Airbnb zeigt Finanz die kalte Schulter

Airbnb zeigt Finanz die kalte Schulter
Airbnb zeigt Finanz die kalte Schulter

Die Online-Plattform Airbnb macht der Hotellerie Konkurrenz. Ob Ortstaxen abgeführt und Einkünfte versteuert werden war dem Milliardenunternehmen bislang jedoch einerlei.

Die Online-Betten-Plattform Airbnb will "transparenter und offener" mit Städten umgehen und bei der Abführung der Ortstaxen helfen. Konkrete Nutzerdaten will das milliardenschwere US-Unternehmen aber weiterhin nicht an die Finanz und Städte weiterleiten. In Österreich wächst das Unternehmen kräftig, die Zahl der Unterkünfte stieg innerhalb eines Jahres um 80 Prozent.

Fehlende Steuereinnahmen, nicht entrichtete Ortstaxen und Verschärfung der Wohnraumsituation. So lauten die Vorwürfe an die Online-Bettenplattform Airbnb, die mit der Vermittlung von Schlafplätzen bekannt wurde. Nun startet das milliardenschwere Unternehmen eine Charmeoffensive. Transparenter und offener will man werden und den Städten, in denen Airbnb aktiv ist, die Daten zur Verfügung stellen - teilweise.

Im Sommer wurde bekannt, dass österreichische Airbnb-Anbieter im Visier der Finanz sind, denn oftmals werden die durch die Vermietung von Wohnungen und Zimmern anfallenden Steuern nicht abgeführt. Um an die Nutzerdaten zu kommen, stellte das österreichische Finanzministerium bereits Anfang des Jahres ein Amtshilfeansuchen, unter anderem an die Konzernzentrale von Airbnb. Daten von Airbnb bekam sie bisher keine - und das Unternehmen lässt sich auch weiter nicht in die Karten schauen.

Keine Weitergabe von Nutzerdaten

Zwar verspricht das Unternehmen jetzt in einem auf seiner Website veröffentlichten "Community Compact", (Anm. ein einfacher Blogeintrag) ihren "gebührenden Anteil" an Steuern aus dem Hotel- und Tourismusgewerbe zu entrichten und gewisse Daten der Plattform für Städte bereitzustellen. Doch konkrete Daten rückt Airbnb nicht heraus: "Wir werden die Privatsphäre schützen und keine einzelnen Nutzerdaten weitergeben", sagt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein. Aus dem Finanzministerium heißt es, die "Gespräche im Rahmen der steuerlichen Amtshilfe sind noch am Laufen". Es werde an der Sicherstellung der Gleichmäßigkeit der Besteuerung gearbeitet, um Wettbewerbsgleichheit zu schaffen.

"Wir geben nur aggregierte Daten über die Vermietungsaktivität von Airbnb an die Stadtbehörden weiter", sagt Trautwein. Dazu gehören etwa das jährliche durchschnittliche Einkommen von Airbnb-Anbietern – in den USA sollen es 7.530 Dollar, in Paris nur 1.970 Euro sein –, die geographische Verteilung von Airbnb-Angeboten in einer Stadt, wie viele Gäste Airbnb in einer Stadt jährlich nutzen und wie viele Tage Airbnb-Gäste in einer Stadt bleiben. Eine genaue Auflistung findet man im "Community Compact".


"Wir geben nur aggregierte Daten über die Vermietungsaktivität von Airbnb an die Stadtbehörden weiter", Airbnb-Sprecher Julian Trautwein.

Streitpunkt Ortstaxe

In seinem "commitment an die Städte" verspricht Airbnb außerdem, bei der Eintreibung von Touristen- und Hoteltaxen behilflich zu sein. Bisher gibt es diese Zusammenarbeit zum Beispiel mit Chicago, Paris oder Amsterdam. Airbnb erhebt zum Buchungspreis die jeweilige Ortstaxe und überweist das Geld den Stadtbehörden. In Amsterdam würde die Praxis sehr gut funktionieren, laut Airbnb wurden 2015 fast 5,5 Millionen Euro an Ortstaxen an die niederländische Stadt gezahlt. Ob und wann dasselbe Modell in Wien umgesetzt wird, stehe laut Trautwein noch nicht fest. "Es wäre ein denkbares Modell, aber wir sind in den Gesprächen noch nicht soweit." 2016 solle die Zahl der Städte, mit denen kooperiert werden soll, auf jeden Fall aber ausgebaut werden.

Wirkliche Gespräche zwischen der Stadt und Airbnb habe es laut Klemens Himpele, Leiter des Magistrats für Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA23) noch nicht gegeben. Airbnb wurde zu einer Konferenz Anfang November eingeladen, konnte aber keinen Vertreter schicken. Wie man die Abführung der Ortstaxe (3,2 Prozent in Wien) lösen will, kann Himpele noch nicht sagen. "Es geht um die Frage, ob man den Datenaustausch hinbekommt", so Himpele.

Grundsätzlich muss jeder ein Ortstaxenkonto bei der MA6 (Rechnungs- und Abgabewesen) erstellen, der seine Wohnung oder Zimmer für Geld als Ferienunterkunft vermietet. Daneben muss an die MA23 eine Statistikmeldung erbracht werden, wie viele Personen wie lange untergebracht wurden. Gäste in Beherbergungsbetrieben haben außerdem die Pflicht, sich anzumelden. Hoteliers müssen diese Daten melderechtlich drei bzw. steuerrechtlich sieben Jahre aufbewahren. Die Weitergabe der Daten an die Behörden sei aber laut Österreichischer Hoteliervereinigung (ÖHV) kein laufender Prozess, sondern geschehe auf Rückfrage.

In Berlin etwa ist die private Vermietung von Wohnungen seit dem 1. Mai 2014 verboten. Wohnungen dürfen seither nicht mehr ohne Erlaubnis als Ferienunterkunft vermietet werden. Der Grund: In Berlin wird preisgünstiger Wohnraum in der Innenstadt immer knapper. Laut Magistratsleiter Himpele werde es in Wien wohl ein "Weg zwischen Kooperation und Konfrontation" sein. Der Bericht der Arbeitsgruppe der Stadt Wien zu Sharing Economy werde Ende des Jahres fertig sein.

Wien ist "sehr wichtiger Markt"

Generell will Airbnb "transparenter und offen" mit den Städten umgehen, in denen es Airbnb-Angebote gibt. Weltweit sind dies 34.000. "Wien ist für uns ein sehr wichtiger Markt“, sagt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein. Um die Kommunikation zwischen dem US-Unternehmen und den Stadtbehörden zu verbessern, rief Airbnb den Posten eines "Policy Managers" für den deutschsprachigen Raum ins Leben.

Hierzulande wächst Airbnb kräftig: Von 1. November 2014 bis 1. November 2015 stieg die Zahl der Unterkünfte in Österreich um 80 Prozent. Derzeit sind es rund 10.000. In Wien sind es im November bereits 5.600 - 700 mehr als noch Anfang Juli. Die MA 23 geht von 10.000 angebotenen Betten auf Airbnb aus, da wäre rund ein Sechstel der insgesamt 62.000 Hotelbetten in Wien. Im Schnitt kostet eine Airbnb-Unterkunft 70 Euro.


Die Zahl der Airbnb-Unterkünfte stieg innerhalb eines Jahres um 80 Prozent.

Airbnb will bei Wintertourismus mitverdienen

Auch beim Wintergeschäft will Airbnb mitmischen: Airbnb engagiert sich in klassischen Skiorten wie Kitzbühel und Lech, in beiden gebe es jeweils 200 angebotene Unterkünfte. Lech sei der wachstumsstärkste Ort in ganz Österreich. "Der starke Franken begünstigt eine Abwanderung in die österreichischen Skiregionen", meint Trautwein. Allerdings stelle dieser Markt eine Herausforderung dar: "Der Markt ist sehr konservativ organisiert" - Airbnb konkurriert mit alteingesessenen Skihotels. Für viele Ferienwohnungsbetreiber ergibt sich durch Airbnb aber ein neuer Vertriebsweg.

Brian Chesky gründete 2008 Airbnb zusammen mit Nathan Blecharczyk und Joe Gebbia in San Francisco. Inzwischen ist das Unternehmen mehr als 25 Milliarden US-Dollar schwer.

Das milliardenschwere Unternehmen - es wird aktuell mit 25,5 Milliarden US-Dollar bewertet - kündigt auf seiner Website außerdem an, regelmäßig "economic activity reports in key markets" zu veröffentlichen. Damit ist die Wertschöpfung gemeint, die Airbnb-Anbieter mit ihren Vermietungen in einem Jahr in einer Stadt generieren.

In New York sind es knapp zwei Milliarden US-Dollar, in Berlin mit seinen knapp 18.000 Airbnb-Angeboten 510 Millionen US-Dollar. Zahlen zu Wien gibt es noch keine. Rechnet man sich die Zahlen jedoch auf die 5.600 Unterkünfte von Wien herunter, dürfte die Wertschöpfung bei rund 153 Millionen US-Dollar (143 Millionen Euro) liegen. Zu eigenen Bilanzzahlen gibt das 2008 in San Francisco gegründete Unternehmen keine Auskunft.

Airbnbs "Transparenzoffensive" startete kurz nachdem im Gründungsort San Francisco ein Bürgerentscheid zugunsten von Airbnb entschieden wurde. Untervermietungen sollten auf 75 Tage pro Jahr begrenzt werden. Die Mehrheit von 55 Prozent der Wähler votierten gegen eine Verschärfung der Regeln, die das Geschäft von Airbnb direkt getroffen hätte.

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