Das ändert sich ab August beim EU-Erbrecht

Bisher waren für einen Österreicher, der etwa zuletzt in Spanien lebte, in jedem Land ein Gericht befasst. Künftig ist nur noch ein Gericht und ein Land zuständig.

Bisher war für das Erbe eines Österreichers, der etwa zuletzt in Spanien lebte, in jedem der beiden Länder ein Gericht befasst. Künftig sind nur noch ein Gericht und ein Land zuständig.

Die neue EU-Erbrechtsverordnung vereinfacht das Erbrecht, wenn man den Lebensmittelpunkt nicht im Heimatland hat und im Ausland verstirbt. Die D.A.S. Rechtsschutz AG erklärt, was sich ändert und gibt Tipps, wie trotzdem, wenn gewünscht, das heimische Recht zur Anwendung kommt.

So mancher Österreicher zieht im Laufe seines Lebens ins Ausland. Rechtlich gesehen, verändert sich damit auch sein Lebensmittelpunkt. Doch im Todesfall war die Anwendung des Erbrechts innerhalb der EU bisher äußerst kompliziert, wenn der im Ausland Lebende nicht in seinem Heimatland verstorben ist.

Die neue EU-Erbrechtsverordnung soll das Erben nun vereinfachen und harmonisieren. Die Verordnung gilt für Todesfälle ab dem 17. August 2015 in allen EU-Ländern, mit Ausnahme von Dänemark, Irland und Großbritannien. Damit verändern sich internationale Zuständigkeiten im grenzüberschreitenden Erbrecht.

Nur noch ein Recht und ein Gericht

Das bedeutet, dass die zuständigen Stellen für die Abwicklung des gesamten Nachlasses zuständig sind, in deren Sprengel der Verstorbene seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte. „Demnach gilt: Ein Recht, ein Gericht“, so Ingo Kaufmann, Vorstand der D.A.S. Rechtsschutz AG.

Doppelgleisigkeiten aufgelöst

Bisher war die Rechtslage komplizierter: „Je nachdem, in welchem Land der Verstorbene Vermögen hatte, waren zwei oder mehrere Gerichte zuständig, die wiederum auch unterschiedliches Recht anwenden mussten", so Kaufmann. Beim Tod eines deutschen Pensionisten beispielsweise, der bis zuletzt in Salzburg lebte, war laut Erbrecht bisher für das in Österreich befindliche Vermögen ein österreichisches Gericht zuständig, das Nachlassgericht in Deutschland für das dortige. Diese Doppelgleisigkeiten wurden nun beseitigt. „Das bedeutet aber auch, das bei einem Todesfall eines Österreichers, der bis zu seinem Tod in Spanien gelebt hat, nun ein spanisches Gericht zuständig ist. Somit wird auch ausschließlich spanisches Recht angewendet“, erläutert Jurist Kaufmann. Doch auch das lässt sich ändern.

Formgültige Verfügung entscheidend

Wer seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort nicht in seinem Heimatland hat, aber dennoch möchte, dass das Erbrecht des Heimatlandes angewendet wird, muss künftig eine entsprechende Verfügung machen. „Rechtsverbindlich ist eine letztwillige Verfügung wie ein Testament, aber nur wenn sie formgültig ist", warnt Kaufmann. Sein Tipp: „Lassen Sie sich daher rechtlich genau beraten.“

Neu: Ein EU-weit einheitliches Nachlasszeugnis

Neu ist auch das sogenannte Europäische Nachlasszeugnis. Dieses ist immer dann sinnvoll, grenzüberschreitende Erbfälle vorliegen, der Erblasser also zum Beispiel ein Ferienhaus in Frankreich besessen hat. Das Dokument soll es Erben und Testamentsvollstreckern erleichtern, ihre Rechte in einem anderen EU-Staat nachzuweisen. Denn welches Dokument eine Behörde im Ausland als Erbnachweis akzeptiert, war bisher nicht einheitlich geregelt.

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Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:

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