Studenten: Weniger Geld, höhere Kosten

Studenten: Weniger Geld, höhere Kosten

Die Kosten für die Unterkunft stiegen seit 2009 um neun Prozent, jene für Ernährung um fünf Prozent. Das durchschnittliche Monatseinkommen ist hingegen real um zwei Prozent gefallen.

Das Studentenleben ist in den vergangenen Jahren härter geworden. Laut der am Freitag präsentierten "Studierenden-Sozialerhebung 2011" hat zwischen 2006 und 2011 der Anteil der während des Semesters erwerbstätigen Studenten von 58 auf 63 Prozent zugenommen, deren durchschnittlicher wöchentlicher Zeitaufwand für den Job stieg außerdem von 19,1 auf 19,8 Stunden. Seit der letzten Erhebung 2009 ist das dem Durchschnitts-Studenten zur Verfügung stehende Monats-Budget außerdem real um zwei Prozent gesunken, die Ausgaben jedoch um drei Prozent gestiegen. Überdurchschnittlich stark angewachsen sind die Kosten für Wohnen (plus neun Prozent) und für Ernährung (plus fünf Prozent).

2011 verfügte der Durchschnitts-Student über ein Budget von monatlich 1.004 Euro (Frauen: 970 Euro, Männer 1.050 Euro). Davon stammen 419 Euro aus Erwerbstätigkeit, 244 Euro von der Familie, 140 aus Naturalleistungen, 77 aus Studienförderung und 124 aus sonstigen Quellen (z.B. Waisenpension, Wohnbeihilfe, Unterhaltszahlungen, Kapitalerträge, Kinderbetreuungsgeld). Dabei gibt es deutliche Unterschiede: 30 Prozent haben maximal 700 Euro zur Verfügung, fünf Prozent mehr als 2.000 Euro. Dem stehen Ausgaben von im Schnitt 930 Euro gegenüber.

Weitere Ergebnisse der Erhebung: Der Anteil von Studenten aus niedrigen Schichten an Unis und Fachhochschulen (FH) sank zwischen 1998 und 2011 von 26 auf 18 Prozent. Gewinner sind mittlere und vor allem gehobene Schichten, der Anteil von Studenten aus hohen Schichten blieb praktisch konstant. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man nur die Studienanfänger betrachtet: Hier zeigt sich, dass sich in den vergangenen 15 Jahren die Überrepräsentation von "bildungsnahen" Schichten etwas vermindert hat.

Für die stellvertretende Vorsitzende der HochschülerInnenschaft (ÖH), Angelika Gruber (Verband Sozialistischer StudentInnen/VSStÖ), sind die Ergebnisse zum Teil "schockierend". So würden nur 15 Prozent der Studenten - und damit um rund vier Prozentpunkte weniger als 2006 - Studienbeihilfe beziehen. Es sei auch nur schwer vorstellbar, dass man mit der Höchststudienbeihilfe von 674 Euro pro Monat auskommen könne, geschweige denn mit den im Schnitt ausbezahlten 272 Euro. Sie fordert daher etwa ein Grundstipendium für alle Studenten und eine regelmäßige Inflationsanpassung der Beihilfen.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) will zwar für einen Ausbau der Studienförderung "das Mögliche tun" - dies sei allerdings abhängig vom Budget. Erneut bedauerte er, dass sein Vorschlag eines Ausbaus der Beihilfen im Gegenzug zur Einführung von Studiengebühren von der SPÖ abgelehnt worden sei. Deren Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl will nach wie vor "eine völlig neue Art der Studienbeihilfe" statt Studiengebühren. Mit kleinen Erhöhungen oder oberflächlichen Korrekturen sei es angesichts der geringen Zahl der Beihilfenbezieher nicht getan. Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald forderte in einer Aussendung ein Grundstipendium für alle Studenten.

Die Studierenden-Sozialerhebung ist eine seit den 1970er Jahren ca. alle zwei bis drei Jahre stattfindende Umfrage unter Studierenden in Österreich. Durchgeführt wird sie vom Institut für Höhere Studien (IHS). Die heurige Ausgabe beruht auf statistischen Daten und einer Online-Umfrage unter 44.000 Studenten.

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