GEA vs. FMA: Dona novis pacem! – Gib uns Frieden!

GEA vs. FMA: Dona novis pacem! – Gib uns Frieden!

Mittwoch, 14. November 2012, 19.30 Uhr: Drei bis vierhundert Unterstützer des GEA-Bosses Heini Staudinger sind in den Waldviertler Ort Schrems gereist um an der Diskussion "Wir sind das Volk – Bürgerrecht statt Bankenrecht" teilzunehmen. Seit FMA-Boss Helmut Ettl dem "rebellischen" Unternehmer gedroht hat, dass er mit einer Beugestrafe zu rechnen hat, explodiert die Zahl derer die sich mit dem GEA-Boss solidarisieren.

Internet, Mittwoch 15.21: 6821, 6822, 6823 – nahezu minütlich unterzeichnen Unterstützer auf avaaz.org, einer Internetplattform für Bürgerpetitionen den Aufruf eines Salzburgers zur Unterstützung des GEA-Chefs Heini Staudinger unter dem Titel "Schützt die Waldviertler Schuhproduktion".

Seit FMA-Boss Helmut Ettl angekündigt hat, dass man im Kampf gegen den, aus Sicht der FMA illegalen "Sparverein" des GEA-Bosses, "zeitnah" Beugestrafen verhängen werde ist das Interesse in die Höhe geschnellt. Binnen 24 Stunden unterzeichneten mehr als 3000 ÖsterreicherInnen die Petition.

Schrems, Mittwoch 20.30 Uhr: Seit knapp einer Stunde wird im Waldviertler Ort Schrems unter dem Motto "Wir sind das Volk – Bürgerrecht statt Bankenrecht" diskutiert. 3 bis 400 Menschen aus ganz Österreich sind gekommen. Auch die niederösterreichische Landtagsabgeordnete Madeleine Petrovic (Grüne) solidarisiert sich mit dem GEA-Chef. Petrovic, selbst Juristin und GEA-Geldgeberin, macht auf das freie Vertragsrecht aufmerksam und erklärt, dass ihr das Risiko einer Geldeinlage bei GEA sehr wohl bewusst war. Sie hat jedenfalls ganz bewusst keinen Bankenvertrag abgeschlossen.

Rückblende – APA, Mittwoch, 14.15 Uhr: Wirtschaftskammerboss Christoph Leitl meldet sich via OTS-Aussendung zu Wort. Er lädt – öffentlichkeitswirksam – den GEA-Chef Heini Staudinger zu einem persönlichen Gespräch ein. Laut OTS will Leitl "Kritik und Sorgen des GEA-Chefs mit diesem persönlich erörtern und Möglichkeiten ausloten, wie die Finanzierung seines Unternehmens auf legalem Weg machbar ist. Dafür gebe es mehrere Möglichkeiten, wie etwa stille Beteiligungen oder Anleihen. Ziel müsse ein legales Finanzierungsmodell sein, welches mit möglichst geringem Verwaltungsaufwand und niedrigen Kosten umgesetzt werden könne."

Internet, Facebook 20.45 Uhr: Zitat aus einer Live Mitschrift auf der Facebook-Seite Waldviertler. "Reinhard Heisserer (Jugend eine Welt, NGO). Darlehen werden als "Liqiuiditätspuffer" verwendet. NGOs werden so streng kontrolliert wie kaum eine andere Organisationsform, und so dauert es von Finanzierungszusagen bis zum Eingang des Geldes oft sehr lange. Deshalb werden diese Puffer in Form von Darlehen benötigt um schnell helfen zu können. Eines Tages stand die FMA in der Tür.

Mit einer kleinen Auflage (Nachrangigkeit) wurde ihre zinsenlose Darlehensform genehmigt. Dass diese "Nachrangigkeit" jedoch genau das Gegenteil von Konsumentenschutz bedeutet will die FMA nicht hören."

Schrems, Mittwoch 21.00 Uhr: Die Live-Übertragung der Diskussion auf dem Internetsender okitalk.com läuft seit rund eineinhalb Stunden. Ein extra aus Tirol angereister Unternehmer – Handwerksbetrieb mit an die 100 Mitarbeitern – schildert seine Finanzierungsprobleme mit Banken. Als er vor einigen Jahren ein großes Projekt für ein Green-Building in Großbritannien erhalten hat, musste er eine Bankgarantie für 700.000 € hinterlegen. Zuviel, denn das hätte das vereinbarte Obligo um 200.000 € überschritten. Um das Projekt dennoch abwickeln zu können musste ein Grundstück der Großmutter verkauft werden. Am Ende wurde das Projekt mit einem Gewinn abgeschlossen. Und von der Bank gab es ein Abendessen.

Schrems, 21.50: Die Diskussion im Waldviertel endet mit einem kurzem Statement von Heini Staudinger, des "Robin Hood des 21. Jahrhunderts", wie ihn Hans Schachner vom Biohof Achleitner, der ebenfalls ins Visier der FMA geriet, bezeichnet. Am Ende seines Statements fordert er die Anwesenden auf mit ihm seinen Lieblingschoral zu singen: "Dona novis pacem" – "Gib uns Frieden". (Anmerkung des Autors: Zugegeben, so gut wie auf dem Youtube-Beispiel hat es nicht geklungen.)

Eine Botschaft an die FMA?

Internet, avaaz.org, 22.50 Uhr: Zu den am Nachmittag gezählten rund 6800 Unterzeichnern der Petition "Schützt die Waldviertler Schuhproduktion sind binnen weniger Stunden weitere 1000 hinzugekommen. Zwischenstand; 7.865 Menschen stellen sich an die Seite des Waldviertler Schuhproduzenten. Und minütlich werden es mehr.

Rätselauflösung des Bildes: Bilder des GEA-Chefs sind rar. In der APA jedenfalls findet sich keines. Am 27. Oktober 2012 fand in der ausverkauften Stadthalle Schrems ein Konzert von Konstantin Wecker statt. Veranstaltet wurde es von Heini Staudinger, GEA und den Waldviertler Werkstätten in Kooperation mit Harry Guggenberger und seinem Wald4tler Hoftheater .
Einen Videoauschnitt des Konzertes mit einleitenden Statements des GEA-Gründers u.a. zum Thema Konflikt mit der FMA finden sie hier.

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