California Dreamin'

California Dreamin'

Es gibt ein Kalifornien jenseits von Hollywood, Surfbrettern und Caesar’s Salad. Eine Rundreise zu den großen und kleinen kulinarischen Kostbarkeiten und Überraschungen an der Westküste der USA.

Kalifornien, das wissen Reiseführer, Feuilletonisten und andere Neunmalkluge zu berichten, ist auch kulinarisch ein Erlebnis. Kalifornien, so dröhnt es hingegen aus unseren eigenen Vorurteilen gegenüber den USA, kann letztlich auch nicht mehr als Burger und Pommes.

Eine Erkundung vor Ort –von der nördlichen Ecke dieses bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates bis südlich von Los Angeles – hat bestätigt, dass Klugheit über Vorurteil siegt: Die Region, wegen Naturschönheiten, faszinierender Städte und Sehenswürdigkeiten ein Traumziel, hat ebenso in kulinarischer Hinsicht viel zu bieten.

Doch zu Beginn eine Warnung: Sich in Kalifornien ordentlich, ja fantastisch zu ernähren ist möglich, aber mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Selbst in kleineren Städten gibt es Restaurants, die jene Mischung kulinarischer Einflüsse bieten, für die Kalifornien bekannt geworden ist. Doch diese sind durchwegs recht teuer, und sie zu finden ist nicht einfach. Denn zwischen den Leuchttürmen guten Essens endet halt auch in Kalifornien die amerikanische Welt in kulinarischer Hinsicht diesseits von Burger, Pommes, Cola und Ketchup. Die Vertreter der gängigen Fast-Food-Ketten, ergänzt um weitere, in Europa zum Glück noch nicht vertretene Schnellfraß-Outlets, finden sich an allen möglichen und unmöglichen Ecken dieses schönen Landes. Es lässt sich nicht vermeiden, gegebenenfalls darauf zurückzugreifen, was nicht zwangsläufig zu Reuegefühlen führen muss, denn so ein fettiges Laberl hat hie und da seine Berechtigung. Trotzdem macht es meist mehr Sinn, bei Hungergefühlen dann doch nicht den hundertsten Subway, den tausendsten McDonald’s oder den millionsten Burger King anzusteuern, sondern lieber einige Minuten mehr für die Suche nach kleinen, feinen Lokalen jener Kleinstunternehmer anzusteuern, die sich den Geschmack ihrer Heimat bewahrt haben: Im kleinen Italian Restaurant mit Pizza, beim Mexikaner neben dem Einkaufszentrum oder an einem Imbiss auf einem der Bauernmärkte haben wir oft genug erstaunliche Klasse gefunden.

Kalifornien kulinarisch

Unsere Route führt uns – mit einem Abstecher – entlang der Küste auf dem Highway 101 und beginnt in Eureka, einer Stadt, die das Tor zu den Redwoods-Wäldern ist. Es geht weiter nach Mendocino, diesem Künstlerort, der seinen Charme gegen die Belagerung durch Touristenmassen stur verteidigt und sogar einen Hauch des besungenen Mythos bewahrt. Für den Ausflug in das von Weinkennern hochgelobte Napa Valley verlassen wir die Küste, die ihre raue Schönheit immer stärker zugunsten eines nicht weniger faszinierenden Gedränges aufgibt, je weiter es gegen Süden geht. In Carmel, einem unwirklich behübschten Ort, gibt es teure Autos und ebensolche Lokalitäten; als schroffer Gegensatz dazu dient San Francisco, das mit einem europäisch wirkenden Zeitgeist die Schattenseiten der US-Gesellschaft überdecken möchte und insgesamt zugleich faszinierend und enttäuschend ist – verköstigt wird man dort aber ausgezeichnet. Im Silicon Valley, der Schlagader der amerikanischen Technologie- und Internetbranche, gibt es ausreichend hochkarätige Kulinarik, damit die Mitarbeiter von Google, Apple und anderen Konzernen ihre Dollar nicht nur in Elektroautos und Technikspielzeug stecken müssen.

Unwirklich, aber real

Santa Barbara wiederum, schon in Reichweite des ausufernden Los Angeles an herrlichen Sandstränden gelegen, sieht fast so unwirklich aus wie zuvor Carmel; nur dass hier der spanische Charme nicht aufgesetzt wirkt, sondern auch in gastronomischer Hinsicht echt ist. Schließlich geht es nach Los Angeles, wo schwierige Entscheidungen zwischen Hollywood, abstoßend bösen Gegenden und der superteuren Glitzereinkaufswelt am Rodeo Drive zu treffen sind; noch größer ist die Qual der Wahl beim abendlichen Ausgehen. Die Route endet schließlich in Huntington Beach: Das Surfer-Nest spielt in den Werbespots der Textilmarken Hollister und Abercrombie & Fitch eine Hauptrolle; Livebilder von dort laufen in den Shops dieser Marken. Die kalifornische Küche, auch das stellt sich als letztlich bestätigtes Klischee heraus, ist von den vielen Kulturen, die sich hier niedergelassen haben, zum Glück mehr geprägt als von der amerikanischen Essensindustrie: Regionale Zutaten finden sich durchgängig in den guten Restaurants, bisweilen auch in mittelprächtigen Lokalen.

Der „Footprint“

Und ja, natürlich brauchen wir Europäer uns gar nichts auf unsere angeblich so footprintverträglichen Essensgewohnheiten einbilden. Der Kalifornier versorgt sich gerne privat bei den zahlreichen, vorher erwähnten Bauernmärkten. Gut, die 250 Meter von daheim zum Supermarkt legt man zwar im 14-Liter-Monstrum zurück, aber der Paradeiser und der Paprika kommen „organic“ vom Nahversorgungsbetrieb in der Region. Ein Schwachpunkt bleibt, wie ihn auch der kalifornische Schriftsteller T. C. Boyle in „Talk Talk“ seinen Protagonisten formulieren lässt: „Auf Reisen war das Frühstück immer das schwächste Glied in der kulinarischen Kette, eine Art Sinnesentzug, bei dem alle Möglichkeiten auf Variationen aus Eiern, Wurst, Pfannkuchen und ahornbraunen Zuckersirup reduziert waren.“ Wie wahr! Bei aller kulinarischen Bandbreite, die Kalifornien zu bieten hat: Das Frühstück verkommt nach spätestens zwei Wochen zum wiederkehrenden Sättigungsritual. Aber weshalb sollten morgenmufflige Österreicher nicht wenigstens einen Grund zum Klagen haben?

Im Folgenden also die (aus unserer Sicht) besten Tipps für die Reise entlang der Westküste - natürlich inklusive Links:

Eureka

Zunächst wirkt Eureka, die 26.000 Einwohner große Stadt nahe der Redwoods-Naturschönheiten, wenig einladend: Zu offensichtlich
treten die wirtschaftlichen Probleme der USA hier zutage. Doch die
Stadt hat einen herben Charme, der sich beispielsweise im Restaurant
der Lost Coast Brewery
zeigt, einem lauten und ausschließlich
von Einheimischen besuchten Lokal. Die Biermischungen (Mandarinen-
Weizenbier! Sechsprozentiges Stout!) sind ebenso gewöhnungsbedürftig
wie faszinierend, die Speisen sättigend und überraschend
hochklassig. Mehr als eine Stufe nobler ist das „Restaurant
301“ der Carter House Inns
, die auch großzügige Unterkünfte in
renovierten Häusern viktorianischer Architektur bieten.

Mendocino

Die vom deutschen Schlagersänger Michael Holm in den Köpfen älterer Semester deponierte (und von diesen an wehrlose Jüngere weitergegebene) Melodie dieses Künstlerorts an der schroffen Felsküste begleitet bei der Suche nach Sättigung. Im Mendocino Café werden wir fündig: Ambiente und Speisekarte mit Clam Chowder (Muschelsuppe), Chicken Satay und Nachos können uns zum Glück nicht abschrecken. Ein herrlicher Rückzugsort, in dem mit viel Liebe und Freundlichkeit gekocht und bewirtet wird. Die meisten Touristen bleiben nicht lange in dem Ort, dabei bietet zum Beispiel das Inn at Schoolhouse Creek romantische Unterkünfte und unter anderem Spa-Behandlungen in einer Jurte. Im Litte River Inn gibt es hervorragende Steak und Fischgerichte zu erstaunlich günstigen Preisen; der Meerblick ist so kitschig, dass es fast weh tut.

Napa

Weg vom Highway 101, an dem sich die Natur- und Städteschönheiten
entlang der Westküste auffädeln, führt der Weg ins Napa Valley, der bekanntesten Weinbauregion der USA. Nicht nur für Weinliebhaber ist
dieses einen Umweg wert, schon wegen der teils verkitscht-nostalgischen Weingüter, teils wegen der mehr als nur bemerkenswerten Restaurants wie dem French Laundry in Yountville nahe Napa. Als eines der hervorragend zu besichtigenden Weingüter wollen wir das Chateau Montelena hervorstreichen, alleine der Frontansicht wegen, das gar kein Potemkinsches Dorf ist, sondern Teil der amerikanischen Vermarktungsformel, wonach französisch klingende Namen plus antik wirkendes Aussehen das Kundeninteresse steigern können. Wie auch immer: Speziell Zinfandel und Chardonnay aus dem Napa Valley eignen sich als Mitbringsel bestens.

San Francisco

Auf den Piers des hektischen San Francisco drängen sich die Touristenmassen und man gehört dazu, auch wenn man es nicht wahrhaben will. Eine Verschnaufpause gönnt sich der Tourist mit Geschmack etwa im Fog Harbor Fish House . Die Zubereitung von Austern, Schwertfisch und Thunfisch hinterlässt Eindruck. Das Gleiche gilt für die Steaks im Oak Room im Westin St. Francis , einem riesigen, aber dennoch gemütlichen Hotel direkt am Union Square. In der Nähe findet sich auch das Lefty O’Doul’s – hier huldigt man nach bester US-Tradition dem Bier, dem üppigen Frühstück, dem sättigenden Dinner (Roast Turkey, please) und der namengebenden Baseball-Legende. Wer im August in der Stadt ist und sich nur ansatzweise für Musik interessiert, muss das Outside-Lands-Festival besuchen, das auch kulinarisch Einiges zu bieten hat

Silicon Valley

Google und Apple, die beiden Dominatoren der Technologiewirtschaft, wären alleine schon Grund genug, das Silicon Valley zu besuchen. Zu sehen bekommt man auf den Websites aber mehr als vor Ort. Dass trotz so mancher krisenhafter Aktienentwicklung hier noch immer das Geld daheim ist, merkt man an der Gediegenheit von Orten wie Palo Alto und an der gesteigerten Chance, hochklassig verpflegt zu werden. Auch die Preise liegen über dem Niveau anderer Regionen. Mehr als empfehlenswert ist etwa Alexander’s Steakhouse im Apple-Heimatort Cupertino, in der Google-Stadt Mountain View findet sich das Chez TJ , das beste französische Küche kreiert. Nicht falsch liegt man auch mit einem Besuch im Le Papillon in San José.

Carmel

Carmel-by-the-Sea, so der volle Name des idyllischen Städtchens unterhalb von San Francisco, ist der Traum jedes Tourismusmanagers:
Es gibt strenge Vorschriften, wie Häuser, Natur und Straßen auszusehen haben. Das sieht nett, aber etwas aufgesetzt aus. Es lohnt sich dennoch, hier Halt zu machen und einige Tage zu bleiben, alleine der schönen Strände und des guten Essens wegen. Schon das erhöhte Vorkommen an Ferrari und Aston Martin lässt ahnen, dass es hier eine Spur teurer ist. Das stimmt, hat aber seine Berechtigung: Die Küche des Il Fornaio, dem Restaurant des schönen Pine Inn , leistet hervorragende Arbeit: Italienisch angehaucht, aber nicht übertrieben. Ein Ausflug auf die Mission Ranch zahlt sich ebenso aus, nicht nur weil diese Clint Eastwood gehört, der in dem Ort lebt und für einige Zeit sogar mal Bürgermeister von Carmel spielen durfte.

Santa Barbara

Der amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle lebt in Santa Barbara und er weiß wohl, weshalb. Herrliche Strände, eine schöne und für die USA ungewöhnliche Innenstadt sowie das mediterrane Flair machen die Stadt vor Los Angeles zur idealen letzten Station, bevor man den Moloch ansteuert. Die alte spanische Mission ist nicht nur für historisch Interessierte empfehlenswert. Als Unterkunft bietet sich etwa Fess Parker’s Doubletree Resort an, das nun zur Hilton-Gruppe gehört und mit Rodney’s Steakhouse auch gleich fürs Kulinarische sorgt. Ein Spur authentischer ist Jeannine’s American Bakery , wo vor allem die vegetarischen Burger und Sandwiches perfekt zum Ort passen. Die Cocktailbar Marquee bietet kleinere Häppchen und prägnante Drinks in elegantem Ambiente.

Los Angeles

Was soll über Los Angeles geschrieben werden, ohne in Platitüden zu verfallen? Dass die Stadt ebenso faszinierend wie abstoßend ist mit ihrer Mischung aus Wahnsinnverkehr, Glamour, Shoppingluxus, Hollywood, Kriminalität und Offenheit ist wohl bekannt. Erstaunlich ist die Vielfalt dennoch, denn L.A. setzt sich aus unzähligen Mikrokosmen zusammen, in denen es auch kulinarisch viel zu entdecken gibt. Der Farmers Market etwa, ein nettes Shopping- und Gastronomie-Viertel, bietet einige Möglichkeiten, gut zu speisen und zu trinken. Im nahe gelegenen Restaurant Esterel des Sofitel at Beverly Hills muss deutlich mehr ausgegeben werden, dafür sind Service und mediterrane Küche hochklassig. Laut ist es im Son of a Gun , doch nicht nur wegen der Chance, hier auf Hollywood-Promis zu treffen, zahlt sich ein Besuch des hippen In-Lokals aus.

Huntington Beach

Ohne Surfbrett dürfte eigentlich kein Besucher Huntington Beach betreten: Diese Sportart ist hier Lebensinhalt und Marketingwaffe zugleich. Die lässige Art der Einwohner, Hotels und Restaurants der in Europa wenig bekannten Stadt südlich von Los Angeles ist aber nicht nur Show. Das Shorebreak Hotel etwa ist auf Wellenreiter ausgerichtet, doch selbst wer diesen nur zusehen will, fühlt sich hier wohl. Im Zimzala Restaurant des Hotels gibt es wohlschmeckende Gerichte bis spät in die Nacht, empfehlenswert etwa das Lamm oder Fish and Chips. Das Hyatt Regency hat einige Restaurants zu bieten; uns hat Pete’s Sunset Grille dank passenden Ambientes und guter Tortilla-Gerichte überzeugt. Übrigens: Huntington Beach nennt sich Surf City USA . Zu Recht.

Sollten weitere Tipps benötigt werden oder Fragen zu einer möglichen Reise nach Kalifornien auftauchen: Der Autor steht via Mail jederzeit gerne zur Verfügung.

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