FMA vs. GEA: Am Ende bleibt die Wut

FMA vs. GEA: Am Ende bleibt die Wut

"Wir lassen uns doch nicht vorschreiben, wo wir unser Geld anlegen", so der einhellige Tenor jener Anleger zu deren Schutz die FMA ausgeritten ist, um Unternehmer wie den GEA-Boss Heini Staudinger und andere in die Knie zu zwingen.

Asterix hat seinen Standort neuerdings ins Waldviertel verlegt. Doch diesfalls stammt der Gegner nicht aus Rom, sondern aus Wien und heißt auch nicht Cäsar sondern Finanzmarktaufsicht. Auch die Waffen sind andere: Während die Römer noch ihre Schwerter zückten um jeden Widerstand im Keim zu ersticken, bevorzugt die FMA im Kampf mit dem modernen Asterix (GEA-Boss Heini Staudinger) ein feingesponnenes Netz aus Gesetzesvorschriften. Ein Netz, in dem sich nicht nur der Waldviertler verfangen hat sondern mittlerweile ein ganze Reihe von anderen Kleinunternehmen und Organisationen.

Rechtlich betrachtet steht Staudinger mit seinem Finanzierungsmodell wahrscheinlich wohl auf verlorenem Posten, moralisch betrachtet befindet sich Staudinger im Recht - zumindest aus Sicht jener die selbst bestimmen wollen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Für die FMA jedenfalls entwickelt sich der Konflikt zunehmend zu einem Supergau in der öffentlichen Wahrnehmung. Unter anderem auch deshalb, weil sich ihr Argument vom Anlegerschutz ins Gegenteil verkehrt, wenn Lösungen wie etwa im Fall der Ermittlungen gegen die karitative Organisation "Jugend Eine Welt" herauskommen. Dort sind die Investoren jetzt schlechter gestellt als vorher. Eine unbefriedigende Lösung wie es von der Organisation heißt, die hofft, dass sie trotz dieser Lösung weiter auf das Vertrauen der Menschen zählen kann.

Unternehmen wie GEA oder EZA genießen Vertrauen

Vertrauen - das ist das Schlagwort mit dem die FMA in ihren Kampf gegen "illegale Sparmodelle" zieht. Die Anleger müssten jenen, denen sie ihr Geld in die Hand geben Vertrauen können, argumentiert die Behörde. Das Problem dabei: Spätestens seit der Finanzkrise und der Rolle, die viele Banken dabei gespielt haben ist dieses Vertrauen nachhaltig erschüttert. Immer mehr Menschen fragen sich, warum sie ihr sauer erarbeitetes Geld großen, anonymen Molochen anvertrauen sollen, wenn diese – im Krisenfall – dann ohnehin wieder mit ihrem "Steuergeld" gerettet werden müssen.

Im Gegensatz dazu genießen Unternehmen wie GEA oder die EZA Fairer Handel, ebenso wie viele kleinere Regionalbanken, die zunehmend unter der Last, der auf sie einprasselnden Vorschriften stöhnen, das Vertrauen der Anleger. Ganz einfach deshalb, weil sie es bisher nicht enttäuscht haben und es sich gar nicht leisten können dies zu tun, weil sie sonst in ihrer Region "unten durch wären" – wie man so schön sagt. Dieses "unten durch" sein, führt unweigerlich in den wirtschaftlichen Ruin, was wohl kaum im Sinne der Erfinder der jeweiligen alternativen Finanzierungsform ist. Finanzierungsmodelle, die angesichts der bevorstehenden Verschärfungen bei Kreditvergaben für immer mehr kleine und mittlere Unternehmen an Attraktivität gewinnen.

Wer anonymen Internet-"Finanzprofis" sein Geld gibt, handelt nicht aus Vertrauen sondern meist aus Gier

Auch das Argument, das immer wieder vorgebracht wird, dass dann ja jeder kommen könnte und sich via Internet Geld ausborgen und dieses veruntreuen könnte – wie mehrfach bereits geschehen – greift zu kurz. Wer einem meist anonymen "Finanzprofi" sein Geld gibt, weil dieser verspricht, dass er es mit dieser und dieser Rendite zurückzahlt, handelt nicht aus Vertrauen, sondern aus Gier.

Bei den Menschen jedenfalls entsteht durch die harte Gangart der Finanzmarktaufsicht zunehmend der Eindruck, dass die FMA nicht aus Anlegerschutzinteressen handelt, sondern weil sie das Monopol der Banken auf die Geldwirtschaft verteidigt. Und so bleibt bei den immer wieder geforderten "Mutbürgern" – ja es gehört Mut dazu sein Geld jemandem anzuvertrauen, der keine staatlichen Garantien vorweisen kann – letztlich nur mehr Wut zurück.

P.S.: Da die FMA nichts zur Lösung des Konfliktes beitragen kann, liegt der Ball jetzt bei der Politik. Sollte diese nicht rasch reagieren könnte es schon bald zu einem Massensterben von Betrieben und Organisationen kommen, die ihr Geschäft auf alternativen Finanzierungsmodellen aufbauen. Wie die jetzigen Ereignisse beweisen, sind das mehr als man vermuten möchte.

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