Auf der Suche nach Liebe? Die miesen Tricks der Online-Partnerbörsen

Auf der Suche nach Liebe? Die miesen Tricks der Online-Partnerbörsen

Valentinstag-Special: Bei der Suche nach der großen Liebe, einer Affäre oder nur schnellem Sex landen die Österreicher immer öfter im Internet. Beinahe jede zweite Beziehung entsteht bereits über diverse Online-Plattformen. Doch die bergen auch einige Risiken.

Spätestens am Valentinstag, wenn man sich vorstellt, wie sich andere Paare verliebt in die Augen sehen und herzerweichende Liebesbekundungen von sich geben, wünschen sich viele Singles einen Partner an ihrer Seite. Für Verzweifelte und Abenteurer der Liebe, die jedoch weder die Zeit oder die Muse haben, sich mühselig in Bars oder an anderen Schauplätzen einen Partner zu suchen, bieten Online-Börsen eine effiziente und auch amüsante Möglichkeit jemanden kennenzulernen.

Doch obwohl die Online-Suche ihren Reiz hat, sollte man zumindest beim Studium des Vertrags mit einer Partnerbörse, nicht das Herz, sondern den Verstand sprechen lassen. Denn das Geschäft dahinter ist knallhart. Das zeigt, wie der Verein für Konsumentenschutz aufzeigt, schon die steigende Zahl an Klagen.

Für Konsumenten lauern die Fallen im Kleingedruckten. Lesen Sie wie die Liebesvermittler im Netz ihre Kunden mit windigen Vertragsverlängerungen überlisten, Nötigen, ihnen teuren Zusatzangeboten unterjubeln und das Rücktrittsrecht beschneiden. Ein Urteil des Handelsgerichts Wien zeigt, dass die einfache Abzocke der Kunden künftig nicht mehr ganz so locker möglich ist. Doch nach wie vor sind viele Vertragsklauseln von Onlinebörsen, die in Österreich noch erlaubt sind, in Deutschland schon längst gerichtlich verboten.

Ein Beispiel: Frau S. aus Niederösterreich hat bei Elitepartner einen Vertrag für eine einjährige Premium-Mitgliedschaft abgeschlossen und dafür über 300 Euro gezahlt. Kurz darauf lernte sie den Mann ihres Herzens kennen. Frau S. hat in weiterer Folge die Kündigungsfrist übersehen und statt acht erst fünf Wochen vor Vertragsablauf gekündigt. Sie bat Elitepartner ihren Vertrag trotzdem nicht zu verlängern, da sie den Service nicht mehr benötigt und den Beitrag für ein weiteres Jahr Mitgliedschaft von rund 480 Euro nur schwer aufbringen könne.

Zur Veröffentlichung genötigt

Dem folgte ein seltsames Angebot von Elitepartner: Wenn Frau S. bereit sei ihre Kennenlernstory inklusive Foto auf der Homepage zu veröffentlichen, könne ihre Kündigung noch termingerecht eingetragen werden, ansonsten sei eine vorzeitige Kündigung nicht möglich. „Das war Nötigung etwas Persönliches zu veröffentlichen“, erklärt Maria Ecker, Juristin beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). Frau S. lehnt das Angebot von Elite ab und erhielt prompt die Rechnung für ein weiteres Jahr. Auch bei edarling wird der Vertrag "um die jeweils vertraglich vereinbarte Laufzeit", so der Wortlaut des AGB.

Automatische Vertragsverlängerung unzulässig

Frau S. wandte sich in weiterer Folge an den VKI, denn grundsätzlich ist eine automische Verlängerung eines befristeten Vertrages gesetzeswidrig. Da sich Konsumenten gehäuft über eine automatische Vertragsverlängerung beim VKI beschwerten, haben die Konsumentenschützer einen Musterprozess geführt und auch in zweiter Instanz Recht bekommen. „Das ist ein klares Signal an die Branche, dass es so nicht geht“, so Ecker. Das bedeutet: „Diese Klausel, dass ein befristeter Vertrag automatisch verlängert werden kann, darf nicht mehr verwendet werden“, präzisiert Ecker. Elitepartner muss laut dem Urteil des Oberlandesgerichts Wien künftig auch unterlassen „Konsumenten zu suggerieren, eine Vertragsauflösung wäre nur unter vom Unternehmen vorgegebenen Bedingungen möglich, wie zum Beispiel, die Kennenlerngeschichte mit Bild zu veröffentlichen und dass obwohl der Vertrag rechtskonform zum vereinbarten Endtermin automatisch endet.“

Partnerbörsen kümmern sich nicht um OGH-Urteil

Doch bisher kümmern sich die Onlineportale nicht um das Urteil. Sowohl Parship als auch Elitepartner haben in ihren AGB-Bestimmungen nach wie vor die automatische Vertragsverlängerungen drinnen. So steht bei Parship unter Punkt 5.3 „Der Vertrag über die kostenpflichtige Mitgliedschaft verlängert sich automatisch um die jeweils vertraglich vereinbarte Laufzeit sofern der Kunde seinen Vertrag nicht ordentlich kündigt.“ Elitepartner geht in seinem AGB unter Punkt 8 ebenso vor.

Hoffen, dass der Kunde die Kündigungsfrist übersieht

Nicht nur dass eine automatische Verlängerung eines befristeten Vertrags gesetzeswidrig ist, der Kunde wird zudem nur beim erstmaligen Kauf einer Premium-Mitgliedschaft (jeder Kunde, der zahlt ist ein Premium-Mitglied) über die automatische Vertragsverlängerung informiert. Das bedeutet: Sobald der Vertrag einmal verlängert wurde, gibt es bei einer weiteren Verlängerung keine Info mehr darüber. edarling weist dagegen die Kunden stets 28 Tage vor Ablauf der kostenpflichtigen Mitgliedschaft auf die automatische Vertragsverlängerung hin.

Kräftige Abzocke mit Persönlichkeitsanalyse

Onlinebörsen wie Elitepartner verpflichten ihre Mitglieder vertraglich dazu pro Mitgliedspaket, etwa von zwölf Monaten, eine Persönlichkeitsanalyse zu erstellen. Elitepartner dazu in seinem AGB unter Punkt g. Persönlichkeitsprofil: "Wir erstellen Ihr Persönlichkeitsprofil zu Beginn jeder Verlängerung". Bei Elite heißt es weiter: „Ein Erwerb der Mitgliedschaft für den jeweiligen Verlängerungszeitraum ohne gleichzeitigen Erwerb der Persönlichkeitsanalyse ist nicht möglich.“ Solche Persönlichkeitsanalysen sind nicht ganz billig und kosten, je nach Anbieter, im Schnitt zwischen rund 100 und 120 Euro. Grundsätzlich ist diese Klausel zwar nicht gesetzeswidrig, nur besteht de facto nicht die Möglichkeit diesen Passus zu streichen. Problematisch ist auch, dass man in Österreich diese Leistung nicht widerrufen kann.

In Deutschland hat zu diesem Problem ein Hamburger Gericht bereits ein Urteil gefällt: „Wenn Kunden von Elitepartner mit Premium- oder VIP-Mitgliedschaft den Kauf der Persönlichkeitsanalyse später widerrufen, ist diese Entscheidung zu akzeptieren.“ Doch dieses Urteil ändert für österreichische Konsumenten nichts. In Österreich müsste der Fall neuerlich vor Gericht, denn „Urteile, die im Ausland gesprochen wurden, sind in Österreich nicht rechtswirksam“, erläutert VKI-Juristin Ecker.

Bei Parship ist die Persönlichkeitsanalyse zwingend. Nicht so in Deutschland

Auch Konkurrent Parship verfährt ähnlich wie Elitpartner. Dort kostet das „umfassende Persönlichkeitsgutachten“ 120 Euro. Bei Parship Deutschland können die Mitglieder den Erwerb des Gutachtens bereits widerrufen. So hat sich Parship 2010 auf Drängen der Verbraucherzentrale Hamburg ohne Gerichtsurteil dazu verpflichtet, den Widerruf des Gutachtens als Teil der Premium-Mitgliedschaft nicht mehr auszuschließen. Wer das widerrufbare Pdf-Gutachten nicht will oder nicht bereit ist, dafür 120 Euro zu bezahlen, wird den Gebührenklotz durch Widerruf innerhalb der 14-Tage-Frist wieder los. In Österreich findet sich im AGB des Portals dagegen keine Silbe davon. Hierzulande müssen die Kunden die teure Analyse zahlen, ob sie wollen oder nicht.

Vorsicht bei Rücktrittsrecht

Genau hinsehen sollten Partnersuche auch was das Rücktrittsrecht betrifft. So steht bei Parship: „Der Kunde hat kein Rücktrittsrecht innerhalb von sieben Werktagen bei Verträgen über Waren, die nach Kundenspezifikationen angefertigt werden, die eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das bedeutet zum einen, dass man Persönlichkeitsgutachten, die man selbst in Auftrag gegeben hat, nicht mehr widerrufen. Der Passus bedeutet aber auch: Sobald man einmal auf eine Kontaktanfrage antwortet oder selbst eine verschickt hat, gibt es, auch innerhalb der gesetzlichen Frist, kein Rücktrittsrecht mehr. Martin Dobner, Parship-Direktor für das internationale Geschäft: "Damit wollen wir uns nur vor Missbrauch schützen, denn sonst besteht die Gefahr, dass viele nur unser Service in Anspruch nehmen und mit dem vorgeschlagenen Partner ihrer Wahl in Kontakt treten und dann den Vertrag stornieren."

All diesen Seiten ist jedoch gemein, dass man erst wenn man sich angemeldet hat und ein detailliertes Persönlichkeitsprofil ausgefüllt hat, die tatsächliche Aufschlüsselung der Kosten der Partnervermittlung, wie etwa das für das Persönlichkeitsgutachten, erfährt. Doch zumindest beim einem Vertrag mit einem Kupplerportal sollte man im Vorhinein wissen, auf was man sich einlässt.

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