Sommerferien: Für 88 Prozent der Arbeitnehmer ein Problem

Sommerferien: Für 88 Prozent der Arbeitnehmer ein Problem

Österreichs Schüler haben übers Jahr verteilt 17 Wochen lang Ferien, neun davon im Sommer. Vor allem die Eltern jüngerer Kinder werden durch die langen unterrichtsfreien Phasen vor große Probleme gestellt. Auch die Produktivität von Unternehmen leidet darunter.

Endlich Sommer, endlich Ferien - während die Schüler und die Lehrer jubeln, stellt sich dem Rest der berufstätigen Eltern alljährlich im Sommer die große Frage: Wohin mit den Kindern? Während der Nachwuchs neun Wochen lang unbeschwert Sommerferien genießen kann, haben die wenigsten Eltern mehr als drei Wochen Urlaub.

Im Sommer ist das Problem am größten, aber es gibt noch etliche weitere Ferien und unterrichtsfreie Tage, die den Druck auf die Eltern weiter verschärfen. Herbstferien, Weihnachtsferien, Semesterferien, Osterferien, Schulautonome Tage und traditionell zusätzliche unterrichtsfreie Tage. Der 2. November, der Dienstag nach Ostern oder der jeweilige Tag des Namenspatrons im Bundesland sind etwa unterrichtsfrei, aber nicht arbeitsfrei. In Summe addieren sich die Freien Tage an Österreichs Schulen zu 17 Wochen - Feiertage nicht mit eingerechnet - und dem stehen im Normalfall lediglich fünf Wochen Urlaub gegenüber.

Eine Umfrage des Jobportals karriere.at zeigt, dass die Kinderbetreuung während der Ferien für viele Familien nur mit großem Aufwand zu bewältigen ist. 495 Arbeitnehmer nahmen an dem Online-Voting zum Thema Kinderbetreuung im Sommer teil. Das Ergebnis ist mehr als eindeutig. Der Sommer stellt die Eltern unter den befragten Arbeitnehmern vor große Probleme.

Jeweils 44 Prozent gaben an, dass ohne Eltern im Sommer gar nichts ginge oder dass die Betreuung der Kinder im Sommer einen großen Planungsaufwand bedeutet. Nur zwölf Prozent gaben an, dass sie sich die Zeit gut einteilen können.

Für Arbeitgeber sind alle gleich

Auch Arbeitgeber wurden befragt, ob sie Eltern Vorrang bei den Urlaubsplanungen geben. 23 Prozent gaben an, dass jeder die gleichen Chancen bei der Urlaubsplanung habe. In 35 Prozent der Unternehmen geschieht die Urlaubsplanung selbständig in den Teams. Von Fall zu Fall entscheiden 21 Prozent der Arbeitgeber. Ebenso viele meinen, “Eltern muss man unterstützen”.

„Dass Kinderbetreuung im Sommer eine große logistische Herausforderung ist, davon können die meisten Eltern unter den Arbeitnehmern ein Lied singen“, kommentiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid das Umfrageergebnis. Positiv sei in dieser Hinsicht, dass viele Unternehmen die Urlaubsplanung den Mitarbeitern selbst überlassen: „Alles, was Mitarbeitern mit Betreuungspflichten zusätzliche Flexibilität gibt, kann diesen helfen – vorausgesetzt, die Urlaubsplanung läuft insgesamt gerecht. Verzichtet beispielsweise ein Arbeitnehmer zugunsten eines anderen auf seinen Wunschurlaub, sollte dieser ein anderes Mal bevorzugt werden, um die Stimmung im Team nicht negativ zu beeinflussen.“

Mehr Flexibilität als Schlüssel

Besonders schwierig wird es für Eltern jüngerer Kinder - sehr kritisch ist das Alter zwischen etwa drei und zwölf Jahren - wenn sie nicht auf die Unterstützung der Großeltern zählen können. Für sie ist der ideale Arbeitgeber einer, der für die Bedürfnisse der Mitarbeiter entsprechende flexible Arbeitszeitmodelle oder sogar Programme zur Kinderbetreuung anbietet.

Ein Best-Practice-Beispiel ist die Frequentis AG mit Sitz in Wien. Das Unternehmen bietet den Mitarbeitern ein eigenes Betreuungsprogramm an, dass sie als Eltern von drei- bis zwölfjährigen Kindern gegen einen Selbstbehalt von 95 Euro bis zu zwei Wochen lang in Anspruch nehmen können. Dafür werden Räume und der firmeneigene Garten adaptiert und umgebaut. Anne-Kathrin Lindner, HR Business Partnerin bei Frequentis: "Das Programm ist ein voller Erfolg. Manche Kinder sind schon zum dritten Mal in Folge angemeldet. Es ist wie eine Woche der offenen Tür."

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