Wie gefährlich ist der graue Kapitalmarkt?

Wie gefährlich ist der graue Kapitalmarkt?

Politiker in Deutschland wollen nun, nach dem Anlagerskandal rund um Prokon, die Kontrolle für den Grauen Markt an der Börse verschärfen. So sind Anleger, die am Grauen Markt in Genussscheine investieren, bei einer Insolvenz derzeit schlechter stellt als andere Gläubiger. Die freien Finanzberater werden zudem kaum überwacht, obwohl sie auch riskante Produkte, wie oft scheinbar harmlose Genussscheine, verkaufen.

In Deutschland geht es derzeit um Anlegergeld 1,4 Mrd. Euro, die von Konsumenten in den Windkraftbetreiber Prokon investiert haben und nun verloren gehen könnten. Das hat eine Debatte über den besseren Schutz von Anlegern entfacht.

Genussschein-Inhaber kommen bei einer Insolvenz erst nach anderen Gläubigern Geld

"Der Fall Prokon zeigt wieder einmal, dass es im grauen Kapitalmarkt Regulierungsbedarf gibt", erklärte der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) in Berlin. 75.000 Anleger hatten in der Hoffnung auf hohe Renditen Prokon insgesamt 1,4 Mrd. Euro an Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt und zittern nun um ihr Geld. Denn Halter von Genussscheinen müssen sich in der Insolvenz hinter anderen Gläubigern anstellen. Prokon hatte mit hohem Werbeaufwand im Fernsehen, auf Bussen und Straßenbahnen oder durch Postwurfsendungen Käufer für seine Papiere angelockt. Die Stiftung Warentest hatte vor den Scheinen gewarnt.

Anlegerschützer und Banken pflichten Maas bei. Es sei "schlicht ein Witz", dass für die Überwachung der freien Berater, die oft hoch riskante Anlageprodukte vertrieben, die Gewerbeaufsichtsämter zuständig seien, klagte Aktionärsschützer Marc Tüngler. Diese "überwachen auch Metzger - das darf so nicht sein". Banken fordern, der Finanzaufsicht BaFin die Kontrolle über den Graumarkt zu übertragen. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, betonte: "Ein einheitlicher Kundenschutz ist nur dann wirksam, wenn vergleichbare Geschäfte gleichen Regeln und auch einer vergleichbaren Aufsicht unterworfen werden."

An die Anleger selbst appellierte dagegen der Parlamentarische Staatssekretär im deutschen Finanzministerium, Michael Meister. "Bei allen gesetzlichen Vorkehrungen trägt aber auch der mündige Verbraucher Verantwortung für seine Entscheidung", sagte der CDU-Politiker. In Europa und Deutschland sei der graue Markt bereits stärker reguliert worden. Einige Maßnahmen seien aber erst seit Kurzem in Kraft.

Prokon-Anleger tappen unterdessen im Dunkeln, ob sie von ihrem Geld etwas zurückbekommen. Da Firmenchef Carsten Rodbertus seit 2011 die Veröffentlichung von Bilanzen schuldig geblieben ist, muss Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin zunächst einen Kassensturz machen. Er muss klären, wie die Firma das Genussrechtskapital der gut 75.000 Anleger investiert hat und welche Vermögenswerte vorhanden sind. "Denn erst dann kann beurteilt werden, wie werthaltig das Prokon-Vermögen ist und ob für die Genussrechteinhaber Verwertungschancen bestehen", erklärten Experten der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Anlegerschützer Tüngler von der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) prophezeit komplizierte Verfahren. "Die Tatsache, dass die rund 1,4 Mrd. Euro, die das Unternehmen bei Anlegern eingesammelt hat, als Genussscheine mit teilweise recht unterschiedlichen Bedingungen ausgestaltet sind, macht den Prokon-Fall nicht nur einzigartig, sondern auch juristisch äußerst komplex." Genussscheine sind eine Mischform aus Fremd- und Eigenkapital - wer sie kauft, bekommt bei einer Pleite erst dann Geld, wenn alle anderen Gläubiger befriedigt wurden. "Wir werden uns verstärkt mit den Möglichkeiten beschäftigen, die die Genussscheinzeichner im Rang besserstellen, als dies bisher der Fall ist", kündigte Tüngler an. Er riet ihnen, sich zu organisieren, da Sie eben "keine Gläubiger im klassischen Sinne" seien. "Klar ist: in der aktuellen Phase sind die Genussscheinbesitzer für die Zukunft von Prokon entscheidend."

Experten und Anlegerschützer rechnen damit, dass die Prokon-Anleger zumindest einen Teil ihres Geldes zurückerhalten könnten, schätzen aber auch die Überlebenschancen des Unternehmens als gut ein. Prokon verfüge über werthaltige Vermögenswerte wie etwa Windkraftanlagen, die zu großen Teilen den Genussrechtsinhabern zur Befriedigung ihrer Ansprüche zur Verfügung stehen müssten, teilte die SdK mit. Der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbandes (VID), Christoph Niering, erklärte, sollte Prokon ganz oder hauptsächlich über das Genussscheinkapital finanziert und genügend Masse vorhanden sein, könnten auch Genussscheininhaber mit einer Teilrückzahlung rechnen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin kündigte an, sein Ziel sei die Sicherung und der Erhalt des Unternehmens. Der Jurist sagte, der Geschäftsbetrieb werde zunächst in vollem Umfang fortgeführt. Die Löhne und Gehälter der über 1.300 Mitarbeiter seien im vorläufigen Insolvenzverfahren bis Ende April sicher. Weitere Details will Penzlin am Nachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt geben.

Das 1995 gegründete Unternehmen mit 1.300 Mitarbeitern hatte am Mittwoch Insolvenz angemeldet. Voran gegangen waren Wochen, in denen Firmengründer Rodbertus die Anleger aufforderte, ihr Geld im Unternehmen zu lassen. Er drohte damit, dass andernfalls die Insolvenz unausweichlich sei. Dem Unternehmen werde das Geld auszugehen, weil sich die Kündigungen häuften. Bis Ende der vergangenen Woche summierten diese sich auf 227 Mio. Euro, nachdem 2013 schon 130 Mio. Euro ausgezahlt worden waren.

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