Brennpunkt Marseille

UNTERWEGS IM OMAN

Ein Fort an der Küste der Halbinsel Musandam

UNTERWEGS IM OMAN

Ein Denkmal in Maskat, das dem Weihrauch gewidmet ist

In diesem Jahr ist Marseille Europas Kulturhauptstadt. Und hat dafür in Sachen Kultur kräftig aufgerüstet. Höchste Zeit, die Hafenstadt neu zu entdecken. Drei Empfehlungen.

Neulich in Marseille. "La capitale, c’est nous!“ steht auf Plakaten entlang der Autobahn, die vom Flughafen in die Stadt führt. Nein, Marseille hat natürlich Paris nicht abgelöst, der Spruch bezieht sich darauf, dass Marseille gemeinsam mit der Provence in diesem Jahr eine von zwei europäischen Kulturhauptstädten ist (die andere ist das ostslowakische Kosice). Ein Stück Genugtuung ist das allemal für den ewigen Zweiten, genauso wie die Tatsache, dass Olympique de Marseille zur Halbzeit der Fußballmeisterschaft punktegleich mit dem so viel reicheren PSG an der Spitze der Liga steht.

Marseille hat’s ja schwer genug. Drogenumschlagplatz, Afrikas nördlichste Metropole, Korruption - alles Attribute, die man der Hafenstadt so gerne umhängt, denen wir aber auch so tolle Sachen verdanken wie den Film "French Connection II“ von John Frankenheimer und die Kriminalromane von Jean-Claude Izzo.

Selbstverständlich: Marseille ist anders. "Unsere Blickrichtung ist diese“, sagt Kulturhauptstadtjahr-Chef Ulrich Fuchs in seinem kleinen Zimmer in der schönen Maison Diamantée, einem Palast aus dem 16. Jahrhundert gleich hinter dem Rathaus, und hält das Cover des Katalogs zum Kulturhauptstadtjahr hoch. Es zeigt eine auf den Kopf gestellte Europakarte, der Blick geht Richtung Süden, Richtung Mittelmeer und Nordafrika. "Man darf nicht vergessen: Marseille liegt sowohl geografisch als auch mentalitätsmäßig näher bei Algier als bei Paris.“

Hier in der Maison Diamantée ist das Büro der Kulturhauptstadt-Organisation, und der Bayer Ulrich Fuchs ist deren stellvertretender Intendant. Erfahrung hatte er bereits vor vier Jahren in Österreich gesammelt: damals, als Linz europäische Kulturhauptstadt war. Letztes Wochenende war es nun so weit: Mit großem Tamtam, in das die ganze Region eingebunden war, wurde das Kulturhauptstadtjahr eröffnet. Zeit auch für den größten Skeptiker, Marseille zu entdecken.

1. Die neue Stadt: La Cité de la Méditerranée

Den besten Blick auf das neue Marseille hat man von einem seiner ältesten Bauten aus: vom Fort Saint-Jean, das Ludwig XIV. errichten ließ, um die Hafeneinfahrt zu kontrollieren. Dieses neue Marseille entsteht dort, wo einst der große Hafen war und wo heute noch die riesigen Fährschiffe nach Algier und Tunis ablegen. Und so stand ich nun Ende des vergangenen Jahres oben am Fort und sah eine riesige Baustelle. Doch die Konturen eines neuen, eindrucksvollen Museumsviertels zeichneten sich schon ab. Das Musée des Civilisations de l’Europe et de la Mediterranée zeigte schon seine filigrane, delikate Außenhülle, und das Centre Régional de la Méditerranée seine eigenwillige Form.

Von der Cité de la Méditerranée hat man einen großartigen Blick auf jenes fast 150 Meter hohe Hochhaus, das die Stararchitektin Zaha Hadid für die Reederei CMA CGM entworfen hat. Zaha Hadid ist nicht die einzige Architektin von Weltrang, die die Skyline von Marseille ins 21. Jahrhundert bringt. Der Japaner Kengo Kuma hat das Museum des Fonds Régional d’Art Contemporain entworfen, der Italiener Massimiliano Fuksas einen Entertainment-Komplex.

2. Die moderne Stadt: La Cité Radieuse

Selbstverständlich ist eine der großen Ausstellungen des Kulturhauptstadtjahres dem Schweizer Architekten Le Corbusier gewidmet, der wie kaum ein anderer die Ideen der Moderne in die Architektur eingebracht hat. Er hat in Marseille einen seiner wichtigsten Bauten errichtet: die Cité Radieuse. Sie beeindruckt auch heute noch: eine vertikale Stadt, in der die Stockwerke "Straßen“ heißen, mit einer Freizeitlandschaft inklusive Swimmingpool, Freilichttheater und Jogging-Parcours auf dem Dach. Im dritten Stockwerk befinden sich ein sehr gutes Restaurant, das "Le ventre de l’architecte“ heißt, und ein Hotel, in dessen winzigen Zimmern Le-Corbusier-Fans aus aller Welt übernachten.

3. Die hippe Stadt: Mama Shelter

Marseilles Szeneviertel befindet sich in der Gegend um den Cours Julien. Das Restaurant aber, in das sich zurzeit all die Bobos und schicken jungen Menschen drängen, befindet sich in einem neuen Hotel: im Mama Shelter ( mamashelter.com ). Das ist das zweite Haus einer Hotelkette, die ein Spross jener Familie begründete, die einst auch den Club Med ins Leben gerufen hatte. Das erste Mama Shelter steht in Paris, demnächst sollen Häuser in Istanbul und Los Angeles folgen. Die Idee ist überzeugend: cool, clean, casual. Das Design stammt von Philippe Starck, die Bar bietet mehr als 40 Pastis-Sorten, am späten Abend legen angesagte DJs auf, das Küchenkonzept des Restaurants entwarf der Pariser Starkoch Alain Senderens, und die Zimmerpreise sind vernünftig. Eine Empfehlung.

Anreise: Am einfachsten geht es mit Air France über Paris.

Infos: marseilletourisme.com , tourismepaca.fr , visitprovence.com und rendezvousenfrance.com

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