liegen bloß ein paar Scampi. Nichts anderes. Und was ist daran so besonders? Ganz einfach: Die Viecher sind roh. Ob mit etwas Zitronensaft und Olivenöl mariniert oder völlig ohne irgendwas, in jedem Fall sind sie roh. Und sie schmecken göttlich. Es sind Scampi aus der Kvarner-Bucht, einer Region Kroatiens, die wegen ihrer Fisch- und Krustentierspezialitäten unter Feinschmeckern einen hohen Stellenwert besitzt. In unzähligen Werbetexten werden die Kvarner-Scampi sogar als "die besten Scampi der Welt“ bejubelt.

Ob alle Scampi, die in den Restaurants der Kvarner-Bucht serviert werden, tatsächlich aus den unmittelbaren Küstengewässern stammen, ist fraglich. So viele Scampi kann es dort unmöglich geben. In einigen Restaurants aber stammen die köstlichen Krustentiere tatsächlich von lokalen Fischern, die täglich ihre Beute höchstpersönlich an die Köche liefern.

So ein Restaurant ist das "Johnson“ im kleinen Fischerdorf Mošèeniæka Draga, nahe von Opatija. Wer das Glück hat, an einem Tag einen Tisch zu bekommen, an dem der Fischer eine volle Wanne mit Fischen, Muscheln und Krustentieren angeschleppt hat, der kann sich durch ein Menü durchkosten, das er lange nicht mehr vergessen wird. "Meerspinne und rohe Scampi, kurz in Olivenöl und Zitronensaft mariniert“, "Salat vom Wildspargel mit Scampi“, "Canestrelli (Muscheln) und kleine Calamari in eigener Tinte mit Kapern und Wein“, "Filet von der Meeresbarbe mit Gemüse in der Folie gegart“ und als krönender Hauptgang ein Stück Steinbutt vom Grill mit gedämpftem Grünzeug von Karotten und Fenchel. Einen Nachtisch gibt es nicht mehr, der wäre hier auch fehl am Platz.

Geschichtsträchtig

Das "Johnson“ gibt es schon seit den frühen sechziger Jahren, seit 1996 führen es die beiden Brüder Dean und Dragan Jurdana. Auf eine Speisekarte verzichten die beiden und geben stattdessen mündlich Auskunft über die maritimen Delikatessen, die gerade da sind. In der Österreich-Ausgabe des Gault Millau wurde das Lokal zuletzt mit zwei Hauben bewertet. Begründung: "Das Bestechende hier ist die Produktqualität, die bei den Brüdern weit über technischen Schnickschnack oder Effekthascherei steht.“

Die sympathische Kompromisslosigkeit, mit der im Johnson gekocht wird, ist wohl einzigartig. Dabei ist die Zahl an guten Restaurants in der Region inzwischen deutlich gewachsen. So lohnt sich etwa die Überwindung, eine längere Serpentinenstraße auf die steilen Hügel der Uèka oberhalb von Lovran, hinauf zu fahren. Dort oben befindet sich nämlich das Gebirgshotel "Draga di Lovrana“, dessen Lage wohl schöner kaum sein kann. Der Panoramablick aufs Meer ist überwältigend.

Das Haus wurde zu Zeiten der Monarchie erbaut und damals als "schönstes Ausflugsziel der österreichischen Riviera“ beworben. Danach fiel es den Wirren der Geschichte zum Opfer und stand Jahrzehntelang abgebrannt und verwahrlost in der Landschaft. Erst 2005 wurde es von der Familie des Fischhändlers Christijan Nikolac detailgetreu wieder aufgebaut. Seither bietet es den Gästen vier Doppelzimmer und eine Juniorsuite sowie ein Restaurant mit einer traumhaften Terrasse und einer großartigen Fischküche.

Ein Menü von Küchenchef Zdravko Tomšiæ beinhaltet für gewöhnlich neben den obligatorischen rohen Scampi Gerichte wie "St. Peters Fisch und Herzmuscheln nach Draga di Lovrana Art in Wein“ oder " Seeteufel-Kutteln-Ragout mit Tomaten, Sellerie, Möhren, Majoran und Weißwein“. Grandios auch die "Lammwurst hausgemacht in eigener Soße auf Bärlauch-Wild-Spargel-Risotto mit Schafskäse von der Insel Pag“. Dazu werden Weine aus Istrien (Grauburgunder 2011, Capo), aus Slavonien (Sauvignon 2010, Zdjelareviæ) und der Insel Vis (Vugava 2009, Lipanoviæ) serviert.

Rundreise

Auf keinen Fall versäumen sollte man auch einen Besuch bei Nenad Kukurina, der im Bergdörfchen Kastav oberhalb ein charmantes Hotel und ein tolles Restaurant betreibt. Kukurina ist ein Pionier der kroatischen Slow Food-Bewegung und hat als Sommelier eine Menge Auszeichnungen bekommen. Sein Scampi-Risotto ist ebenso überwältigend wie seine Auswahl an kroatischen Weinen, darunter auch Orange-Weine wie jene des istrischen "Rising Star“ Mladen Rozanic (Weingut Roxanich).

Auch die Auswahl an empfehlenswerten Unterkünften ist in der Kvarner-Bucht durchaus reichhaltig. Eines der stilvollsten Quartiere ist die Villa Astra in Lovran. Hinter der leuchtend gelben Fassade mit ihren Veranden und venezianischen Fensterbögen verbergen sich sechs elegante Juniorsuiten, in den Salons lächelt der selige Kaiser Franz Josef schelmisch von den Wänden. Die entzückende Villa liegt direkt am Meer, eingebettet in einen Palmengarten. Gleich daneben lässt Hausherr Vjeskoslav Martinko gerade eine ganz ähnliche Villa renovieren, noch heuer sollen weitere zwölf Zimmer entstehen.

Als weitläufiges Relax-Hotel eignet sich vor allem das "Miramar“ in Opatija, dem früheren Abbazia. Besitzer ist Willfried Holleis, dessen Familie in Österreich zu den erfolgreichsten Hotelbetreibern gehört. Sie haben unter anderem in Zell See den "Salzburgerhof“ zum besten SPA-Hotel des Landes entwickelt.

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