Flying down to Rio

Flying down to Rio

Wahrscheinlich hat keine Stadt der Welt schönere Kulissen als Rio de Janeiro - für eine Reise wie auch für eine Fußball-WM.

Der Zuckerhut als Trademark, der Corcovado mit seiner Christus-Statue, grüne Regenwälder ringsherum, eine phantastische, hufeisenförmige Bucht, das einst größte Stadion der Welt, das Estádio do Maracanã, mitten in Rio und natürlich unvergleichliche, weiße Strände, deren Namen schon wie ein Versprechen auf das süße Leben klingen: Copacabana, Ipanema.

Dabei hat die Stadt jahrhundertelang ihre Strände ignoriert. Bis in die 20er-Jahre wollte Rio sein wie Europa, ein Paris in den Tropen. Das Stadttheater, die Akademie der schönen Künste, Firmensitze, die Palais der Reichen, alles architektonisch abgekupfert von good old Europe. Selbst die Randsteine der Gehsteige wurden von dort importiert. Baden galt hingegen als unschicklich.

Das änderte sich durch die Ankunft des Dampfschiffes Cotopaxi im Jahre 1886 und einer schönen Passagierin. Sie hieß Sarah Bernhardt und war die Angelina Jolie ihrer Zeit, die berühmteste Schauspielerin der Welt. 3000 Fans warteten bei ihrer Ankunft in Rio auf den französischen Star. Und dann das: Sarah Bernhardt badete - züchtig gekleidet natürlich - vor Journalisten am Strand von Copacabana im Meer. Ein Skandal für Rios feine Gesellschaft, und doch setzte sie einen Trend, der sich verstärkte, als sechs Jahre später ein Tunnel eröffnet wurde, der Rio mit der bis dahin kaum besiedelten Bucht verband. Das Meer und Rio waren jetzt eins. Doch die Copacabana wurde erst durch ein Hotel zum bekanntesten Strand der Welt und zur teuersten Immobilien-Adresse der Stadt: durch den Copacabana Palace.

Copacapana Palace: Im Pool mit Madonna

Erbaut 1923 vom Sohn einer reichen brasilianischen Familie, der vom Vater wegen einer unerlaubten Liaison mit einem amerikanischen Kindermädchen enterbt worden war, wurde das Hotel direkt am Meer zur berühmtesten Herberge Brasiliens. Erst das Palace, das Vorbildern in Cannes und Nizza nacheiferte, setzte die Copacabana auf die touristische Landkarte der Welt. Hollywood entdeckte es 1933 für den Film "Flying down to Rio“ mit Ginger Rogers und Fred Astaire in den Hauptrollen, und bald kamen Stars und Sternchen, Staatsoberhäupter, Industrielle und alle, die es sich leisten konnten, in Scharen.

Eine große Rolle spielten dabei zwei Österreicher, die beide vor den Nazis geflohen waren. Der österreichische Baron Max von Stuckhart war nach Rio emigriert und produzierte für das Theater des Hotels große musikalische Revuen im Samba-Rhythmus - natürlich mit den schönsten jungen Tänzerinnen Rios. Dass davon auch die Presse und die Promis in aller Welt erfuhren, dafür sorgte ein Landsmann Stuckhardts, den dieser völlig abgebrannt auf einer Parkbank in Rio aufgelesen hatte: Der geflohene Wiener Jude Max Ornstein machte fortan 24 Jahre lang Publicity für das Copacabana Palace. Der Glamour, den die beiden Wiener für das Hotel zauberten und über Jahrzehnte den Jetset anzog, wirkt noch heute.

Wer als Gast im diesem Hotel ein Buch liest, kann zum Beispiel daran denken, dass hier schon Legionen von Schriftstellern abstiegen, von Stefan Zweig über Thomas Mann bis Salman Rushdie. Wer auf dem Balkon steht, tut das Gleiche wie Brigitte Bardot, die sich hier von einer Fotografenmeute ablichten ließ, oder die Rolling Stones, die 2006 vor dem Hotel vor einer Millionen Menschen spielten und über eine extra gebaute Brücke ihren Abgang ins Hotel machten. Wer im Pool schwimmt, mag an Madonna und Robbie Williams oder an Prinzessin Diana denken, die hier von Paparazzi mit Teleobjektiven beobachtet wurde. Im Gästebuch des Hotels finden sich Staatsoberhäupter seitenlang, von der britischen Queen bis zu Nikolas Sarkozy mit Carla Bruni. Und Rod Stewart erhielt hier Hausverbot, weil er in seiner Suite Fußball spielte.

Das Copacabana Palace hat übrigens gerade ein 20-Millionen-Dollar-Facelifting bekommen und heißt jetzt Belmond Copacabana Palace. Es gibt seit kurzem auch ein asiatisches Luxus-Restaurant im Haus - es soll das beste der Stadt sein - und ein großzügiges Spa. Dort wird auch eine Bossa Nova-Massage angeboten. Wenn nicht hier, wo sonst?

Hotel Fasano: Die beste Bar der Welt

Nein, Sao Paolo hat keinen Zuckerhut wie Rio. Es gibt auch keine Lieder, die ein Mädchen am Strand von Sao Paolo besingen so wie das unvergleichliche "Girl of Ipanema“. Aber Sao Paolo ist die größte Metropole Brasiliens, das mächtigste Finanzzentrum in ganz Südamerika und im Juni mit dem drittgrößten Stadion der WM ganz im Fußball-Fieber.

Im besten Viertel der Stadt, in Jardins, steht ein unmöglicher Turm. Er ist erstaunlicherweise im Stil der 30er-Jahre gebaut; zehn Jahre lang hat es gedauert, bis er 2003 eröffnet wurde. Durch seinen Eingang schritten schon Promis aus aller Welt, die Wirtschaftselite des Landes und anspruchsvolle Touristen, für die Geld kein wesentliches Detail ist. Auch die Umgebung riecht nach Luxus, die Straßen gleichen hier einem geldverschlingenden Konsum-Bermuda-Dreieck aus Luxustempeln von Louis Vuitton, Tiffany, Emporio Armani, Bulgari oder Cartier.

Willkommen also im Fasano Hotel. Die Fasanos sind seit hundert Jahren in Brasilien ein Synonym für Gourmetgastronomie. Der erste Fasano wanderte aus Mailand ein, die vierte Generation betreibt nun nicht nur Restaurants, sondern auch zwei Hotels der Superlative, eines in Rio und eines hier in Sao Paolo. Darin findet man zum Beispiel das "Fasano“, laut Kritikermeinung das beste italienische Restaurant in ganz Südamerika. Und das "Baretto“, eine Jazz-Bar, in der internationale Musikgrößen vor kleinem Publikum auftreten und die vom britischen Trend-Magazin "Wallpaper“ zur besten Bar der Welt gekürt wurde.

Auch das Hotel selbst muss sich nicht schämen. Die brasilianischen Architekten Isay Weinfeld und Marcio Kogan verteilten auf zwanzig Stockwerken nur fünfzig Zimmer und zehn Suiten. Sie mixten Backstein mit Böden aus Travertino-Marmor, offene Kamine mit Clubsesseln aus französischem Leder und setzten auf das Dach einen Swimmingpool samt Bar und Designer-Couchen, von wo aus man einen spektakulären Blick auf die ganze Stadt genießt. Das Fasano ist für Sao Paolo das, was der Copacana Palace für Rio ist: die erste Adresse für Luxustouristen einerseits, ein beliebter Treffpunkt für wohlhabende Einheimische andererseits. Das Haus hat sogar einen prominenten Dauergast, den Sänger Caetano Veloso, in Brasilien seit Jahrzehnten eine Berühmtheit und so etwas wie Udo Lindenberg im Hamburger Hotel Atlantic.

Convento do Carmo: Spiritueller Luxus

Der Eingang lässt den Besucher staunen: eine frühere Kapelle mit einem Statuen beladenen Altar, alte Kirchenbänke und ein Gefühl, als ob man in eine andere Zeit träte. Wir sind im Convento do Carmo in Salvador de Bahia, einem Karmeliterkloster aus dem Jahr 1586 voller Antiquitäten und kostbarer Schätze wie zum Beispiel einer Sammlung handgeschnitzter Figuren schwarzer Sklaven, die diese in der Hoffnung auf ihre Freilassung fertigten. Es hat fünf Jahre intensiver Bau- und Restaurationsarbeiten erfordert, aus dem einst spirituellen Ort, in dem noch 2001 Mönche beteten, das erste Luxus-Heritage-Hotel Brasiliens zu machen.

Das beste Hotel Salvadors liegt mitten in der Pelourinho genannten Altstadt und ist ein wunderbares Refugium für anspruchsvolle, geschichtsinteressierte Luxusreisende geworden und dies in einer sehr lebendigen, vor Lebensfreude und Musikalität vibrierenden Stadt. Auf den Plätzen Salvadors, das die Einheimischen mitunter auch einfach Bahia nennen, spielen abends Trommlerkapellen, in den Gassen riecht es nach "acarajé“, Bohnen mit gebackenen Shrimps, und anderen afrikanischen Köstlichkeiten.

Brasiliens drittgrößte Stadt war einmal das Zentrum der portugiesischen Eroberungen in der Neuen Welt und lange Hauptstadt Brasiliens. Und weil sich hier Macht und Reichtum konzentrierten, ist die Altstadt von Salvador ein einziges Schmuckkästchen aus alten Kolonialbauten, goldbeladenen Kirchen und großartigen Plätzen. Großartig zum Beispiel die Franziskanerkirche mit einer der weltweit größten Azulejos-Sammlungen, Gemälden also, die mit Blaufliesen aus Portugal gemacht wurden. Großartig die Kathedrale der Stadt, ein ehemaliges Jesuitenkloster. Großartig - für Fußball-Fans - auch das neu erbaute, moderne, direkt an einem See gelegene Stadion Arena Fonte Nova.

Aber kehren wir wieder zurück in unser Kloster, das sich in ein Hotel verwandelt hat mit sechzig Zimmern und zwanzig Luxussuiten und uralten, dicken Holztüren, mit einem Pool inmitten von Klostergängen und seiner unbezahlbaren Ruhe. Es ist wie ein kleines Paradies auf Erden. Fehlt noch etwas? Vielleicht ein Caipirina am Pool. Und ein paar Tagträume von diesem widersprüchlichen, aufregenden, großartigen Land Brasilien.

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