So werden Sie CEO

So werden Sie CEO

Worauf kommt es an, wenn man zum CEO aufsteigen will? Experten untersuchen die Karrieren der Top-Manager und arbeiten die entscheidenden Erfolgsfaktoren heraus. Mit Jus, Wirtschaft und Technik-Studien hat man die besten Chancen, wie ein Screening der 20-Top-CEOs in Österreich, ergab. Die weiteren Faktoren im Detail. Mit Praxisbeispielen.

Ein Job, ein Kürzel, ein ganz besonderer Klang: CEO. Wer diese drei Buchstaben beziehungsweise deren Langform "Chief Executive Officer“ auf seine Visitenkarte schreiben darf, braucht karrieretechnisch keine Orientierungshilfe mehr, denn er weiß, wo er steht: oben. Ganz oben.

Die Position des CEO ist herausgehoben und singulär, daher auch umkämpft. Er, im deutschen Sprachraum bislang kaum je eine sie, steht für das gesamte Unternehmen, ist dessen Gesicht nach außen. Und: Es kann nur einen geben. Das galt zumindest bis vor kurzem fast unumstößlich. Heute haben von den jeweils 20 führenden börsenotierten Unternehmen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs, insgesamt also von 60 Top-Firmen, mit SAP und Deutsche Bank immerhin zwei eine Doppelspitze installiert.

Karriereverläufe von 20 Austro-CEOs untersucht

Zwei Headhunter mit viel Erfahrung bei der Besetzung von Führunspositionen, Andreas Landgrebe und Andreas Hruschka, Managing Partner Austria & CEE bei Boyden Global Executive Search, haben für FORMAT die Karriereverläufe der CEOs von 20 österreichischen Top-Unternehmen unter die Lupe genommen, um diese Erfolgsfaktoren zu identifizieren. Für einen internationalen Vergleich haben Boyden-Experten in Deutschland und der Schweiz zudem die beruflichen Werdegänge der CEOs der jeweils 20 wichtigsten Unternehmen ihrer Länder analysiert. FORMAT präsentiert die wichtigsten Erkenntnisse und die Kommentare der Karriereexperten:

Die CEO-Welt ist männlich. Frauen werden aber ihre Chancen bekommen.

Ein Blick auf die Liste der 20 Top-CEOs macht sofort klar: es handelt sich um einen reinen Herrenklub. Das ist kein österreichisches Spezifikum. Auch in Deutschland und der Schweiz steht keine einzige Frau an der Spitze eines Top-Unternehmens. "Nach oben wird die Luft für Frauen immer dünner. Frauen kommen zwar in die Vorstandsetage, wurden aber - bis jetzt - noch nicht CEO“, erklärt Andreas Landgrebe. In den USA ist das bereits anders. Insbesondere im Technologiebereich gibt es schon eine Reihe von Frauen in der klassischen CEO-Rolle: Virginia Rometty bei IBM, Marissa Mayer bei Yahoo, Meg Whitman bei HP. Hierzulande schafften es weibliche Manager wie Tatjana Oppitz (IBM) oder Monika Kircher (Infineon) zwar an die Spitze von Österreich-Töchtern internationaler Konzerne, jedoch noch nicht an die von börsenotierten Unternehmen.

Lebensgefährte wird auch gecheckt

Der Faktor Familie ist aus Sicht des Experten bei der Besetzung von Vorstandspositionen extrem wichtig: "Stabile Familienverhältnisse sind für eine Karriere wichtig. Der typische CEO hat Familie mit Kindern. Es ist auch gängige Praxis, in einer finalen Phase von Besetzungen den jeweiligen Lebensgefährten beispielsweise in Form eines gemeinsamen Abendessens einzubeziehen.“

Studienabschluss ist als erste Sprosse auf der Leiter zum CEO fast unverzichtbar.

In der Riege der CEOs findet sich in Österreich gerade ein Nichtakademiker, in Deutschland zwei, in der Schweiz drei - die drei Schweizer interessanterweise alle in der Finanzbranche. "Ein Studienabschluss wird national und international eine elementare Sprosse auf der Karriereleiter bleiben“, sagt Andreas Hruschka. In Österreich dominieren ganz klar drei Studienrichtungen die Vorstandsetagen: Wirtschaft, Technik und Jus (s. Grafik S. 81). "Studium generale für CEOs scheint Betriebswirtschaft zu sein. Aufgrund der zunehmenden Spezialisierung und Besetzung von Marktnischen nimmt die Bedeutung des Technikstudiums auch auf der obersten Ebene merklich zu“, merkt der Berater an.

Über einen Doktortitel verfügen die heimischen Firmenlenker deutlich häufiger als ihre Kollegen in den Nachbarländern. Doch wichtiger als das Doktorat ist für den Aufstieg längst eine hochkarätige Executive-Ausbildung geworden. "Über eine renommierte Postgraduate-Ausbildung zu verfügen, ist ein starkes Argument für einen Karriereschritt und wird immer wichtiger“, erklärt Landgrebe.

Antrittsalter: Mit Mitte 40 kann man zum Sprung auf den CEO-Sessel ansetzen.

"Knapp die Hälfte der CEOs der ATX-Unternehmen sind mit unter 50 in diese Funktion bestellt worden, die jüngsten unter den derzeitigen Amtsinhabern waren zu diesem Zeitpunkt sogar Anfang 40“, rechnet Landgrebe vor und schließt daraus: "Man muss für den Sprung auf die oberste Ebene nicht warten, bis man 55 ist. Aufsichtsräte können sich CEOs mit Mitte 40 durchaus vorstellen.“ Dass österreichische Manager karrieretechnisch eher flott unterwegs sind, macht er auch am Beispiel eines Auslandsösterreichers in der Schweiz fest: Der Tiroler Severin Schwan, Absolvent der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften in Innsbruck, war gerade einmal 40 Jahre, als er vor fünf Jahren CEO des Pharmaunternehmens Roche wurde.

Kontinuität beweisen, einen soliden Track record im Unternehmen schaffen.

Für einen solchen Sprung muss man allerdings auch etwas vorweisen können. Heimische CEOs sind im Schnitt seit 5,7 Jahren in ihrer Position und 16,4 Jahren im Unternehmen - sie haben auf ihre Bestellung also durchschnittlich gute zehn Jahre in der Firma hingearbeitet. "Wer CEO werden will, sollte sich über längere Zeit innerhalb eines Unternehmens beweisen“, meint Hruschka dazu. "CEOs sind in der Regel keine Quereinsteiger. Der Aufsichtsrat stellt mehrjährige Erfahrung in der Vorstandsetage eines namhaften Unternehmens fast ausnahmslos als eine Grundbedingung für die Shortlist auf.“ Am besten gelingt der Sprung zum Konzern-CEO laut Erfahrung der Boyden-Experten als CEO einer Tochtergesellschaft oder als Vorstandsmitglied mit Ergebnisverantwortung in einem Kernbereich.

Firmentreue zählt, vielfältige Erfahrungen auch - Jobhopping eher nicht.

Vier der 20 heimischen CEOs haben ihre gesamte Berufslaufbahn in dem Unternehmen gemacht, dem sie nun vorstehen. Zugleich waren aber auch elf der 20 CEOs vor ihrer Bestellung schon in mindestens einer anderen Branche tätig. Das sind mehr als in Deutschland, wo nur ein Drittel Erfahrung in einer anderen Branche aufweisen

"Man muss seine Laufbahn nicht unbedingt starten, wo man CEO werden will. Andere Erfahrungen und Blickwinkel mitzubringen, wird vom Aufsichtsrat gewürdigt“, sagt Landgrebe. Ausgesprochene Jobhopper würden in der Regel aber nicht CEO; der Experte rät daher zu einem klugen Maßhalten bei der Zahl an Karrierestationen.

Auslandserfahrung wird wichtiger, weil Österreich internationaler werden muss.

In Sachen Auslandserfahrung hinkt die aktuelle heimische CEO-Generation ihren Kollegen in Deutschland und der Schweiz noch hach: Hierzulande haben elf, in Deutschland 15, in der Schweiz gar 19 von 20 operative Auslandserfahrung in ihrem Track record. "Österreich scheint da noch relativ selbstbezogen“, sagt Landgrebe. Das zeigt sich auch daran, dass bis zur kürzlich erfolgten Neubestellung des Deutschen Ulrich Schumacher bei Zumtobel ausnahmslos alle CEOs der ATX-Unternehmen österreichische Staatsbürger waren. In der Schweiz werden dagegen drei Viertel der 20 Top-Firmen von Ausländern geführt.

Für Landgrebe ist diese mangelnde Internationalität bei den CEO-Besetzungen erstaunlich, da viele heimische Unternehmen stark international agieren und in bestimmten Bereichen sogar Weltmarktführer sind. Österreichs nächste CEOs werden jedenfalls kaum mehr ohne internationale Erfahrung diese Position erreichen und die Unternehmen wohl auch den einen oder anderen ausländischen Top-Manager berufen.

Fachliche Kernkompetenzen entwickeln: Markterfahrung & Ergebnisverantworung.

Es gibt einige Karrieremythen darüber, welche vorangegangenen Positionen die besten Sprungbretter zum CEO sind. "Der Weg vom Finanzvorstand, also dem CFO, zum CEO kommt vor, ist aber nicht der Hauptpfad“, relativiert Boyden-Experte Hruschka einen davon. "Finanztechnisches Rüstzeug ist wichtig, denn ein CEO muss die Zahlen auch selbst verstehen“, meint Landgrebe und ergänzt: "Erfahrung auf der Marktseite ist noch wichtiger. Die besten Karten hat, wer dabei auch auf Controlling-Erfahrung und Ergebnisverantwortung verweisen kann.“

Ein anderer Mythos: Unternehmensberatung ist für Ambitionierte eine gute erste Karrierestation. Wer CEO werden will, sollte allerdings später umsteigen, denn direkt vom Consulter zum CEO ist ein eher seltenes Karrieremuster.

Headhunter ckecken Karrieren

Erhebung für Format:
Andreas Landgrebe (l.) und Andreas Hruschka (r.), Managing Partner Austria & CEE beim internationalen Headhunter Boyden Global Executive Search, haben für FORMAT die Karriereverläufe der CEOs bei den 20 führenden österreichischen Unternehmen unter die Lupe genommen. Sie gewinnen daraus wertvolle Hinweise für Karrierestrategien. Für den Ländervergleich checkten Boyden-Kollegen in Deutschland und der Schweiz auch die CEOs der Top-20-Firmen ihrer Länder.

Studienrichtungen Wirtschaft, Technik, Jus am häufigsten

Das Studium der Betriebswirtschaft ist die häufigste akademische Ausbildung heimischer Top-Manager. Doch auch Technik-Absolventen besetzen immer mehr CEO-Positionen. Fast unverzichtbar für den Sprung an die Spitze sind für alle Aspiranten auf höhere Managementweihen sind spezielle Executive-Ausbildungsgänge.

Peter Layr, EVN: Techniker als Dauerbrenner
Als Paradebeispiel für Firmen- und Branchentreue hat Peter Layr seine gesamte Berufslaufbahn bis zum Aufstieg zum CEO beim Energieversorger EVN verbracht.

Georg Pölzl, Post: Vielseitige Branchenerfahrung
Der Post-Chef startete seine Karriere in der Beratung, war dann als CEO schon in der Industrie und der Telekombranche tätig. In Deutschland stand er an der Spitze von T-Mobile.

Peter Hagen, VIG: Auslandserfahrener Konzernkenner
Eine Reihe von Karrierestationen innerhalb der Vienna Insurance Group (VIG), darunter auch bei der tschechischen Tochter, kennzeichnen den Werdegang Hagens zum CEO.

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