Reisebüro pleite: Geld für bezahlte Reise war verloren

Reisebüro pleite: Geld für bezahlte Reise war verloren

Der Verein für Konsumenteninformation hat im Auftrag eines geschädigten Kunden ein Reisebüro geklagt. Nach dessen Konkurs wurde der Kunde aufgefordert seine Reise ein zweites Mal zu zahlen, um die Reise auch antreten zu können. Wie es dazu kam und welches Urteil das Gericht fällte.

Manchmal kann es für Urlaubssuchende wirklich dick kommen. So buchte ein Kunde für die Zeit zwischen Weihnachten (Abreise 23. Dezember 2012) und Heiligen Drei Könige eine Luxusreise in den Fernen Osten. Der Preis dafür 5.563 Euro. Auf der Rechnung/Bestätigung stand: 1.100 Euro Anzahlung – zahlbar sofort nach Rechnungserhalt. Der Rest war bis 9. Dezember fällig. Der Kunde zahlte die Anzahlung gleich, den Rest am 27. November. Der Reise sollte nichts mehr im Wege stehen, doch es kam anders: Am 4. Dezember schlitterte der Reisevermittler in die Pleite.

Das eingezahlte Geld war damit verloren. Weshalb das Reisebüro nach der Eröffnung des Konkursverfahrens den Betrag noch einmal zurückforderte, um die Reise dem Veranstalter zahlen zu können. Da der Kunde die Reise unbedingt machen wollte, ließ er sich darauf ein und zahlte ein zweites Mal.

Reisebüro haftet als Erfüllungsgehilfe des Veranstalters

Doch so ohne weiteres wollte der Reisende die doppelte Forderung nicht hinnehmen und übergab den Fall dem Verein für Konsumenteninformation (VKI). Das Gericht kam schließlich zu der Auffassung, dass das Reisebüro Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters ist und damit auch haftet. Erfüllungsgehilfe ist das Reisebüro laut Gesetzgeber, wenn sich der Reiseveranstalter zur Verfolgung eigener Interessen gegenüber dem Kunden eines Reisebüros bedient. Was insbesondere dann der Fall ist, wenn der Reisebüromitarbeiter Pflichten erfüllt, die nicht nur das Reisebüro als Vermittler, sondern auch den Veranstalter selbst treffen. Das ist laut Gericht in dieser Causa der Fall gewesen. Die beklagte Partei, also das Reisebüro, ist in diesem Zusammenhang auch für die Informationen der Zahlungsmodalitäten und der Entgegennahme der Zahlung verantwortlich. Die Zahlungsmodalitäten waren jedoch nicht korrekt, weshalb den Kunden laut dem Urteil keine Schuld trifft und die Zahlungen des Konsumenten schuldbefreiend wirken.

Reisebüro darf Geld nicht früher als zwei Wochen vor Abreise verlangen

Denn das Reisebüro hat frühere Zahlungsfristen gesetzt als zulässig und damit das Geld zu früh kassiert. Grundsätzlich gilt, dass eine Anzahlung oder Restzahlung nicht früher als zwei Wochen vor Reiseantritt übernommen werden darf. Die Formulierung „zahlbar bis“ zwei Wochen vor Reiseantritt, wie es das Reisebüro verlangt hat, ist damit unzulässig. Zudem sei die Übergabe der Reiseunterlagen nicht Zug um Zug erfolgt. Weil der Veranstalter, vertreten durch das Reisebüro, zu einer verfrühten Zahlung aufforderte, sei der Konsument schutzwürdig, wenn er dieser Aufforderung nachkommt.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Das Reisebüro ist in Berufung gegangen.

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