EU: Jetzt geht es Hochfrequenzhändlern an den Kragen

EU: Jetzt geht es Hochfrequenzhändlern an den Kragen

Bereits am Dienstag soll das EU-Parlament Regeln für den Hochfrequenzhandel verabschieden, die mit zu den strengsten gehören, die es in diesem Bereich weltweit gibt.

Die geplanten Beschränkungen gehören zu einem neuen Regelwerk der EU, das Bereiche von der Spekulation mit Rohstoffderivaten bis hin zum Investorenschutz abdecken. Die Restriktionen für den Hochfrequenzhandel umfassen Mindestabstände für Notierungen, vorgeschriebene Prüfungen für Handelsalgorithmen und Auflagen, wonach Market-Maker für eine bestimmte Zahl von Stunden am Tag für Liquidität sorgen müssen.

Quelle des Missbrauchs soll eliminiert werden

“Mit diesen Vorschriften führt die EU eines der weltweit strengsten Regelwerke für den Hochfrequenzhandel ein”, schrieb EU-Binnenmarkt- und Dienstleistungskommissar Michel Barnier in einer E-Mail. “Der Hochfrequenzhandel mag zwar auch einige Vorteile bringen, aber wir müssen sicherstellen, dass er nicht für Instabilität sorgt und nicht zu einer Quelle für Marktmissbrauch wird.”

Langsamere Händler zahlen drauf

Der Hochfrequenzhandel mit Aktien hatte im Mai 2010 mit dem sogenannten “Flash Crash” für Schlagzeilen gesorgt, als der Dow Jones Industrial Average Index kurzzeitig um fast tausend Punkte abstürzte. Mit dem Buch von Michael Lewis ist die Diskussion neu entflammt. Lewis argumentiert, dass der US- Aktienmarkt Hochgeschwindigkeitshändler auf Kosten langsamerer Investoren begünstigt.

Algorithmen müssen von Behörden genehmigt werden

Am Dienstag wird das EU-Parlament in Straßburg über die neuen Regeln abstimmen. Dazu gehört auch die Bestimmung, dass Händler ihre Algorithmen auf den Handelsplätzen testen und von den Behörden genehmigen lassen müssen. Die Abgeordneten sind im Begriff, die vorläufige Vereinbarung zu billigen, die Anfang des Jahres mit den Regierungen erzielt wurde. Es handele sich um “die bislang umfassendste regulatorische Antwort auf den Hochfrequenzhandel”, kommentierte Christopher Bernard, Rechtsfachmann für Finanzregulierung bei Linklaters LLP in London.

Zum Hochfrequenzhandel gehört die Verwendung leistungsfähiger Technologie und Computerprogramme, um Orders in Tausendstel- oder sogar Millionstel-Sekunden auszuführen und damit kurzzeitige Preisunterschiede bei Wertpapieren zwischen verschiedenen Handelsplätzen auszunutzen.

Die Beschränkungen “schaffen einen vernünftigen Ausgleich”, hatte die FIA European Principal Traders Association im Januar erklärt, als die politische Einigung erzielt wurde. Der Verband der Hochfrequenzhändler hatte gewarnt, dass die ursprünglich vorgesehenen weiter reichenden Maßnahmen die Transaktionskosten erhöhen und die Volatilität am Markt verstärken würden.

Zugung von Firmen aus Übersee soll beschränkt werden

Das Gesetz sieht auch vor, dass der Marktzugang von Firmen aus Übersee davon abhängig gemacht wird, ob sie von den Behörden auf ihrem Heimatmarkt Vorschriften unterworfen sind, die ebenso scharf sind wie in der EU.

Zwar werde das Parlament diese Woche über die Regulierung abstimmen, letztlich werde ihre Wirkung werde jedoch “in hohem Maße” von technischen Vorkehrungen abhängen, die das Gesetz mit Inhalt füllen und die in der Diskussion seien, sagte Bernard.

Die Abstimmung diese Woche ist ein wichtiger Schritt in Richtung der förmlichen Annahme des Gesetzes durch das Parlament. Nach dem Votum müssen noch die EU-Regierungen, die mit dem Parlament über Vorschlagsänderungen verhandelt haben, die Pläne förmlich unterzeichnen. Die Maßnahmen treten zweieinhalb Jahre, nachdem sie angenommen und im EU-Amtsblatt veröffentlicht wurden, in Kraft.

Rechtstipps

Fasching: Welche Verkleidung mit dem Gesetz kollidieren könnte

Rechtstipps

Sozialbetrug: Die neuen, verschärften Bestimmungen

Freie Dienstnehmer haben seit Anfang 2016 ein Recht auf Mutterschutz.

Recht

2016 gibt es einige Verbesserungen im Arbeitsrecht