Kleinkrieg im Wald: Forstwirtschaft gegen Mountainbiker

Kleinkrieg im Wald: Forstwirtschaft gegen Mountainbiker
Kleinkrieg im Wald: Forstwirtschaft gegen Mountainbiker

Mountainbiker dürfen in Österreich nur auf freigegebenen und extra ausgewiesenen Strecken fahren. Wald- und Forstwege sind meist tabu.

2,2 Millionen Österreicher besitzen ein Mountainbike. Doch sich auf den Sattel zu schwingen, heißt für die Biker oft auch: In der Illegalität radeln. Denn in Österreich ist das Befahren von Wald- und Forstwegen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis gestattet. Der Kleinkrieg zwischen Forstwirtschaft und Radfahrinitiativen geht mit zwei Studien in die nächste Runde.

"Jedermann darf den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten", heißt es im heimischen Forstgesetz von 1975. Das heißt Österreichs der Wälder sind für alle da - sofern man sich auf Schusters Rappen bewegt.

Ganz anders ist dagegen die Situation, wenn es darum geht, auf Forststraßen, die durch Wälder oder auch auf Berge hinauf führen, zu fahren. Das Befahren von Wald- und Forstwegen nach geltendem Recht nämlich nur mit Erlaubnis des Waldeigentümers bzw. Forststraßenerhalters gestattet. Im Forstgesetz §33 Abs.3 heißt es dazu:


Eine Benutzung, wie Lagern bei Dunkelheit, Zelten, Befahren oder Reiten, ist nur mit Zustimmung des Waldeigentümers, hinsichtlich der Forststraßen mit Zustimmung jener Person, der die Erhaltung der Forststraße obliegt, zulässig.

An dieses 40 Jahre alte Gesetz müssen sich auch Mountainbiker halten. Anders als Förster, Jäger oder Holzarbeiter, die oft mit schweren SUVs, Traktoren oder LKWs auf Forststraßen fahren, dürfen sie mit ihren Rädern nur die Straßen benützen, bei denen das ausdrücklich erlaubt ist. Österreichweit sollen das aktuell rund 27.000 Kilometer sein. Der Großteil des 120.000 Kilometer weiten Forststraßen-Netzes ist damit für Mountainbiker tabu.

Im Gesetzestext heißt es dazu:
"Wird eine für das allgemeine Befahren erkennbar gesperrte Forststraße unzulässiger Weise (mit dem Rad) befahren, ist mit € 730,- oder mit Arrest bis zu einer Woche zu bestrafen. Anderenfalls ist das unbefugte Radfahren im Wald mit bis zu € 150,- zu bestrafen."
Es kann für die Radfahrer aber auch noch viel teurer werden: Im Falle einer Besitzstörungsklage können Forderungen bis zu einer Höhe von 15.000 Euro entstehen.

Auf halblegalen Pfaden

Im Gegensatz zu Deutschland, Italien oder der Schweiz, wo das Radeln auf Forststraßen generell gestattet ist, wird damit die Ausübung eines Breitensports juristisch dramatisch eingeschränkt: Rund 75 Prozent oder 6,4 Millionen Österreicher besitzen ein Fahrrad. 2,2 Millionen besitzen ein Mountainbike und 840.000 Biker fahren regelmäßig auf Forststraßen und Waldwegen. Mangels schlechter Beschilderung und Kennzeichnung oft auch ohne es zu wissen auf nicht erlaubten Pfaden.

Dabei ist Mountainbiken in Österreich auch ein wichtiger Faktor im Sommertourismus. Für Regionen wie Ischgl, das Ötztal oder das Salzkammergut etwa sind die Biker in der warmen Jahreszeit das, was im Winter die Skifahrer sind. Auch der Radfachhandel hierzulande boomt und Radfahren ist ein veritabler Wirtschaftsfaktor.

Weiter eingeschränkt werden Mountainbiker auch auf den Pfaden, die sie eigentlich befahren dürfen. So dürfen etwa im Raum Wienerwald etliche Strecken nur im Zeitraum zwischen 15. April und 31. Oktober benutzt werden - und auch das nur zwei Stunden nach Sonnenaufgang bis eine Stunde vor Sonnenuntergang.

Neuer Anlauf zur Gesetzesnovelle

Nach mehreren abgeschmetterten Versuchen gibt es nun wieder Initiativen, um das veraltete Gesetz entsprechend dem geänderten Freizeitverhalten der Österreicher zu ändern. im September 2014 haben etwa die Naturfreunde Burgenland eine Initiative gestartet, um für das Mountainbiken in Österreich eine legale Basis zu schaffen. Im Burgenland gibt es derzeit zwar rund 2500 Kilometer Radweg, aber nur etwa 350 Kilometer Mountainbike-Strecken. In Niederösterreich thematisierten im Herbst 2014 Grüne und SPÖ im Landtag die Öffnung der Wald- und Forstwege für Mountainbiker.

Auch die Naturfreunde setzen sich mit der Initiative "Freie Fahrt für Biker" für eine Freigabe der Forststraßen für Radfahrer ein. Sie fordern eine Öffnung aller Forstwege. Bis Herbst diesen Jahres läuft dazu eine Online-Unterschriftenaktion. "Die Naturfreunde haben einen Vorschlag für neue gesetzliche Regelungen ausgearbeitet, die in ganz Österreich gelten sollen", erklärte Andreas Schieder, Klubobmann der SPÖ im Nationalrat und Vorsitzender der Naturfreunde. Sowohl Naturfreunde als auch die Radfahrerinitiative upmove wünschen sich eine Modernisierung des §33 des Forstgesetzes.

Unterstützung kommt von SPÖ-Tourismussprecher Max Unterrainer. Er spricht sich für eine Freigabe des Waldes aus. Die aktuelle Regelung sei "ein echter Hemmschuh für den Tourismus".

80 Prozent der Wanderer fühlen sich von Mountainbikern nicht gestört

Dietmar Gruber, Geschäftsführer der Radfahrerinitiative upmove, fordert: "Es braucht dringend eine Ausweitung des bestehenden Betretungsrechts des Waldes", forderte Gruber. Der Zusatz "Befahren auf eigenes Risiko" solle das Haftungsrisiko begrenzen. Vertragliche Lösungen würden oft an den hohen Geldforderungen von Grundbesitzern scheitern. 83 Prozent des österreichischen Waldes sind im Eigentum von privaten Waldbesitzern, der Rest gehört den Bundes- und Landesforsten.

Neben den Mountainbikern sind es vor allem Wanderer, die in den Wäldern Erholung suchen und sich dort sportlich betätigen wollen. Konflikte zwischen Radfahrern und Wanderern gibt es kaum. Die Praxis in Deutschland und Italien zeigt, dass Radfahrer, Wanderer, Jäger und das Wild friedlich nebeneinander existieren können. Eine aktuelle Studie von meinungsraum.at, für die je 500 Radfahrer und Wanderer befragt wurden , zeigt außerdem, dass 80 Prozent der Wanderer Radfahrer nicht als Störfaktor sehen. Wenig überraschend fordern 60 Prozent der Radfahrer eine Freigabe des Waldes. "Ihnen ist bewusst, dass sie sich aufgrund der aktuellen gesetzlichen Lage im illegalen Raum bewegen", sagt Gruber.

Forstwirtschaft gegen Biker

Vertreter von Land- und Forstwirtschaft und des Österreichischen Forstvereins wollen dagegen die derzeitigen Regelungen beibehalten. Eine Änderung würde zu einem zusätzlichen "Schilderwald" und zu mehr Unsicherheit führen. Radfahrer würden außerdem das Wild und andere Waldbesucher stören. Untermauert werden die Argumente mit einer beim Meinungsforschungsinstitut GfK in Auftrag gegebenen Studie. Demzufolge befürworten 63 Prozent der Befragten (1.000 Personen zwischen 16 und 75 Jahren), dass Mountainbiker nur auf dafür gekennzeichneten Wegen fahren dürfen. 68 Prozent der Befragten sollen außerdem der Meinung sein, dass Mountainbiker, die nicht auf den dafür vorgesehenen Wegen fahren, andere Waldbesucher und das Wild stören, 23 Prozent stimmten dem "etwas" zu.

Zum anderen legen sich die Forststraßenerhalter quer, da sie im Falle eines Unfalls wegen Verletzung ihrer Wege-Erhaltungspflicht geklagt werden könnten. Laut Forstgesetz können sie nämlich für alle Schäden haftbar gemacht werden, die aus einem vorsätzlich oder grob fahrlässig verursachten, mangelhaften Zustand der Straße oder des danebenliegenden Waldes resultieren.

Franz Titschenbacher, Vorsitzender des Ausschusses für Forst- und Holzwirtschaft der Landwirtschaftskammer Wien, verweist auch auf Gefahren für naturgeschützte Gebiete, die durch Mountainbiker entstehen könnten. "Große Flächen davon sind Wald und die Besitzer sind mit strengen Auflagen konfrontiert. Beispielsweise ist dort die Bewirtschaftung in der Brutzeit geschützter Vögel untersagt. Mountainbiker können aber nicht wissen, wo im Wald Brutgebiete oder Ruhezonen für Wildtiere eingerichtet sind", meint er.

Ein Argument, das allerdings an den aktuellen Initiativen vorbei geht. Niemand hat gefordert, dass Radfahrer auf schmalen Trampelpfaden quer durch Naturschutz-Zonen fahren dürfen sollten. Lediglich auf Forststraßen mit über einem, oft auch mehr als zwei Metern Breite - Straßen, die sogar von schweren LKWs befahren werden können - wären Radfahrer gerne unterwegs, ohne hohe Geldstrafen befürchten zu müssen.

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