Schiffsfonds: Anleger ziehen vor Gericht

Schiffsfonds: Anleger ziehen vor Gericht

Tausende Anleger müssen um dreistellige Millionen-beträge in Schiffsfonds zittern. Ein Gutachter übt nun heftige Kritik an den Modellen und dem Emittenten MPC.

Auf hoher See und vor Gericht sind wir in Gottes Hand“, lautet ein altes Sprichwort. Manche Anleger bekommen es in diesem Sinn gleich zweimal mit Gott zu tun. All diejenigen nämlich, die in den Boomjahren 2005 bis 2008 in Schiffsbeteiligungen investiert haben und damit im wahrsten Sinne des Wortes abgesoffen sind. Einige der Geschädigten ziehen nun mit ihren Ansprüchen vor Gericht.

Einer der umtriebigsten Emittenten von Schiffsbeteiligungen war das Hamburger Investmenthaus MPC, das in Österreich ein Tochterunternehmen (siehe Kasten) unterhielt. Insgesamt haben 16.000 österreichische Investoren mehr als 600 Millionen Euro in MPC Austria veranlagt, schätzt Österreich-Geschäftsführer Kurt Cowling.

Die "Merkur Sky“, das erste MPC-Schiff, ist mit 14 Millionen Euro Anlegergeld an Bord kürzlich untergegangen, weitere Schiffsflotten wie die "Reefer Flotte 1“ und "2“ befinden sich in Schieflage. Erst kürzlich wurden Anleger der "Reefer Flotte 2“ dazu aufgefordert, Kapital nachzuschießen, um die Flotte zu retten.

Hohe Vermittlungsprovisionen

Einigen Anlegern kommt das bei zugesagten Renditen von mehr als 20 Prozent jährlich komisch vor, immer mehr suchen ihren Anwalt auf. Jörg Zarbl von der Kanzlei Kraft & Winternitz bringt diese Woche das erste Musterverfahren gegen MPC Austria ein. Seine Mandanten haben bei "Merkur Sky“ 100.000 Euro verloren. Ein Gutachten des renommierten Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers Manfred Biegler liefert ihm für seine Klage wertvolle Munition. Biegler kommt darin zum Schluss: "Die Anleger wurden nur benützt, um wirtschaftlich eine Lücke zu schließen. Es bestehen ernsthafte systematische Zweifel an der grundsätzlichen Tragfähigkeit dieser Modelle.“ Oder mit anderen Worten: Die Anleger hatten von Anfang an gar keine Chance, die in Aussicht gestellten Renditen jemals zu bekommen, auch weil die Vermittlungsprovisionen mit bis zu 30 Prozent zum Teil exorbitant hoch waren. Biegler geht aber noch einen Schritt weiter: "Für mich hat die Sache nicht mehr nur eine zivilrechtliche Komponente.“

Angesichts dieser Vorwürfe ist es wohl kein Wunder, dass MPC sich sukzessive aus Österreich zurückzieht. "Es stimmt, wir werden hier nur noch als Repräsentanz tätig sein“, bestätigt Cowling. Damit wird es für MPC-Anleger aber schwieriger, hierzulande an ihr Geld zu kommen. Andere Anspruchsgegner wie die Vertriebspartner, vorwiegend heimische Großbanken, werden wohl zum Handkuss kommen. Biegler bringt es auf den Punkt: "Da wird man wohl verstärkt gegen die Banken rittern müssen.“

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