Studie: Ein müder Mann, die kurze Nummer. Das wollen Frauen nicht mehr akzeptieren

Studie: Ein müder Mann, die kurze Nummer. Das wollen Frauen nicht mehr akzeptieren

Junge Manager machen es sich selbst nicht leicht. Männer wie Frauen. Sie alle wollen Karriere machen, viel Geld verdienen und richtig guten Sex haben. Und das in einer stabilen und erfüllenden Partnerschaft. Mit Kindern. Was für schöne Träume! Die Wirklichkeit ist anders.

Die Ansprüche sind, alle zusammen, nur schwer zu erfüllen. Junge Männer geben sich gerne partnerschaftlich. Doch die meisten pushen ihre Ambitionen auf Kosten der Frauen. Sie enttäuschen ihre Partnerinnen nachhaltig – und zahlen schließlich selbst drauf.

Frauen und Männer mit großen Ambitionen entgleitet Lebensfreude, weil sie es nicht schaffen, ihre Wünsche angemessen abzuwägen und mit ihren Ambivalenzen fertig zu werden. Beide wünschen sich Aufstieg und Erfolg und erwarten das auch vom anderen. Sie setzen sich selbst und sich gegenseitig unter Druck und kommen so ins Schleudern.

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Wir erleben gerade einen gewaltigen Wertewandel. Das dokumentiert eine Studie des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung. Seit Jahren befragen die Forscher Männer und Frauen, um festzustellen, wie sich Einstellungen ändern. Die heute 25- bis 35-jährigen, so ihr Resümee, denken und empfinden heute vielfach anders als noch vor fünf Jahren.

Extreme Anspruchshaltung

Fast jeder junge Mann, exakt 97 Prozent, verlangt heute, dass seine Partnerin „viel Geld verdient“. Vor fünf Jahren taten das „erst“ 83 Prozent. Frauen, so der Männer-Anspruch, sollen Karriere und Kohle machen – ihnen aber bei ihren eigenen Ambitionen nicht in die Quere kommen. Männer fahren rigoroser ihre Ellenbogen aus und beanspruchen selbst mehr Führungspositionen denn je.

Aufstrebende Frauen treten ihnen in der Arbeitswelt zunehmend als Konkurrenz entgegen. Mit besserer Ausbildung und stärkerem Selbstbewusstsein – zusätzlich ermuntert durch schillernde Vorbilder wie Marissa Mayer, CEO von Yahoo, oder Sheryl Sandberg, COO von Facebook. Die Amerikanerinnen erscheinen global als Trendsetter. Sie zeigen, dass die gläserne Decke, an der Frauen bisher so leicht hängen bleiben, mit starkem Willen und Zielstrebigkeit zu durchbrechen ist.

Unerreichbare Idealbilder

Doch die reißerischen Illustrierten-Storys über schöne und kluge Frauen im Top-Management spiegeln die Realität nicht angemessen wider. Es sind wahre Geschichten, aber sie erzählen tatsächlich von Ausnahmen. Mit nüchternem Blick erkennen die meisten Frauen das. 53 Prozent urteilen: „Wer Kinder hat, kann keine wirkliche Karriere machen“. Das liegt an – teils vehementer, teils subtiler – männlicher Gegenwehr, an Ressentiments und Vorurteilen in Unternehmen. Aber es liegt zu einem hohen Maße auch daran, dass die eigenen Partner ihre Frauen im Stich lassen.

Karriere macht nur, wer sich voll in den Job wirft. Beruflicher Aufstieg muss als das große Ziel gelten, dem alles andere nachgeordnet wird. Männer setzen eine solche Priorität lässiger. Von ihren Frauen fordern sie gleichfalls, dass sie im Job stetig vorankommen, aber obendrein sollen sie den Wunsch nach Kindern erfüllen und den kompletten Haushalt schmeißen. So brutal und offen sagt das zwar kaum ein Mann. Aber Haltung und das Verhalten der allermeisten, zwingt zu diesem Schluss.

Kinder zu haben ist für Männer und Frauen nahezu gleich wichtig. Männer sagen zwar, dass sie sich an Hausarbeiten beteiligen. Aber in aller Regel liefern sie nur symbolische Gesten, nicht tatkräftige Unterstützung. Weniger als zehn Prozent der Männer sind bereit, ein Jahr Elternzeit zu nehmen. Knapp 20 Prozent können sich vorstellen, allenfalls zwei Monate den Beruf hintanzustellen. Für über 30 Prozent kommt aber ein Kinder- Ausstieg überhaupt nicht infrage. Frauen dagegen sind oft bereit, für Kinder mehrere Jahre zu investieren, den Job zurückzustellen oder zumindest auf Teilzeit zu gehen.

Bilder mögen uns täuschen. Wir sehen immer mehr moderne Männer, überall, sogar in Japan. Sie schieben Kinderwagen, tragen kleine Kinder auf dem Arm oder treiben sich auf Spielplätzen rum. Doch zuhause sieht es so aus: 58 Prozent der Frauen geben an, dass sie die Arbeit des Wäschewaschens „immer“ alleine erledigen, 36 Prozent tun das „meistens“. Beim Putzen und Kochen ist es nicht viel anders. Frauen gehen zudem häufiger einkaufen und kümmern sich mehr um die Kinder. Die meisten Männer machen weniger Familien-Arbeit, sobald sie kleine Kinder haben. Und noch weniger, wenn die Kinder in die Schule kommen. Die Unterschiede zwischen gut und weniger gut gebildeten Männern sind dabei gering. Und nebenbei bemerkt: Frühere Männer-Generationen waren noch Ich-bezogener als die jüngeren.

Programmierte Enttäuschung

Viele Männer enttäuschen ihre Frauen. Mit wenig Willen, ihr Verhalten zu korrigieren. Sie wollen ihre Pflichten und Verantwortungen nicht wahrhaben und schenken ihren Frauen nicht die Aufmerksamkeit, die sie sich als Partnerin wünschen. In Coachings bringen Frauen das immer häufiger zur Sprache.

Junge Frauen sind selbstbewusster geworden und halten entschiedener an eigenen Ambitionen und Wünschen fest. So klagen sie darüber, dass Männer zu viel Zeit in ihrem Job verbringen, zuhause von den beruflichen Themen nicht loskommen, meinen, ständig erreichbar sein zu müssen, andauernd am Smartphone hängen, ihren Frauen nicht ausreichend zuhören, sich nicht richtig für sie interessieren, keine Intimität mehr aufbauen, keine Spannung. Viele Männer verwalten die Beziehung, sodass sie hilft, den Alltag zu bewältigen. Auf der Strecke bleibt Beziehungsleben, verloren geht leidenschaftliche Liebe. Dafür gibt es keine Energie mehr. Auch der Sex, so eine oft zu hörende Klage, wird immer fader.

Häufig konstruieren Männer solche Partnerschaftsverhältnisse, die in Dienstleister-Jobs sind, zum Beispiel Anwälte und Unternehmensberater: Die verlangen von sich, alles für ihre Klienten und ihre Firma zu geben. Für Frau und Kinder bleibt kaum noch Zeit. Energie, Aufmerksamkeit. Wünsche der Partnerin werden nicht mehr wahrgenommen oder nicht in ihrer Bedeutung erfasst. Sie werden immer weniger erfüllt. Beziehung kann so nur verkümmern.

Junge Frauen fordern mehr

Erfolg im Beruf ist für jüngere Frauen wichtiger geworden. Auch Bildung und Einkommen. Sie wünschen sich einen reüssierenden Partner. Aber sie wollen auch eine lebendige Beziehung –Anteilnahme, Auseinandersetzung, Aufregung, Nicht nur Reden und Romantik, sondern ebenso Leidenschaft und „richtig guten Sex“. Das wünschen sich heute 87 Prozent, vor fünf Jahren waren es erst 51 Prozent. Hastiges Gehampel und Geschraube, träges Geschiebe, ein müder Mann, die kurze Nummer – das zählt für sie nicht dazu.

Männer wollen nach wie vor schöne Frauen – solche, die auch für andere begehrenswert sind. Das mag Eifersucht wecken, aber wichtiger ist Bestätigung für das eigene Ego. Eine Frau an seiner Seite zu wissen, die viele andere Männer attraktiv finden, nährt das Ich. Männer handeln und behandeln Frauen – wie eh und je – als Trophäen.

„Eine intelligente Frau ist für einen Mann heute attraktiver als früher“, erklärt Professorin Jutta Allmendinger. Der Grund, so die Forscherin, die selbst in Harvard promovierte und in Berlin habilitierte: „Gut ausgebildete Frauen können eher im Beruf aufsteigen und viel Geld verdienen.“ Männer, meint sie, schätzten bei Frauen Klugheit mittlerweile mehr als Schönheit. Sie spitzt zu: „Schlau ist das neue Sexy“.

Männern gibt eine Frau, die viel im Kopf hat, das im Beruf unter Beweis stellt und ein hohes Gehalt kassiert, einen kräftigen Ego-Push. So ist für statusbewusste Manager eine erfolgreiche Anwältin, Ärztin oder Unternehmensberaterin besonders begehrenswert. Gerne suchen Karrieremacher auch Partnerinnen aus der gleichen Berufssparte. Das halten sie für praktisch. Denn zuhause reden sie ohnehin am liebsten über ihre Arbeit und erwarten dafür Verständnis und Unterstützung.

Partnerschaft in Gefahr

Das erhoffen sich auch die Frauen von ihren Männern. Doch sie wollen echte Partnerschaft in allen Lebensbereichen. Männer sind sich meist selbst näher und nehmen sich entsprechend wichtiger. Generationenwechsel, das mag überraschen, bringen keine wesentliche Änderung. Auch junge männliche Manager sind meist schlicht gestrickt: Erst kommen sie und ihr berufliches Streben. Denn im Job finden sie die meiste gesellschaftliche Anerkennung, den größten Statuszuwachs und den heftigsten Machtgewinn. Und danach lechzt ihre Männer-Seele besonders.

„Führung heißt Macht. Und die geben Männer ungern ab“, so Professorin Allmendinger. Männer, mahnt sie, müssten in Teilzeit gehen, Familienarbeit übernehmen, auch bereit sein, weniger als ihre Partnerinnen zu verdienen. Dafür freilich gibt es keine Anzeichen. Männer wollen nicht sehen, wie sie auf Kosten ihrer Partnerinnen vorankommen und ihre Frauen vernachlässigen. Irgendwann kriegen sie die Rechnung jedoch serviert. Die meisten Frauen wollen nämlich nicht unendlich auf ihre Bedürfnisse verzichten. Mit zunehmender Ungeduld konfrontieren sie ihre Männer mit ihren Wünschen.

Wenn die sich nicht ändern, ziehen sich die Frauen (innerlich) zurück. Immer öfter machen sie dann einfach ihr Ding. Sie verfolgen ihre eigenen Prioritäten. Sie hängen ihre Partner ab. Spaß und guten Sex finden sie heimlich, ganz einfach auf www.secret.at oder auf eine andere diskrete Art und Weise.

- FORMAT-Autor Michael Schmitz ist Professor für Psychologie und Management an der Lauder Business School sowie Gesellschafter des Beratungsunternehmens „wikopreventk“. Als Management-Coach arbeitet er seit Jahren international mit Führungskräften. Schmitz studierte Psychologie sowie Management an der Graduate School of Business in Chicago und der Harvard Business-School. Zuvor war der Autor mehrerer Sachbuch-Bestseller als ZDF-Chefreporter und Studioleiter in Ost-Berlin, Washington und Wien tätig.

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