Saudischer Arbeitsmarkt öffnet sich langsam den Frauen

Saudischer Arbeitsmarkt öffnet sich langsam den Frauen

Der saudische Personalberater Tariq Alkahily kennt die typischen Bedenken von Bewerberinnen. Bereits früh im Gespräch taucht eine Frage nach den Männern auf. Eine Zusammenarbeit mit Vertretern des anderen Geschlechts können sich viele saudische Frauen noch immer kaum vorstellen. Es gibt allerdings erste Zeichen für eine Lockerung dieser streng islamischen Sitten.

Alkahily hat zur Abhilfe ein Schema schrittweiser Annäherung an das "Unerhörte" entwickelt. Er unterscheidet dabei vier Klassen, die sich samt entsprechender Bebilderung graduell dem westlichen Normalzustand annähern: Neben der kompletten Geschlechtertrennung gibt es dabei die so genannte inkomplette Trennung, wo ein Mann und eine Frau in zwei unterschiedlichen, abgetrennten Arbeitsplätzen tätig sind. Es folgt der Trennungsgrad “ungetrennt konservativ”, wo sich Mann und Frau den Arbeitsplatz teilen, aber weit voneinander entfernt arbeiten. Und schließlich “ungetrennt zwanglos”, wo Mann und Frau nebeneinander arbeiten.

“Wenn eine Frau auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein will, muss sie in der Lage sein, mit Männern zusammenzuarbeiten”, sagt der 31-jährige Personalberater. Ein “weibliches Traumland” - mit ausschließlich weiblichen Kunden, Lieferanten, Marketingleuten und überhaupt nur mit Frauen - werde es nicht mehr geben, sagt er. Einer Umfrage zufolge wünschen sich aber 46 Prozent der Bewerberinnen ein derartiges Umfeld, das als besonders entspannend empfunden wird.

Frauen mittlerweile im Rechtssystem oder Immibilienbereich tätig

Saudische Frauen arbeiten immer öfter in Bereichen, die für sie bislang nicht offen waren. Auf dem Arbeitsmarkt des Königreichs entsteht damit eine neue Dynamik. Frauen sind mittlerweile im Rechtssystem oder im Immobilienbereich tätig. Wer von den in der Regel gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen profitieren will, baut als Arbeitgeber separate weibliche Arbeitsplätze und Eingänge und investiert in Damentoiletten.

König Abdullah, der Saudi Arabien seit 2005 regiert, hat sich in seiner Amtszeit zögerlich für mehr Frauenrechte eingesetzt. Kritisiert wird er dabei allerdings von Teilen des religiösen Establishments. Die tieferen Gründe sind aber nach Ansicht des Nahostexperten David Butter vom außenpolitischen Forschungsinstitut Chatham House in London ökonomischer Natur. Bei der Geschlechtertrennung handele es sich um einen Luxus, den das Land sich leistet, “aber externe oder interne Variablen können schnell Veränderungen bringen”, sagt er.

Arabischer Frühling beschleunigt Tempo bei Reformen

Seit den Ereignissen des so genannten Arabischen Frühlings hat der König bei den Reformen das Tempo erhöht. Frauen haben das aktive und passive Wahlrecht erhalten und dürfen damit an den Kommunalwahlen im Jahre 2015 teilnehmen - die einzigen Wahlen dieser Art im Königreich. Zwei saudische Frauen nahmen überdies im letzten Jahr an den Olympischen Spielen in London teil und im Januar wurden 30 Frauen in einen politischen Beirat mit insgesamt 150 Mitgliedern berufen.

Geöffnet wurde der Arbeitsmarkt bereits vor 2011 für Frauen, die nun auch als Kosmetikerinnen oder Supermarktkassiererinnen arbeiten dürfen. Die Arbeitskraft saudischer Frauen sei schon immer viel zu wenig genutzt worden, sagt Butter. “Bei einer Neuausrichtung der Wirtschaft, die nicht länger auf permanent steigende Einnahmen aus dem Ölexport angewiesen sein soll, müssen vermehrt Frauen in den Arbeitsmarkt kommen”, erklärt er.

Beschäftigungsquote von zehn Prozent

Mit einer Beschäftigungsquote von lediglich zehn Prozent für Frauen über 15 Jahren weist Saudi-Arabien einen der weltweit niedrigsten Werte auf. Hingegen haben 2009 nach Angaben des Bildungsministeriums 59.948 Frauen einen höheren Schulabschluss gemacht. Bei den Männern waren es nur 55.842.

Ungeachtet der zögerlichen Reformen ist der Arbeitsmarkt im Lande noch meilenweit von westlichen Standards entfernt. Als Grund gelten vor allem die Kleriker, die ihre Regeln von der im Lande praktizierten wahhabitischen Form des sunnitischen Islam ableiten.

“Veränderungen finden in diesem Lande von oben nach unten statt, anders als beim Arabischen Frühling, und dann kommt der Widerstand aus einzelnen Bevölkerungsgruppen”, sagt Mohammed al-Zulfa, ein früheres Mitglied eines Beraterkomitees. Im Jahre 2005 stieß er eine Kontroverse an, als er untersuchen lassen wollte, ob Frauen über 35 oder 40 Jahren nicht das Autofahren erlaubt werden solle.
Frauen in Saudi Arabien brauchen für sämtliche wichtigen Dinge des Lebens wie Reisen oder den Beginn einer Ausbildung die Genehmigung eines Mahram, eines männlichen “Wächters”.

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