Der Fremde in meinem Garten

In einem neun Hektar großen Garten vor einem kleinen, französischen Schlösschen campen - und das um nur zwölf Euro? Die Internet-Plattform Gamping.com will private Gärten zu Campingplätzen machen.

Der Fremde in meinem Garten
Der Fremde in meinem Garten

Sharing Economy: Die französische Plattform Gamping.com vermittelt Ubernachtungsmöglichkeiten in Privatgärten.

Der neueste Schrei der Sharing Economy ist das sogenannte "Gamping" - zusammengesetzt aus Garden und Camping. Auf der gleichnamigen Plattform eines französischen Startups können Camper auf privaten Grundstücken ihr Zelt aufschlagen oder man bietet seinen Garten Fremden zum Übernachten an. Wer auf seiner Wiese genug Platz hat, kann gratis eine Anzeige auf Gamping schalten und angeben, ob etwa eine Toilette zur Verfügung steht, ein Swimming Pool vorhanden ist oder auch gegrillt werden darf. Reiselustige können die Gartenbesitzer dann über die Online-Plattform kontaktieren.

Zwischen fünf und acht Euro kostet die Übernachtung auf dem fremden Rasen im Schnitt, manche bieten ihre Grünfläche für Wohnmobile gar umsonst an. Damit ist die Sharing-Economy-Variante billiger als normale Camping-Plätze, ruhiger und man kann Kontakte zu den Bewohnern knüpfen.

Derzeit werden auf der Plattform mehr als 2.000 Gärten, Wiesen und Grundstücke von mehr als 700 Hosts angeboten. Gecampt werden kann bisher in über 25 Ländern von Kanada bis Burkina Faso. Allerdings befindet sich die Mehrheit der Orte in Frankreich. Gemessen an den Mitgliedern ist Gamping noch relativ klein, 7.000 Benutzer sind auf der Seite registriert. Bevor die privaten Campingplätze online angeboten werden, wird noch geprüft, ob es sich um einen kommerziellen Campingplatz handelt, die Plattform richtet sich schließlich an private Anbieter.

Rechtliche Situation

Rechtlich stehen die Privat-Campingplätze allerdings wie viele andere Sharing Economy Angebote auf etwas wackeligen Beinen. Grundsätzlich kann zwar jeder Grundstücksbesitzer auf seiner Wiese ein Zelt aufschlagen und kann das auch Verwandten oder Freunden erlauben, sobald damit Geschäfte gemacht werden sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Ganz abgesehen davon, dass den Gästen auch Zutritt zu Toilettanlagen gegeben werden muss. Der österreichischen Gesetzeslage zufolge müssen dabei für Damen und Herren getrennte Räume zur Verfügung stehen. Weiters muss die ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen gewährleistet sein muss und Abwässer, wie sie etwa beim Geschirrspülen anfallen, müssen ebenfalls ordnungsgemäß abgeführt werden. Interessierte Grundstücksbesitzer sollten sich daher auf jeden Fall vorab genau erkundigen, unter welchen Bedingungen sie es Fremden gestatten, in ihrem Garten zu campieren.

Campen im Schloßgarten

Finanziert wurde Gamping über eine Crowdfunding-Kampagne, bei der 4.000 Euro eingesammelt wurden. Bald soll jedoch eine Vermittlungsgebühr für jede Reservierung erhoben werden, ähnlich wie beim Wohnungsvermittler Airbnb.

Auf der Website gibt es derzeit sechs Kategorien, je nachdem, ob die Reise ans Meer, in die Berge oder gar auf eine Insel geht. Swimming Pools, Wohnmobilen und luxuriösen Domizilen wird gar eine eigene Kategorie gewidmet.

Gamping.com ist derzeit in 25 Ländern aktiv. Das Unternehmen wurde im April 2013 von den Franzosen Joseph Léopold und Louis-Xavier Vignal gegründet. Die Idee dazu kam Léopold, als er aus dem Urlaub aus Italien zurückkehrte und ohne Schlüssel vor der Haustüre stand. Also campierte er in seinem Garten. Der Gedanke, dass es auch anderen Menschen gefallen könnte, in fremden Gärten zu übernachten, lag nicht fern, so gründete er die Gamping-Plattform. Bisher besteht das Team nur aus den beiden Gründern, bald soll das Team jedoch wachsen.

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