Stelleninserate: Was Bewerber wirklich wollen

Stelleninserate: Was Bewerber wirklich wollen
Stelleninserate: Was Bewerber wirklich wollen

Jobinserate sagen oft viel mehr über einen Arbeitgeber aus als diese denken.

Es sind oft wenige Quadratzentimeter Bildschirm, die einen neuen Lebensabschnitt einläuten: DAS passende Stelleninserat schlechthin! Und ein solches ist viel mehr als eine reine Information über einen freien Job: Aus Unternehmenssicht ist es die erste Visitenkarte, die man bei potenziellen Kandidaten hinterlässt. Umgekehrt sagt ein Jobinserat Bewerbern viel mehr über einen Arbeitgeber als diese oft wahrhaben möchten.

Eine repräsentative Studie von karriere.at und Marketagent.com zeigt, dass Jobinserate gen oft viel mehr über einen Arbeitgeber aussagen als diese denken. Zugegeben, das Formulieren und Designen eines Stelleninserats ist eine schwierige Aufgabe. Originell sollte die Ausschreibung getextet sein – immerhin will man sich ja von den Konkurrenten am Bewerbermarkt abheben. Alle wesentlichen Auskünfte und gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen auch enthalten sein. Das Design sollte funktionell aber doch irgendwie peppig sein. Und über das ausschreibende Unternehmen sollte man auch etwas unterbringen. Ach ja: Wie war das noch mit mobile-fähigen Inseraten?

Dass Unternehmen um diese Mühen nicht herumkommen steht aber auch fest. Denn das Jobinserat als erster Touchpoint zwischen Arbeitgeber und der begehrten Fachkraft sollte unbedingt funktionieren, wie die 2015 präsentierte „360 Grad-Studie: Employer Branding“ darlegt: 75,2 Prozent - drei von vier österreichischen Erwerbstätigen (1.004 Studienteilnehmer zwischen 18 und 65 Jahren wurden befragt) - sagen nämlich, dass die Qualität von Stellenanzeigen hohen Einfluss auf die Meinung über ein Unternehmen als Arbeitgeber hat. Vereinfacht gesagt: Gefällt ein Inserat nicht oder werden die wesentlichsten Informationen darin nicht vermittelt, werden diese Mankos automatisch auf den dahinter stehenden Arbeitgeber projiziert.

Keine Chance den Plattitüden!

Was aber erwarten sich Arbeitnehmer von Jobinseraten? Die Top drei:

  • 27 Prozent wünschen sich genaue Tätigkeitsbeschreibungen zum ausgeschriebenen Job
  • 14 Prozent sagen, dass Gehaltsinformationen für sie entscheidend sind
  • 13 Prozent wollen „klare Angaben“

Um auf den letzten Punkt einzugehen: Der „engagierte Teamplayer mit Hands-On-Mentalität und Entrepreneurship“ ist bei Bewerbern wenig gefragt. Plattitüden und stereotype Formulierungen sollten also möglichst vermieden werden, da sie wenig aussagen und letztlich nur Platz vergeuden.

Fünf Schritte zum guten Inserat

Was sollten Unternehmen also berücksichtigen, wenn sie eine freie Position besetzen möchten? Fünf Schritte sind ratsam:

  • Die berühmten W’s: Wer sucht für welche Abteilung? Welche Qualifikaktionen/Fähigkeiten werden vorausgesetzt? Wo ist der Dienstort? Wann soll der Job angetreten werden? Wie hoch ist das Mindestgehalt laut Kollektivvertrag? …
  • Die Meinung des Teams: Die Jobbeschreibung entsteht im besten Fall in Teamarbeit. Denn Kollegen, die Tag für Tag mit der Materie befasst sind, wissen auch am besten, welche Qualifikationen nötig sind und welche Art von Mensch sich für die Aufgabe eignet.
  • Die Gliederung : Nicht alles, was man über den Arbeitgeber und die Stelle sagen kann, muss auch im Inserat stehen. In Online-Inseraten kann man problemlos Links zu weiterführenden Seiten setzen, auf denen man dann detaillierte Einblicke gewährt.
  • Die Mobile-Aufbereitung: Seit April 2015 ist die wichtigste Suchmaschine auf dem Mobile-Trip – das heißt, dass Webinhalte, die für Mobile Devices optimiert sind, im Ranking der Suchergebnisse bevorzugt werden.
  • Die Kontaktmöglichkeit: Wer die Bewerbung erhalten soll, muss klar hervorgehen. Idealerweise wird per Link oder Mailformular auf den- oder diejenige verwiesen. Soll die Bewerbung per Online-Formular erfolgen, sollte der ausschreibende Arbeitgeber auch daran denken, dieses „daumentauglich“ anzulegen.

Anders gesagt: Jobinserate sind heute nicht mehr nur Werbung für einen freien Job. Sie sind im Idealfall der Einstieg für den User in eine Arbeitgeber-Erlebniswelt, in der er alle relevanten Informationen zum Unternehmen erhält. Anhand dieser Infos kann der Kandidat dann entscheiden, ob der Job aber auch die Firma dahinter zu ihm passt. Bewerber erwarten heute, dass Arbeitgeber ihre Vorzüge zur Schau stellen.

Warum das alles wichtig ist? Weil 81 Prozent der Erwerbstätigen laut eingangs erwähnter Studie davon überzeugt sind, dass Art und Aufmachung einer Stellenanzeige einen Arbeitgeber stark von anderen hervorheben können. In etwa genauso viele (82 Prozent) vermissen teilweise relevante Informationen in Inseraten.

Stelleninserate sind auch mehr als eine reine Info-Quelle für potenzielle Kandidaten. Sie bilden deren erstes Urteil und sind somit Teil des Marken-Auftritts eines Arbeitgebers. Und einen solchen – ob nun positiv oder negativ besetzt, spannend oder langweilig, konservativ oder progressiv – hat jedes Unternehmen. Viele wissen es jedoch auch nicht. Ersichtlich wird dies aus dem Ranking der Gründe, die Interessierte von einer Bewerbung bei einem speziellen Arbeitgeber abhalten würden:

  • Das Unternehmen wirkt unseriös (65 Prozent)
  • Name des Unternehmens scheint in der Stellenanzeige nicht auf (42 Prozent)
  • Unternehmen wirkt unsympathisch (42 Prozent)
  • Kann mich mit dem ausschreibenden Unternehmen nicht identifizieren (34 Prozent)
  • Das angegebene Gehalt entspricht nicht meinen Vorstellungen (29 Prozent)

Fazit: Drei der fünf top-gereihten Faktoren lassen sich in die Kategorie „weiche Faktoren“ einordnen, also Argumente, die auf das Image eines Unternehmens abzielen. Employer Branding ist mehr denn je Gebot der Stunde.

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