Reisen: EU-Staaten stimmen für besseren Rechtsschutz

Online gebuchte Urlaube sollen jenen von im Reisebüro gebuchten Pauschalreisen rechtlich gleichgestellt werden.

Online gebuchte Urlaube sollen jenen von im Reisebüro gebuchten Pauschalreisen rechtlich gleichgestellt werden.

Im EU-Ministerrat wurde eine neue Richtlinie erlassen, die den Rechtsschutz von Pauschalreisenden stärkt. Die Konsumenten profitieren davon vor allem Online-Buchungen. Was sich künftig ändern soll.

Die neue Reiserichtlinie für Pauschalreisen dient vor allem dazu die gesetzliche Lage an das digitale Zeitalter anzupassen. Der Vorteil für jene, die online ihre Reise buchen: Die Verbraucherstandards, die bereits jetzt bei Reisen, die im Reisebüro gelten, werden künftig auch auf im Internet gebuchte Reisen ausgeweitet. "Die neue Richtlinie wird die Rechtsposition der Verbraucher insbesondere bei Online-Buchungen verbessern", kommentierte Staatssekretär Gerd Billen aus dem Verbraucherschutzministerium, der Deutschland die neue Richtlinie. Das EU-Parlament dürfte der Neuregelung im Juni zustimmen.

Verbesserungen mit Einschränkungen

Allerdings kann die Reise, die im Internet gebucht wird, nicht völlig frei gewählt werden, wenn die neuen Rechtsstandards zum Tragen kommen sollen. Wenn etwa auf einer Seite ein Flug und auf einer anderen Internetseite ein Hotel gebucht wird, fällt das nicht unter den neuen Schutz. Demnach geht es vielmehr um Fälle bei denen Kunden im Internet häufig über Links von einem Reiseleistungsanbieter zum nächsten weitergeleitet werden.

Ab wann eine Reise als Pauschalreise gilt

Laut dem europäischem Verbraucherzentrum handelt es sich laut EU-Recht um eine Pauschalreise, wenn die angebotene Reise länger als 24 Stunden dauert und zu einem Gesamtpreis verkauft wird. Innerhalb der EU haben Verbraucher die gleichen Rechte, wenn Sie eine Pauschalreise bei einem inländischen oder ausländischen Anbieter buchen. Rechtliche Grundlage hierfür ist die Richtlinie 90/314/EWG vom 13. Juni 1990, die sogenannte Pauschalreiserichtlinie, die wir hier für Sie zusammengefasst haben.

Was die aktuell geltende Richtlinie besagt, was sie regelt:

Der europäische Rechtstext gibt vor, wie Angebote in Prospekten beschrieben sein müssen, welche Verpflichtungen Anbieter bzw. welche Ansprüche Verbraucher haben und wie weit die Haftung reicht, wenn vertraglich zugesicherte Leistungen nicht oder nur mangelhaft erfüllt werden oder die Reise gar nicht stattfindet.
So dürfen Prospekte „keine irreführenden Angaben“ enthalten. Welche Angaben ein Vertrag enthalten muss, ist im Anhang der Richtlinie geregelt. Anbieter dürfen vertraglich festgelegte Preise 20 Tage vor Reiseantritt nicht mehr erhöhen und außerdem z.B. nur dann teurere Treibstoffkosten, Landegebühren oder Wechselkurse geltend machen, wenn sie sich solche möglichen Änderungen zuvor im Vertrag vorbehalten haben; dem Kunden muss Name und Erreichbarkeit eines Ansprechpartners am Ort genannt werden, der ihm bei Schwierigkeiten hilft.
Der Anbieter, der Vermittler bzw. der Vertreter am Ort ist verpflichtet, sich im Fall von Beanstandungen „nach Kräften um geeignete Lösungen“ zu bemühen (Art. 6). Der Verpflichtung des Veranstalters, den Vertrag ordnungsgemäß zu erfüllen, steht eine Mitwirkungspflicht der Verbraucher gegenüber, eventuelle Mängel auch deutlich und nachvollziehbar zu beanstanden. So müssen Kunden ihrerseits Mängel an Ort und Stelle dem Leistungsträger mitteilen.
Verbraucher sind durch diese Grundsätze geschützt: Wer eine Pauschalreise nicht antreten kann, darf sie unter bestimmten Umständen an einen Dritten übertragen. Anbieter müssen ihren Kunden nachweisen, dass sie Entschädigungen auch im Konkursfall leisten können – Stichwort hierzu nach deutschem Recht ist der „Sicherungsschein“.

Fünf Punkte, die Sie bei Pauschalreisen beachten sollten

1. Der Anbieter muss im Falle einer Stornierung keine Entschädigung leisten, wenn höhere Gewalt dazu geführt hat. Der Anbieter kann sich außerdem - ohne dass ihm ein Entschädigungsanspruch entstehen würde - vorbehalten, eine Reise bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abzusagen, wenn die Mindestteilnehmerzahl nicht zustande kam.

2. Was Beanstandungen anbelangt, muss zwischen Mängeln und bloßen Unannehmlichkeiten unterschieden werden. Ein Reisemangel liegt nur in den Fällen vor, in denen eine nicht ordnungsgemäß erbrachte Reiseleistung die Reise als solche in ihrem Nutzen beeinträchtigt. Dagegen werden z.B. Warteschlangen vor dem Buffet, zumal in großen Hotels, als Unannehmlichkeit gewertet - ohne Erstattungsanspruch.

3. Mängel müssen Urlaubende umgehend am Ort melden. Ein Beispiel: Hat das Zimmer, das Sie bei Ankunft erhalten, keinen Balkon, obwohl Ihnen ein solcher zugesichert wurde, geben Sie Ihrem Ansprechpartner Gelegenheit, Ihnen binnen eines Tages ein Zimmer mit Balkon zu verschaffen. Klappt das nicht, lassen Sie sich den Mangel am besten schriftlich von ihm bestätigen und sammeln Sie ggf. Beweise; das können Fotos sein oder Zeugenaussagen von Mitreisenden.

4. Konnte der Leistungsträger während Ihres Urlaubs keine Abhilfe schaffen, beachten Sie, dass Sie Ihre Ansprüche nicht später als einen Monat nach Rückkehr gegenüber dem Veranstalter geltend machen. Andernfalls verfällt Ihr Anspruch auf Entschädigung.

5. Haben Sie Ihre Pauschalreise im Internet gebucht und sind Fehler bei der Online-Buchung Anlass zu einer Beschwerde, hilft Ihnen in den meisten Fällen, in denen Sie sich nicht selbst mit dem Anbieter einigen konnten, die Reiseschiedsstelle in Wiesbaden. Ihr sind zahlreiche Online-Reiseportale angeschlossen. In grenzüberschreitenden Fällen - etwa dann, wenn der Anbieter, auf dessen deutschsprachiger Internetseite Sie gebucht haben, seinen Firmensitz in den Niederlanden hat - kann Ihnen das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland weiterhelfen.

Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie unter www.eu-verbraucher.de

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