Yline-Krimi: Boss Werner Böhm packt aus

Yline-Krimi: Boss Werner Böhm packt aus

Karl-Heinz Grasser, Gernot und Erika Rumpold, die Fellner Brüder, Gerichtsgutachter Keppert, Friedrich Scheck, Ernst Hofmann, Gerald "Gerry" Mikscha, "der politische Kopf hinter Jörg Haider" – die Liste der handelnden und "behandelten" Personen ist lang. Und sie liest sich wie das Who-is-Who der jüngeren, österreichischen Polit- und Wirtschaftsgeschichte. Yline-Boss Werner Böhm ist zurück – im Internet. Dort wo alles begann.

Dezember 2000: Die letzte Chance ist vertan. Knapp vor Weihnachten, exakt am 15. Dezember, platzt die Übernahme des österreichischen IT-Dienstleister Beko, durch den Easdaq-Börse-Star Yline. Die gut gefüllte Kriegskasse, der seit Juni 1999 am Neuen Markt in Deutschland notierten Beko, hätte der damalige Yline-Boss Werner Böhm gut brauchen können. Drei Monate, seit September 2000, zogen sich die Verhandlungen, bei denen Yline von der Investmentbank Lehman Brothers (sic!) beraten wurde. Just jener Investmentbank, aus deren Analyseabteilung im Juni davor die Yline-Aktie mit einem Kursziel von 400 € geadelt wurde. Zum damaligen Zeitpunkt ein Kurspotenzial von satten 335 %. Yline, die im Jahr 1999 einen Umsatz von 7,9 Millionen € bei einem Verlust von 6,09 Millionen € produzierte, wäre nach dem Lehman-Zielen sagenhafte 989 Millionen € Wert* gewesen. Nichts besonderes in Zeiten des New-Economy-Hypes.

Manischer Drang zur Vernetzung mit Polit- und Wirtschaftsgrößen

Und doch war "die Yline", wie sie von Journalisten damals genannt wurde, etwas Besonderes. Ihr Drang zum Vernetzen und Verflechten mit heimischen Polit- und Wirtschaftsgrößen war nahezu manisch. Die Strippenzieher im Hintergrund, die aus der kleinen IT.Development, die erst im Juni 1999 an der Wiener Börse debütierte, einen millionenteuren "Web-Konzern" formten, waren "ominös" und blieben all die Jahre im Verborgenen. Viel wurde über die Verbindungen zur damaligen FPÖ unter Jörg Haider gemunkelt, doch "nichts genaueres weiß man nicht" – wie es so schön heißt.

Fakt ist jedenfalls, dass sich schon neun Monate nach dem geplatzen Deal mit der Beko (September 2001) zeigte, wie dringend Werner Böhm die vollgefüllte Kriegskasse des Wiener Unternehmens gebraucht hätte. Auf Anraten des als Sanierer geholten Beraters Anton Stumpf, meldete Böhm Konkurs an. In den nicht ganz zwei Jahren seit dem Start an der Easdaq hatte das Unternehmen rund 22 Millionen €, die allein die Kapitalerhöhung vom Oktober 1999 einbrachte, in den Sand gesetzt.

Böhm packt aus, oder doch nicht?

Wie das gemacht wurde, lässt sich heute, ein Jahrzehnt später, nur mehr schwer nachvollziehen. Und auch der ehemalige Yline-Boss Werner Böhm, der die sich seit kurzem im Internet als "Geschichtenerzähler" engagiert, ist eher nicht geneigt näheres darüber zu berichten. Derzeit zumindest.

Diesen Schluss lassen die bisher auf der Webseite ylinestory.com veröffentlichten Beiträge zu. Ob tatsächlich Yline-Mastermind Werner Böhm der Verfasser des Blogs ist, der zu einem Buch heranwachsen soll (wie es auf der Seite heißt), lässt sich nicht zu 100 % abklären. Fakt ist, das ergibt zumindest eine Whois-Abfrage, dass ein Werner Böhm Registrant des WordPress-Blogs ist.

Der ersten acht Beiträge des Blogs, der den Titel "Yline – Zeitdokumente eines politisches (sic!) Sittenbildes" trägt, widmen sich den Rollen verschiedener Akteure. Ziel des Blogs ist es, nach zehn Jahren "Ermittlungen und Beschuldigungen" , wie der Verfasser schreibt, "die Sache aus meiner subjektiven Sicht in Form eines Buches aufzuarbeiten. Diese Seite wird die Entwicklung des Buches begleiten." und weiter: " Ich habe mich bemüht, die Angelegenheit möglichst ohne Polemik und Selbstmitleid aber mit dem erforderlichen “Schuss Humor” zu erzählen. Sollte mir das nicht immer geglückt sein, bitte ich um Entschuldigung- ich bin eben befangen!"

Eine gewisse Befangenheit des Autors lässt sich tatsächlich nicht leugnen, denn die bisherigen Einträge lesen sich eher wie der Aufbau einer Verteidigungsschrift. Dass der Blog just etwas mehr als zwei Wochen nachdem bekannt wurde, dass die Korruptions-Staatsanwaltschaft ihren Vorhabensbericht zur Causa Yline fertiggestellt und an die Oberstaatsanwaltschaft bzw. das Justizministerium übermittelt hat, aus der Taufe gehoben wurde, darf insofern nicht weiter verwundern.

Zweiter Versuch – was will Böhm wirklich?

Zumal es ja mittlerweile der zweite Blog ist, der unter dem Namen Werner Böhm online geht. Der erste Blog unter dem Titel "Yline - das Buch zur Geschichte" startete im August 2011, der letzte Eintrag stammt vom Jänner 2012. Die zeitliche Nähe zu Medienberichten vom August 2011, wonach die Justiz nach zehn Jahren kurz vor einem endgültigen Vorhabensbericht stehe, dürfte nur zufällig gewesen sein, oder?

Sollte das Buch rund um die Pleite des einstigen Internet-Start-Ups tatsächlich jemals erscheinen, so wäre es nicht der erste Versuch von Werner Böhm sich als Buchautor zu etablieren. Mit "Sklaven der Gier" und "Geld, Ehre, Macht" hat der einstige Internet-Millionär schon zweimal einen Ausflug in die, ihm fremde Welt des Schreibens unternommen. Und jedes Mal, wenn Böhm ein Buch ankündigte, dürften einige Leute ins Schwitzen gekommen sein. Trotzdem: Das Beste an den bisherigen zwei Büchern, waren wohl die Titel.

Bleibt die Frage, was der "Aufdecker" nun schon alles auf seinem Blog veröffentlicht hat. Auszug gefällig:

"Nikis Kuchlmasterei: Jörg Haider, Gerry Mikscha und eine Idee

Heute, aus der Perspektive des Jahres 2012 und der veröffentlichten Meinung, war es eine ausgeprochen bescheidene Idee, sich mit Jörg Haider und seiner Buberl-Partie eingelassen zu haben. Damals, im Jahr 1999, hatten wir eines gemeinsam: wir hatten gerade einen Sieg über das gerade in Österreich hartnäckig vorhandene Establishment errungen. YLine wie FPÖ hatten im Oktober 1999 ihre Erfolge heimgefahren – hier ein Börsengang und dort ein Wahlsieg. Insofern waren die “neuen” Unternehmen und die “neue” Partei irgendwie Brüder im Geiste.

Also solche haben wir uns angenähert. Mein erstes Gespräch mit dem “politischen Bruder” Jörg Haider fand Anfang November 1999 in Nikis Kuchlmasterei im 2. Wiener Gemeindebezirk statt. Dabei anwesend waren noch Gerry Mikscha, der politische Strippenziehen hinter Jörg Haider, Ernst Hofmann, der blaue Industrielle, und Mike Lielacher, der Börsenbulle. Es war ein interessanter Abend der Annäherung. Es wurden Ideen und Pläne für die kleine österreichische Revolution gewälzt und für mich war es – auch rückblickend – jener Abend an dem ich feststellen konnte, dass Gerry Mikscha tatsächlich der Kopf hinter der “blauen Revolution” war."

Aufregend? Na ja, aber das kann ja noch kommen. Wenn dieser neue Blog nicht ähnlich endet wie der erste Versuch.

Aber wer, weiß vielleicht geht es ja gar nicht ums Buch, sondern darum einige einflussreiche Persönlichkeiten zum Nachdenken zu bringen.

Fix ist jedenfalls, dass die Aufarbeitung des Yline-Krimis lange - zu lange - gedauert hat. Und möglicherweise für einige Beschuldigte mit einer Einstellung wegen Verjährung endet. Das wäre dann allerdings wahrlich kein Ruhmesblatt für die österreichische Justiz.

Bild: Yline-Boss Werner Böhm (vorne) mit Rechtsanwalt Christian Hausmaninger (Mitte) und Yline-Sprecher Willi Berner bei einer Pressekonferenz im August 2011

Übrigens: Wer heute die Webadresse yline.com eingibt, landet hier . Seltsam, vor allem vor dem Hintergrund dass Yline-Boss Böhm am Höhepunkt seines Höhenfluges dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der im übrigen selbst Aktien des Unternehmens besessen hat, die Internettochter der Telekom Austria um zwei Miliarden Schilling (145,3 Millionen €) abkaufen wollte. Bezahlen wollte Böhm damals übrigens – wie könnte es anders sein – in Yline-Aktien.

Bleibt als letztes die Frage, wann der seinerzeitige Finanzminister Karl-Heinz Grasser seine Yline-Aktien verkauft hat: Dazu ein Auszug aus der Parlamentskorrespondenz Nr. 767 vom 22.10.2003:

"YLine-Aktien hat Grasser seiner Auskunft nach vom 15. November 1999 bis 22. Dezember 2000 besessen und sie, wie er sagte, "zu einem möglichst schlechten Zeitpunkt verkauft."

Exakt sieben Tage, nachdem die letzte Hoffnung für Yline, doch noch zu Geld zu kommen geplatzt war (sihe oben) und es für den Börsestar zunehmend enger wurde, hatte sich auch der seinerzeitige Finanzminister von seinem Aktienpaket verabschiedet. Zufälle gibts.

*Basis für die Berechnung: (Aktienanzahl der IT.Development, später Yline, nach einem Split im Oktober 1999: 1,715 Millionen., zuzüglich 757.500 Aktien aus der Kapitalerhöhung im Zuge des Easdaq-Börseganges knapp danach im Oktober 1999)

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