Studie: Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs sind Beziehungskiller

Studie: Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs sind Beziehungskiller

Job killt Liebe: Paare mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen sind besonders betroffen.

Paare, bei denen zumindest ein Partner Teilzeit arbeitet oder ​in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis steckt, haben nicht nur weniger Geld zur Verfügung. Auch das Trennungsrisiko ist deutlich höher.

Wer atypisch beschäftigt ist, muss mit zahlreichen Nachteilen leben. Leiharbeiter, Teilzeitarbeiter oder solche mit befristeten oder Minijobs verdienen meist nicht nur weniger. Das Arbeiten jenseits der „Norm“ wirkt sich auch auf das Privatleben aus, hat das deutsche Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie herausgefunden:

Atypische Beschäftigungen belasten Partnerschaften: Nicht verheiratete Paare trennen sich deutlich häufiger, wenn ein Partner in Leiharbeit beschäftigt ist oder wenn beide Partner atypische Jobs (Leiharbeit oder andere) haben. Bei Verheirateten ist dieser Effekt nicht zu beobachten. „Hier scheint der höhere Institutionalisierungsgrad von Ehen für einen stärkeren Zusammenhalt bei beruflichen Belastungen zu sorgen“, schreiben die Wissenschaftler.

Kern der Untersuchung war, den Einfluss atypischer Beschäftigungsverhältnisse auf Partnerschaft und Familie, soziale Netzwerke oder die gesellschaftliche Teilnahme zu bestimmen. Die Zahl dieser Beschäftigungsverhältnisse ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Den Angaben des deutschen Statistischen Bundesamtes waren 2012 deutschlandweit knapp acht Millionen Menschen atypisch beschäftigt, die Datenbank des deutschen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes „Atypische Beschäftigung“ geht sogar von mehr als 13 Millionen aus.

In Österreich waren laut Statistik Austria im Jahr 2011 bereits 31 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen atypisch beschäftigt. Per Definition hatten diese Arbeitnehmer keine unbefristeten Vollzeitbeschäftigungen als Teil der Stammbelegschaft von Unternehmen mehr. Sie arbeiteten in Teilzeit oder geringfügig - also weniger als zwölf Stunden pro Woche, befristet als Leiharbeiter oder als freie Dienstnehmer.

Kind statt Karriere

Während befristete Stellen und Leiharbeit ganz überwiegend unfreiwillig und mangels alternativer Angebote angenommen werden, ist die Lage bei Teilzeit- oder Minijobs etwas anders. Vor allem Frauen entscheiden sich oft bewusst dafür, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Die Wissenschaftler des FFP sehen hinter den freiwilligen Entscheidungen allerdings oft strukturelle Zwänge, wie fehlende Kinderbetreuungsplätze oder das mangelnde Familienbewusstsein in der Arbeitswelt. Entsprechend mehr Frauen in Teilzeitbeschäftigungen gibt es auch. Die aktuellen Zahlen aus Österreich dazu: Der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung vom ersten Quartal 2015 zufolge hatten 925.700 Frauen und 241.200 Männer Teilzeitbeschäftigungen. Die Teilzeitquote bei Frauen liegt demnach bei 48 Prozent, bei Männern bei elf Prozent.

Beschäftigte in Teilzeit oder Minijobs investieren dafür im Schnitt zwischen sieben und elf Stunden pro Werktag in die Kindererziehung, wenn das jüngste Kind unter drei Jahre alt ist. Eine Arbeit, die vor allem Frauen leisten. Am wenigsten Zeit für die Kinderbetreuung – durchschnittlich 2,7 Stunden pro Werktag – bringen dagegen Beschäftigte in Normalarbeitsverhältnissen auf, unter denen der Männeranteil besonders hoch ist.

Die traditionelle Rollenverteilung dominiert auch die Partnerschaften: Männer mit einem Full-Time-Job haben meistens eine Partnerin im Hintergrund, die ihnen den Rücken für das berufliche Engagement freihält. Frauen mit regulären Jobs sind dagegen mehrheitlich ledig, haben die Studienautoren festgestellt. Nur 38 Prozent sind verheiratet, bei den normalbeschäftigten Männern liegt der Anteil bei 59 Prozent.

Frauen, die ihre Arbeitszeit zugunsten der Familie reduzieren, sind - wie die Studie wenig überraschend zeigt - abhängiger vom Partner und damit im Falle einer Trennung schlechter abgesichert. Außerdem zeigen die Untersuchungen, dass atypisch beschäftigte Frauen in erhöhtem Maße finanzielle Unterstützung von Familienmitgliedern außerhalb des Haushalts erhalten.

Aufklärung über Risiken

Das FFP fordert, den gesellschaftlichen Konsequenzen atypischer Beschäftigungsverhältnisse mehr Bedeutung zu schenken. Die höhere Trennungsrate im Zusammenhang mit Leiharbeit schwäche die soziale Integration von Beschäftigten. Neben den individuellen Problemen verursache dies sowohl volkswirtschaftlich als auch sozialpolitisch Folgekosten, die gerade in einer „alternden Gesellschaft“ nicht unterschätzt werden dürften. Nicht zuletzt werde dadurch auch das Risiko von Altersarmut erhöht.

Beschäftigte sollten besser über die ökonomischen Risiken bestimmter Jobs aufgeklärt werden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch im Normalarbeitsverhältnis, beispielsweise durch den weiteren Ausbau von qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsmöglichkeiten müsse zudem weiter gefördert werden.

Service: Die Studie FFP zum Download

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