Urteil: Helmpflicht für Hobby-Rennradfahrer

Urteil: Helmpflicht für Hobby-Rennradfahrer

Wer sportlich ambitioniert wie ein Rennradfahrer fährt, ist zum Tragen eines Helms verpflichtet. Zu diesem Urteil kam der Oberste Gerichtshofs anlässlich eines schweren Unfalls ohne Helm mit Langzeitfolgen.

Der Oberste Gerichtshof entschied erstmals zum Thema Helmpflicht und unterscheidet darin zwischen normalen Radfahrern und sportlich ambitioniertem Radfahren. Anlass dazu war ein schwerer Sturz eines Hobbyrennfahrers. Der Fall:

Frau M. ist zu Fuß unterwegs und will eine Bundesstraße am Attersee überqueren. In diesem Augenblick nähern sich Herr S. und sein Freund auf ihren Rennrädern mit rund 35 km/h. S. fährt im Windschatten seines Freundes. Beide sind mit Renndressen bekleidet, tragen jedoch keinen Helm.

M. sieht die beiden zwar, glaubt aber, sie schafft es noch rechtzeitig die Straße zu überqueren und betritt die Fahrbahn. Doch die Fußgängerin hatte sich verschätzt. Der Freund von S. muss daraufhin eine Notbremsung machen. S. fährt hinten auf ihn auf und stürzt. Bei dem Sturz zieht sich S. so schwere Kopfverletzungen zu, dass dauerhafte Schäden bleiben. Hätte der Hobbyrennfahrer einen Helm getragen, wäre er laut Experten vermutlich mit einer Gehirnerschütterung davongekommen.

Erhöhtem Risiko muss Rechnung getragen werden

So hat der OGH entschieden:
Der OGH lehnt sich an die Rechtsprechung deutscher Obergerichte an, die zwischen „normalen“ und „sportlich ambitionierten“ Radfahrern unterscheiden. Der Oberste Gerichtshof bestätigt mit dem Urteil die Helmpflicht für Fahrradfahren unter rennmäßigen Bedingungen. Das Unfallopfer hat sich demnach durch das Fahren im Windschatten und durch das schnelle Fahren einem besonderen Risiko ausgesetzt.

In seiner Entscheidung (2 Ob 99/14v) hat der OGH das Ergebnis einer Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit im Jahr 2006 herangezogen, bei der damals bereits 93 Prozent der Befragten das Tragen eines Helms bei Radsportlern als wichtig erachteten. Man könne, so der Oberste Gerichtshof, davon ausgehen, dass nahezu allen Betroffenen bewusst ist, dass Radfahren unter Bedingungen wie bei einem Rennen gefährlich ist.

Für den verunglückten Hobbyrennfahrer bedeutet dieses Urteil, dass er sich wegen des verbotenen Windschattenfahrens ein Drittel Mitverschulden anrechnen lassen muss. Die verbliebenen 2/3 Verschulden der Gegenseite werden wegen Verletzung der Helmpflicht, analog zur Verletzung der Gurtenpflicht , um weitere 25 Prozent gekürzt. Sein Schmerzengeldanspruch wird daher in entsprechendem Ausmaß eingeschränkt.

Gesetzlich ist die Helmpflicht nur für Kinder bis zwölf Jahre beschränkt. Weitere Infos zu diesem Thema erhalten Sie unter: Ist fahren mit Helm Pflicht?

Weitere Rechtsfälle zum Thema Radfahren und Stürze finden Sie unter: Wer nicht den Radweg benutzt, ist bei Unfall mitschuldig

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