Studium: Spanien ist beliebtes Ziel für Auslandssemester

Weibliche, jüngere und sozial bessergestellte Studenten absolvieren mehr studienbezogene Auslandsaufenthalte als ihre männlichen, älteren und ärmeren Kommilitonen.

Studium: Spanien ist beliebtes Ziel für Auslandssemester

Das zeigt der am Donnerstag präsentierte Zusatzbericht der Studierenden-Sozialerhebung zur "Internationalen Mobilität". Insgesamt hat ein Fünftel der Studenten in Österreich bereits ein Auslandssemester (neun Prozent) oder -praktikum (14 Prozent) absolviert (drei Prozent beides, Anm.). Häufigstes Zielland für Auslandssemester ist Spanien, für Praktika Deutschland. Mit Abstand wichtigstes Mobilitätsprogramm ist Erasmus, das fast zwei Drittel der Auslandsstudenten abdeckt.

Bei den 2011 erhobenen Daten müsse man berücksichtigen, dass diese sowohl Studenten im ersten Semester als auch solche kurz vor dem Abschluss enthalten, so Studienautor Martin Unger (Institut für Höhere Studien, IHS) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Zähle man jene 15 Prozent dazu, die noch einen Auslandsaufenthalt planen, komme man auf ein Mobilitätspotenzial von 35 Prozent. Das entspreche auch in etwa der Mobilitätsquote von Graduierten. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) verwies darauf, dass Österreich das Bologna-Ziel einer Mobilitätsquote von 20 Prozent bis 2020 bereits jetzt locker erfülle. Die Fördermaßnahmen dafür umfassen etwa den Weiterbezug der Studienbeihilfe im Ausland, Reisekostenzuschüsse und Mobilitätsstipendien.

Studentinnen wollen eher ins Ausland

Nach Geschlechtern betrachtet absolvieren Studentinnen etwas öfter Auslandsaufenthalte (Auslandssemester: zehn Prozent; Praktikum 15 Prozent) als Studenten (acht bzw. 13 Prozent). Einen Zusammenhang gibt es außerdem zwischen sozialer Herkunft und Mobilität: Studenten aus niedriger sozialer Schicht gehen am seltensten ins Ausland (Auslandssemester: sieben Prozent, Praktika: sieben Prozent), die Bereitschaft zur Mobilität wächst dann in der mittleren und gehobeneren Schicht und liegt bei der höchsten sozialen Schicht bei zwölf (Auslandsaufenthalt) bzw. 15 Prozent (Auslandspraktikum).

Geschlecht und soziale Herkunft beeinflussen offenbar auch die Wahl des Gastlandes. Auslandssemester werden von Frauen deutlich häufiger in südeuropäischen Ländern und Frankreich absolviert als von Männern, während Männer häufiger nordeuropäische Länder und außereuropäische Ziele wie die USA und Asien bevorzugen. Betrachtet man Auslandspraktika, differieren die gewählten Regionen hingegen kaum nach Geschlecht. Studierende aus niedriger Schicht wiederum absolvieren etwas häufiger Auslandssemester in englischsprachigen Ländern als Studierende aus hoher Schicht, letztere wiederum gehen häufiger in Staaten außerhalb Europas.

FH-Studierende sind mobiler

Am mobilsten sind die Studenten an Vollzeit-Fachhochschul(FH)-Studiengängen: Zwölf Prozent von ihnen haben bereits ein Auslandssemester absolviert, 17 Prozent ein Auslandspraktikum. Knapp dahinter folgen Studenten an den wissenschaftlichen Unis (Auslandssemester: neun Prozent, Auslandspraktikum: 15 Prozent) und den Kunstunis (zehn bzw. elf Prozent). Weniger mobil sind die Studenten an berufsbegleitenden FH-Studiengängen (neun bzw. sieben Prozent), am reisefaulsten die angehenden Lehrer an den Pädagogischen Hochschulen (PH; sechs bzw. fünf Prozent). Am beliebtesten sind Auslandssemester übrigens bei Studenten der Theologie, Geistes- und Sozialwissenschaften, Auslandspraktika absolvieren vor allem Medizin-, Veterinärmedizin-und Technikstudenten. Kaum ins Ausland gehen dagegen Jus-Studenten.

Die Kosten für ein Auslandssemester liegen zwischen 6.600 Euro (Deutschland) und 10.400 Euro (Australien). Als häufigste Mobilitätshindernisse nannten Absolventen eines Auslandssemesters den Zeitverlust für das Studium in Österreich, die Finanzierung (je 37 Prozent), das Finden einer leistbaren Wohnung im Gastland (32 Prozent) und die Anrechnung der erbrachten Studienleistung (26 Prozent).

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