Versicherungen: Wie man Fallen im Kleingedruckten aus dem Weg geht

Wer rechtzeitig überprüfen will, wo Versicherungslücken drohen, wendet sich am besten an Spezialisten.

Versicherungen: Wie man Fallen im Kleingedruckten aus dem Weg geht

Die Umfrageergebnisse einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag des österreichischen Versicherungsverbandes (VVO) fielen ziemlich ernüchternd aus: Nur vier Prozent der Jugendlichen in Österreich und nur 17 Prozent der Erwachsenen gaben an, sich in Versicherungsfragen gut auszukennen. Es überrascht daher nicht, dass Konsumenten oft erschreckt erkennen müssen, dass ihr Schadensfall nicht gedeckt ist. Dabei geht es nicht bloß um Unkenntnis, schuld ist auch das komplizierte Versicherungslatein. Selbst für gut informierte Kunden sind die mit Juristendeutsch gespickten Unterlagen ziemlich unverständlich.

Gut versteckte Versicherungslücken

Sie sind obendrein völlig intransparent, weil man die Ausschlüsse üblicherweise akribisch im Kleingedruckten suchen muss. Wer vermeiden will, dass er im Schadensfall böse Überraschungen erlebt, sollte deshalb vor Vertragsabschluss einen qualifizierten Berater aufsuchen, sich das Produkt genau erklären lassen und im Detail erörtern, wogegen ihn die Polizze tatsächlich schützt und wogegen nicht, und das im Zweifelsfall schriftlich festhalten. Eine Versicherungspolizze ist in der Regel ein Konvolut aus unzähligen Seiten. „Allein der Umfang führt zu Unübersichtlichkeit und die verwendete Sprache für Nichtspezialisten zu schwerer Verständlichkeit“, konzediert Rudolf Mittendorfer, Geschäftsführer der Versicherungsmaklergesellschaft Verag. Die Rahmenbedingungen eines Vertrags sind obendrein in verschiedenen Regelwerken wie gesetzlichen Grundlagen, allgemeine sowie besonderen Bedingungen und mitunter individuellen Vereinbarungen verstreut. Meist versprechen die Versicherungsverträge vorne auf der Polizze eine Leistung, die hinten in den Bedingungen wieder eingeschränkt oder relativiert wird. Die intransparenten Vertragsunterlagen führen auch bei Lebensversicherungen zu Enttäuschungen. Gabi Kreindl, Versicherungsexpertin des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), berichtet von häufigen Beschwerden, wenn die einst vollmundig abgegebenen Zukunftsprognosen über die Ablaufleistung nicht eingehalten werden. Bei Verträgen, die vor 20 Jahren abgeschlossen wurden, summiert sich die Minderleistung gegenüber der vermeintlich versprochenen, in Wirklichkeit aber nur geschätzten Auszahlungssumme zu einer ordentlichen Stange Geld. Weiters fällt Kreindl auf, dass bei kombinierten Er- und Ablebensversicherungen der Ablebensschutz für Jungfamilien im Ernstfall meist unzureichend ist. Sie empfiehlt daher schon aus Transparenzgründen „das Ansparen von der Risikoabdeckung klar zu trennen und separate Polizzen abzuschließen“. Ein anderes häufiges Ärgernis, das Otto Lucius, Chef des Österreichischen Verbands Financial Planners, auffällt: „Vielen Versicherungsnehmern ist nicht bewusst, dass sie für unterjährige Prämienzahlung einen Zuschlag von oft sechs Prozent zahlen müssen.“

Jagatee auf der schwarzen Piste

Bei Unfallpolizzen ist den wenigsten Versicherten die sogenannte „Bewusstseinsstörungsklausel“ geläufig – ein typisches Beispiel: Ein Skifahrer fährt nach einer feuchtfröhlichen Hüttenpartie ab und bricht sich das Bein. Nachdem er zu viele Promille im Blut hatte – der Maximalwert stand im Kleingedruckten –, geht er bei der Versicherung leer aus. Bei Haushalts- und Eigenheimversicherungen ist die richtige Einschätzung der Versicherungssumme das größte Problem. Nur allzu oft ist das Objekt unterversichert. „Im Schadensfall zahlt die Versicherung dann nur einen Bruchteil des Schadens mit dem Hinweis, dass die Summe von Anfang an nicht richtig war“, warnt Wolfgang Domas, Chef des Maklers Real Risk Versicherungstreuhand. Ein weiteres Problem: Ein Gebäude wurde gegen Sturm versichert. Die Fensterfronten gehen durch Sturm zu Bruch. Die Versicherung zahlt nicht, „weil Glasbruchschäden in der Sturmsparte ausgeschlossen sind“, weiß Domas. Außerdem sollte man darauf achten, „ob grobe Fahrlässigkeit oder SchlossÄnderungskosten nach einem Einbruch mitversichert sind“, empfiehlt Michael Holzer, Vorstand des Maklers Finanzpuls. Oder man sollte prüfen, so Mittendorfer, „ob man bei Einbruch geschützt ist, wenn das Schloss nur einmal statt zweimal versperrt wurde“. Sonst kann sich die Versicherung im Zweifelsfall abputzen. Wichtig ist auch die Überprüfung, bis zu welcher Höhe freiliegende Wertsachen gedeckt sind und um wie viel sich die Summen bei einer Aufbewahrung im Tresor erhöhen.

Marderbiss in die Solaranlage

Bei der Haftpflichtversicherung sind oft die sogenannten Tätigkeitsschäden ausgeschlossen – konkret: Stößt man versehentlich am Tisch an und das Handy des Freundes fällt zu Boden und bricht, dann zahlt die Versicherung. Fällt einem das Handy des Freundes aus der Hand, während man darauf Urlaubsbilder anschaut, wird der Schaden von vielen Versicherungen abgelehnt. Ein anderer Problemfall: Wenn der Marder das Kabel der Solaranlage durchgebissen hat, schaut man meist durch die Finger, weil Tierschäden in der Eigenheimversicherung üblicherweise nicht gedeckt sind. Bei einer Rechtsschutzversicherung wird häufig übersehen, dass sie aus verschiedenen Bausteinen besteht und der im Ernstfall relevante fehlt. Viel Ärger kann man sich ersparen, wenn Polizzen regelmäßig überprüft werden. „Neue Verträge bieten oft höhere Leistungen und sind mitunter trotzdem günstiger“, betont Kreindl vom VKI. Wer den Durchblick in der komplexen Versicherungsmaterie sucht, wendet sich am besten an den Spezialisten, vorzugsweise einen Versicherungsmakler, der als unabhängiger Berater das beste Produkt für seinen Kunden evaluiert und auch dafür haftet. Makler handeln oft in Spezialverträgen bessere Bedingungen heraus und sind im Schadensfall bei Kulanzlösungen meist erfolgreicher als klassische Außendienstmitarbeiter. Angestellte Versicherungsvertreter und Versicherungsagenten müssen außerdem nicht explizit auf eine eingeschränkte Leistung hinweisen, sondern dürfen sich auf die positiven Aspekte beschränken. Und damit läuft der Kunde Gefahr, im Ernstfall nicht gedeckt zu sein.

Wer das Geschenk, bei Nichgefallen, frühestens am 10. Jänner zurückgeben kann, sollte das vorher mit dem Verkäufer ausmachen.

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