Justitias willige Helfer

Justitias willige Helfer

Das Geständnis von Hypo-Gutachter Birnbacher bringt viele seiner Kollegen in Bedrängnis. Große Wirtschaftsprozesse wackeln.

"Ich habe gewusst, dass sechs Millionen unangemessen sind": Mit diesem überraschenden Geständnis von Steuerberater Dietrich Birnbacher am Landesgericht Klagenfurt begann das große Zittern für eine gesamte Branche. Denn nicht weniger als elf Privatgutachter, darunter bekannte Kapazitäten wie WU-Professor Christian Nowotny, der Grazer Wirtschaftsrechtsprofessor Waldemar Jud und die namhaften Gerichtssachverständigen Thomas Keppert und Gerhard Altenberger, fanden an Birnbachers Millionenlohn nichts bis wenig auszusetzen. Sie alle stellten dem Auftraggeber, der Kärntner Landesholding, quasi einen Persilschein aus.

Erst ein Gutachten des deutschen Sachverständigen Frank Schäfer, das Birnbachers Leistung auf maximal 240.000 Euro taxierte, ließ erste Zweifel an der Seriosität der Arbeit der Privatgutachter auftauchen. Mit Birnbachers Geständnis verwandelten sich diese Zweifel in herbe Kritik - und in Justizkreisen fällt immer öfter das böse Wort "Gefälligkeitsgutachten“.

Die Causa könnte zu einer echten Bombe werden, wenn nämlich die Justiz in Kärnten gegen die heimischen Gutachter tätig wird. Dem Vernehmen nach dürfte das kurz bevorstehen, vor allem Altenberger, der sein Gutachten vor Gericht kürzlich noch wortreich verteidigt hat, soll im Visier der Staatsanwaltschaft stehen. Beihilfe zur Untreue, aber auch Begünstigung kommen als Vorwürfe infrage. Für Altenberger und seine Kollegen gilt die Unschuldsvermutung, aber lustig werden die nächsten Wochen für sie sicher nicht.

Betrachtet man diese Expertisen etwas genauer, so fällt auf, dass sie ziemlich überhastet - oft in nicht mehr als drei Tagen - erstellt wurden und die von Fachleuten erwartete Tiefe vermissen lassen. Einigen Gutachtern stand nicht einmal der Stein des Anstoßes zur Verfügung: das dürre Birnbacher-Werk, das sie zu beurteilen hatten. "Bei Privatgutachten ist generell das Problem, dass der Gutachter nicht weiß, ob er alle wichtigen Unterlagen bekommen hat“, erläutert der Grazer Sachverständige Fritz Kleiner, der als einer der wenigen in der Branche nicht in die Causa involviert ist. Nachsatz: "Aber mehr hinterfragen hätten sie es schon können.“

Auch wenn ihre Honorare bei weitem nicht Birnbacher-Dimensionen erreichten, die Kärntner Landesholding ließ für die Blitz-Expertisen doch einiges springen: Aus den Unterlagen des Hypo-Untersuchungsausschusses geht hervor, dass Nowotny 9.600 Euro kassierte, Altenberger 15.000 und Deloitte 13.050 Euro. Noch teurer, allerdings auch aufwendiger fielen die "Über-Gutachten“ von Jud und Keppert aus - wobei Jud betont, sich mit der Angemessenheit von Birnbachers Honorar nicht eigens auseinandergesetzt zu haben.

Immofinanz und Co wackeln

Selbst wenn die Angelegenheit für die Beteiligten kein juristisches Nachspiel hat - für einige der größten Wirtschaftsprozesse des Landes wird sie massive Folgen haben. Denn: "Mit diesen Gutachten haben die Herren die gesamte Branche der Privatgutachter desavouiert“, meint ein involvierter Jurist. "Nach diesem Vorfall wird kein Richter mehr Privatgutachten ernst nehmen.“ Wobei der Verlust an Ansehen noch das geringere Übel ist. Speziell Keppert und Altenberger, die gerne von Gerichten als Sachverständige hinzugezogen werden, müssen um lukrative Mandate bangen.

Altenberger ist gerade als Gutachter in den Mega-Causen Immofinanz und Kommunalkredit im Einsatz, Keppert ist beim GAK-Prozess und bei Bawag II mit von der Partie. Dem Vernehmen nach wetzen die Anwälte einiger in diesen Verfahren Beschuldigter schon die Messer, Abberufungsanträge gegen die Gutachter sind in Vorbereitung. "Für die Verteidiger ist das ein gefundenes Fressen. Natürlich stellt sich die Frage, ob die Herren nach der Performance in der Causa Birnbacher in anderen Großcausen die nötige Qualität abliefern können“, stellt ein Anwalt in den Raum. Die Prozesse kann das um Monate verzögern.

Wer das Geschenk, bei Nichgefallen, frühestens am 10. Jänner zurückgeben kann, sollte das vorher mit dem Verkäufer ausmachen.

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