Registrierkasse - Eine Kassa und viele offene Fragen

FORMAT-SERVICE. Dem letztwöchigen Aufruf, Fragen zur Kassenpflicht zu stellen, sind viele Unternehmer nachgekommen. Alle Zuschriften werden beantwortet, ausgewählte hier veröffentlicht. Sie stellen Ihre Fragen, wir antworten.

Registrierkasse - Eine Kassa und viele offene Fragen

Zahllose Unternehmer plagen sich mit der Umsetzung der neuen Kassenpflicht. Unternehmer haben ihre Fragen geschickt. Das FORMAT mit dem Experten Markus Knasmüller von der Firma BMD Software gibt Ihnen die Antworten. Der "Kassenexperte" ist gerichtlicher Sachverständiger und seit Monaten im ganzen Land unterwegs, um Unternehmer zu informieren.

Sie haben noch Fragen zur Einführung der Registrierkasse? Schreiben Sie uns. Wir geben Tipps, wie Sie das Thema Registrierkasse richtig angehen.

Sie sind Unternehmer und haben individuelle Detailfragen zur "Kassenpflicht", schreiben Sie ein Mail an steininger.barbara <AT> format.at . Sie bekommen Antwort vom Experten.

Das FORMAT gibt Ihnen einen Überblick, welche Themen etwa Großhändler, Skiverleiher, Gastronomen, Mineralienhändler, Imker oder Schneidereien interessieren - ein Auszug der Fragen und Antworten.

Erich D. - Murtal: Im Jahr 2014 hatte ich Bareinnahmen von 6.881 und Rechnungen von 55.000 Euro. Im heurigen Jahr habe ich jetzt schon mehr als 7.500 und Rechnungen von 40.000 Euro. Welches Datum gilt jetzt für die Kassen?
Entscheidend ist vorerst das Jahr 2015. Wenn Sie bereits im September beide Grenzen (15.000 Euro Gesamtumsatz und 7.500 Euro Barumsatz) überschritten haben, benötigen Sie ab Jänner 2016 eine Registrierkasse, wobei es zumindest drei Monate (mit Begründung sechs Monate) Straffreiheit gibt.

Peter D. - Wien: Wir sind ein Großhandel, da läuft sowieso alles über Rechnungen. Aber einmal pro Jahr machen wir einen Resteverkauf, wo Kleinmengen ausgelaufener Artikel bzw. Musterflecke zwei Tage lang an Endverbraucher, bar verkauft werden. Bis jetzt haben wir einfach die Tageslosung als Barverkauf eingebucht. Müssen wir dafür extra eine Registrierkasse anschaffen?
Sofern dabei der Betrag von 7.500 Euro überschritten wird, leider ja. Auch wenn diese Grenze nicht überschritten wird, müssen Belege erteilt werden, nur dürfen es dann einfache Paragons sein.


Wenn wir auf dem Stadtfest mit den Barumsätzen unter 7.500 Euro bleiben, können wir dann auf die Registrierkasse verzichten?

Tanja B. - Niederösterreich : Mein Mann führt einen (pauschalierten) landwirtschaftlichen Betrieb, der jährlich Umsätze über 30.000 Euro erwirtschaftet. Hier fallen keine Barumsätze an. Einmal jährlich für drei Tage machen wir beim Stadtfest mit, wo wir Speisen und Getränke verkaufen. Dafür haben wir den Gewerbeschein "Gastgewerbe" gelöst. Auch diese Umsätze werden über meinen Mann versteuert. Hier sind alle Umsätze bar. Fallen wir unter die Kassenpflicht? Ich nehme an, dass die Kalte-Hände-Regel nicht gilt, da der Umsatz des gesamten Betriebes (Landwirtschaft und Gastgewerbe) über 30.000 Euro liegt. Wenn wir auf dem Stadtfest mit den Barumsätzen unter 7.500 Euro bleiben, können wir dann auf die Registrierkasse verzichten? Was passiert, wenn wir dann doch darüber sind?
Ich gehe davon aus, dass die (voll-)pauschalierte Landwirtschaft und das Stadtfest unterschiedliche Betriebe sind. Falls dem so ist -und ich würde auf jeden Fall versuchen es so zu gestalten, weil dies wahrscheinlich möglich und zulässig sein sollte -, dann benötigen Sie in der vollpauschalierten Landwirtschaft keine Registrierkasse, und die 30.000-Euro-Grenze würde alleine für das Stadtfest gelten. Bleiben Sie dabei unter der Grenze, können Sie mit einem einfachen Kassensturz arbeiten. Belege müssen nicht erteilt werden.

Robert G. - Oberösterreich: Ich betreibe ein Second-Hand-Geschäft: Genügt bei der Eingabe (Oberbegriff) z. B. Bekleidung_Sportartikel_Fahrrad_Spielsachen, oder muss ich das detaillierter angeben? Ich kaufe Bekleidungspakete, und es ist nur der Gesamtbetrag in der Buchhaltung, da ich ja keine Inventur machen muss. Habe 10.000 Artikel im Laden. Bin differenzbesteuert!
Derzeit gibt es die am Kassenbeleg zulässige handelsübliche Bezeichnung betreffend nur einige grobe Regeln. Auch sind hier noch intensive Verhandlungen zwischen Wirtschaftskammer und Finanzministerium im Gange. Erleichterungen wären sicherlich sinnvoll und würden auch eine etwaige Manipulationsgefahr nicht erhöhen. Derzeit wäre aber "Bekleidung" nicht möglich: Hose, Jacke und Strumpfhose wären die korrekten Begriffe.

Hans U. - Tirol: Müssen Mineralienhändler auf Mineralienbörsen (bisher ausschließlich Bargeschäfte), die unter 30.000 Euro im Jahr Umsatz machen, eine Kasse mit sich führen? Wie sieht es mit jenen Ausstellern aus, die über 30.000 Euro Umsatz machen? Ist hier eine Kasse am Verkaufsstand erforderlich?
Da gibt es mehrere Aspekte, die zu beachten sind. Wenn es sich dabei um Umsätze im Freien handelt, dann würde der Sonderfall "Kalte Hände" greifen. Dabei muss der Stand nach zumindest einer Seite hin vollkommen offen sein, wobei es nicht zwangsläufig im Freien sein muss. In diesem Falle bestünde bei einem Jahresumsatz bis zu 30.000 Euro keine Registrierkassenpflicht (auch keine Belegerteilungspflicht, es kann also ein normaler Kassensturz stattfinden), wobei die Grenze allerdings für den gesamten Betrieb gilt. Etwaige weitere Umsätze, die etwa in einem separat vorhandenem Geschäft erzielt werden, müssten auch hinzugezählt werden.

Reinhard R. - Tirol: Ich vermiete eine Ferienwohnung und komme dabei auf einen Umsatz zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Genügt es, nun darauf zu achten, dass nicht mehr als 7.500 Euro in bar kassiert werden und der betragsmäßig überwiegende Teil der Rechnungen mittels Banküberweisung beglichen wird, um sich die Anschaffung einer Registrierkassa zu ersparen? Ist es dann ausreichend, wenn ich auf der Rechnung einen Posten als "Betrag bereits überwiesen" und den kleineren Teil als "bar entgegengenommen" ausweise?
Das würde auf jeden Fall genügen. Zu beachten ist aber auch noch, dass hier ja wahrscheinlich "nur" Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und keine betrieblichen Einkünfte vorliegen. Somit besteht ohnehin keine Registrierkassenpflicht, da diese nur für betriebliche Einkünfte gilt.

Christian W. - Salzburg: Sie haben in der letzten Ausgabe geschrieben: "Sollten Sie als Landwirt voll pauschaliert sein, fallen Sie nicht unter die Registrierkassenpflicht " Ich bin Vollerwerbsimker, gehöre so zur Landwirtschaft und bin aus diesem Grund voll pauschaliert. Ich vermarkte nur die Urprodukte: Honig im Detail und en gros sowie Bienenköniginnen. Heißt das nun, dass für mich die Registrierkassenpflicht nicht gilt?
Ja, als voll pauschalierter Landwirt werden Sie ganz offensichtlich nicht unter die Registrierkassenpflicht fallen. Der gerade in Begutachtung befindliche Erlass wird dies regeln. Der Erlass wird ab Mitte November verfügbar sein.


Wenn ich ab 1.1. 2016 rigoros auf Banküberweisung umstelle, also ab 2016 kein Bargeld kassiere, bin ich dann "aus dem Schneider"?

Irene N. - Niederösterreich: Ich betreibe eine Schneiderei, wo ich die Grenzen (7.500/15.000 Euro) im heurigen Jahr bis 30.9. überschritten habe. Ein Großteil meiner Kundinnen zahlt bereits mit Banküberweisung. Wenn ich ab 1.1. 2016 rigoros auf Banküberweisung umstelle, also ab 2016 kein Bargeld kassiere, bin ich dann "aus dem Schneider"?
Ja, da wird es eine Sonderregelung geben: Wenn Sie beabsichtigen, die Zahlungsvereinbarungen mit Ihren Kunden neu zu regeln und deswegen absehbar ist, dass sie unter der Barumsatzgrenze von 7.500 Euro bleiben, dann haben Sie keine Registrierkassenpflicht und sind - wenn Sie es so wollen -"aus dem Schneider".

Barbara E. - Salzburg: Wir sind eine Skischule und müssen auch Skikurskarten an verschiedenen Plätzen verkaufen. Zurzeit laufen Kurse über einen Computer mit Kurskartenverkaufsprogramm ab. Wird es uns nicht mehr möglich sein, Preise für Skikurse kundengerecht mit Preisnachlass zu geben, etwa Preisnachlässe für Stammgäste oder Leistungen, die über keinen programmierten Code verfügen? So haben wir einen Preis für drei Tage Skikurs privat und für fünf Tage, für vier Tage aber nicht. So wurde immer ein neuer Preis angelegt, um auch vier Tage zu verkaufen.
Wenn Sie als Skischule die Karten in Geschäften oder am Sammelplatz verkaufen, wird dies unter die mobile Gruppe fallen, und Sie können dort Papierbelege ausstellen (sofern nicht ohnehin die Karte schon als Beleg gilt). Diese müssen später in der Kasse nacherfasst werden. Ihr Verkaufsprogramm muss bis Anfang 2017 entweder an die RKSV angepasst werden, oder Sie benötigen zusätzlich eine Registrierkasse. Aber auch damit wird es sicher möglich sein, kundengerechte Preisnachlässe zu geben.

Auskunft und Hilfe via Internet

Betroffene sollten sich die Website wko.at/registrierkassen dauerhaft markieren: Hier wird (täglich aktualisiert) alles Wichtige erklärt, es gibt Termine zu Infoveranstaltungen, Webinare u. a. In einer Datenbank kann man nach Anbietern suchen. Da die Kammer "neutral" sein muss, werden hier keine Empfehlungen ausgesprochen. Sie können in der Datenbank aber nach Experten in Ihrer Branche bzw. Ihrer Umgebung suchen. Tipp: Schauen Sie, welche Lösungen Ihr Konkurrent verwendet. Die Chipkarten/Zertifikate, die ab 2017 die Kassen sicher machen, werden von zwei Unternehmen angeboten: Globaltrust und A-Trust.

Lesen Sie auch im FORMAT Ausgabe 45/2015
Die lange Schlange vor der Registrierkasse

Einführung der Registrierkasse - ein Zwischenstand

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