Schiffsfonds unter Wasser: VKI verlangt Schadenersatz von Banken

Schiffsfonds unter Wasser: VKI verlangt Schadenersatz von Banken

Die Fonds fordern vielfach bereits erfolgte Ausschüttungen zurück und drohen sogar mit Klage oder dem Exekutor. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) plant jetzt eine "Sammelintervention" bei den Banken, die mit den Produkten gut verdient und ihre Kunden nicht auf die Risiken hingewiesen hätten. Kommt es zu keiner Einigung, dräuen Klagen.

Zuerst einmal sammelt der VKI Fälle - Betroffene können über einen Online-Fragebogen ( www.verbraucherrecht.at ) an der Aktion teilnehmen. Bisher haben sich schon etwa 300 Personen mit einem Schaden von etwa sieben Millionen Euro bei den Konsumentenschützern gemeldet. VKI-Chefjurist Peter Kolba schätzt, dass es österreichweit an die 20.000 Geschädigte geben könnte, wie er zur APA sagte. "Betroffen sind eher langjährige Kunden, die oft schon am Antritt ihrer Pension stehen und denen die Bank das aktiv angeboten hat." Hauptsächlich seien die geschlossenen Fonds von Erste Bank/Sparkassen, Raiffeisenbanken (vor allem in Niederösterreich und Wien) sowie BKS (Bank für Kärnten und Steiermark) sowie einzelnen Volksbanken vertrieben worden.

Ziel des VKI sind außergerichtliche Lösungen mit den Banken. Willigen diese nicht ein, plant der Verein Sammelklagen. Dazu sind bereits Gespräche mit mehreren Prozessfinanzierern im Gange.

Die Verbraucherschützer werfen den Banken vor, ihre Kunden in wesentlichen Punkten falsch bzw. nicht ausreichend informiert zu haben. Es sei verschwiegen worden, dass die zugesagten jährlichen "Ausschüttungen" (sieben Prozent und mehr) nicht aus Gewinnen, sondern aus dem eingebrachten Kapital finanziert wurden und daher von der Gesellschaft rückforderbar sind. "Die Leute haben nicht gewusst, dass sie eine Unternehmensbeteiligung eingehen", sagt Kolba. "Sie konnten das Risiko nicht abschätzen."

Geschönte Modelle

Der zweite "Kardinalfehler" laut dem VKI-Juristen: Die Modellrechnungen der Fonds seien geschönt gewesen. Der prognostizierte Erfolg hätte, stellten auch Sachverständige fest, allerhöchstens bei optimalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eintreten können. Außerdem enthielten die Modellrechnungen extrem hohe "Weichkosten" etwa für Vermarktung oder Verwaltung. "Wer hätte diese Fonds gezeichnet, wenn man ihm klar dargelegt hätte, dass bis zu 21 Prozent des Kapitals für solche Kosten verpuffen?", fragt Kolba.

Er geht davon aus, dass die Banken neben hohen Agios (fünf Prozent) auch satte Provisionen kassiert haben, über die sie nicht aufgeklärt hätten.

Die geschlossenen Fonds, die etwa Bürogebäude in Holland oder in Schiffscontainer kauften, wurden in Österreich in den Jahren ab 2002 von Banken an den Mann und die Frau gebracht. Die Initiatoren dieser Beteiligungen sind hauptsächlich deutsche Emissionshäuser wie MPC, HCI oder Dr. Peters. Am Anfang lief alles gut. Dann kam die Krise - die Immobilienmärkte krachten weltweit und die Schifffahrtbranche geriet mit dem Konjunkturabschwung unter Wasser. Jetzt droht einigen Fonds die Insolvenz, daher nehmen sie ihre Kommanditisten - das sind die Anleger - in die Pflicht. Im schlimmsten Fall verlieren sie nicht nur die bisher erhaltene Rendite, sondern ihr gesamtes eingesetztes Kapital. Kommen sie den Zahlungsaufforderungen nicht nach, könnten sie von den Fondsgesellschaften geklagt werden.

Der VKI will die heimischen Banken Ende des Monats anschreiben. Morgen, Samstag, berichtet auch die ORF-Sendung "Bürgeranwalt" um 17.30 Uhr über die VKI-Aktion.

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