So kontern Sie gekonnt

So kontern Sie gekonnt

Im Büro herrscht Stress, es gilt, ein Problem zu lösen, und Sie machen den Chef auf ein unbedachtes Detail aufmerksam. Anstatt Ihre Aufmerksamkeit zu würdigen, meint dieser daraufhin: "Sie wissen wohl immer alles besser?“ Bei Ihnen folgt der berühmte Stich in der Magengrube, Sie ärgern sich.

Jeder, der sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt hat, kennt die zwei möglichen Folgeszenarien: Entweder ist man schmähstad - oder geht in die Offensive. Balsam für das angekratzte Ego wäre folgender Konter: "Gut, dass Sie das endlich erkennen!“

Die schlagfertige Antwort bringt in dieser Konstellation höchstwahrscheinlich nur eine sehr kurzfristige Befriedigung. Denn der Chef wird auf eine solche Reaktion die Machtfrage stellen: "Wer ist hier der Boss?“ Und Sie werden, sofern Sie den Job behalten wollen, spätestens jetzt ruhig sein. Auch wenn es in Ihnen brodelt.

"Wenn wir uns angegriffen fühlen, werden das Stammhirn und das limbische System aktiviert. Die Stresshormone, die nun ausgeschüttet werden, machen blitzschnell fit für eine körperliche Reaktion, nämlich Flucht oder Kampf“, erklärt der deutsche Rhetorikcoach Matthias Pöhm. Dieses Alarmprogramm springt unabhängig davon an, ob man verbal oder körperlich attackiert oder verletzt wurde. Und das ist das Problem: Dieses Ur-Programm ist für eine körperliche, und nicht für eine verbale Reaktion ausgelegt, das Großhirn mit seinem logischen Denkvermögen wird in solchen Situationen partiell blockiert. "Der hormonelle Nebel führt zum sogenannten Blackout oder zu einer Reaktion auf gleichem oder meist niedrigerem Niveau“, so Pöhm. "In solchen emotionalen Momenten wird die Tonlage oft höher, oder die Stimme bebt vor Zorn. Oftmals versagt sie auch ganz“, ergänzt Stimmtrainerin und Kommunikationsprofilerin Tatjana Lackner.

Mut zum Schweigen

Wenn Sie diese Abläufe allerdings kennen, können Sie bewusst damit umgehen und souverän reagieren. Vorausgesetzt, Sie haben den "hormonellen Nebel“ schon überwunden. Deswegen gilt bei verbalen Attacken als Faustregel Nummer eins: Zeit gewinnen, bis Sie wieder klar denken können. "Innerlich bis zehn zählen oder ein anderes positives Mantra können helfen, die innere Distanzierung zu beschleunigen“, sagt Pöhm.

"Wer uns ärgert, beherrscht uns“, lautet etwa ein chinesisches Sprichwort. Mit diesem Wissen und mit gelassener Distanz kann man dem Chef, der einem auf den Schlips tritt, anstatt zu loben, auch leichter konstruktiv begegnen. Nämlich indem Sie etwa "Ihre Reaktion überrascht mich“ sagen - und dann schweigen. Das Schweigen gibt dem Gegenüber die Chance, einen Rückzieher zu machen. Selbstbestimmung und Eigenverantwortung sind für die deutsche Rhetoriktrainerin Gudrun Fey wichtige Schlüssel zu echter Souveränität: "Reagieren Sie in Zukunft erst dann, wenn Sie es für angebracht halten. Und nicht, wenn es andere von Ihnen verlangen.“

Erstmal weghören

Eine elegante Methode, mit Provokationen umzugehen, ist auch, sie einfach zu überhören, weiß Lackner, die vergangene Woche ihr jüngstes Buch "Die Kommunikationsgesellschaft“ präsentierte. In diesem geht Sie auch auf den richtigen Umgang mit Killerphrasen ein (siehe " Tipps von der Kommunikationsprofilerin "). In jedem Fall souverän wirken auch Formulierungen wie "Was hat dies mit dem Thema zu tun?“ oder "Mag sein, dass es so auf Sie wirkt“. Allerdings müssen auch Tonfall und Körpersprache mit den Worten übereinstimmen. Wichtig ist, darauf zu achten, Blickkontakt zu haben, den Kopf gerade zu halten und mit fester Stimme zu sprechen. Das kann man zuhause vor dem Spiegel üben.

Wenn Ihnen an einer friedlichen Lösung gelegen ist, hilft es auch, immer wieder Ihre positive Absicht kundzutun und die "angreifende“ Person mit Namen anzusprechen. Dies signalisiert, dass Sie Ihr Gegenüber ernst nehmen.

Wahrheiten gibt es viele - wer wirklich Recht oder Unrecht hat, ist immer auch eine Sache der Perspektive und mannigfaltiger Faktoren. Das Spiel "Sieger oder Verlierer“ führt jedenfalls dazu, dass zumindest eine Partei gedemütigt oder beschämt aus dem Kampf hervorgehen wird. Mit souveräner Selbstbehauptung hingegen können die Eskalation verhindert und das Gespräch rechtzeitig wieder in sachliche Bahnen gelenkt werden. Schließlich geht es darum, mit Kompetenz zu überzeugen - und nicht einfach nur zu "gewinnen“. So wird aus dem Kontrahenten von gestern morgen vielleicht sogar ein geschätzter Kollege.

Tipps vom Rhetoriktrainer: Fünf Spitzentechniken fürs Büro

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