Österreichs beste Jobs

Vergesst Andreas Treichl! Er mag zwar als Chef der Erste Group im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Euro verdient haben - aber den besten Job des Landes hat er mit Sicherheit nicht.

Österreichs beste Jobs

Denn rund 50.000 Mitarbeiter in knapp einem Dutzend Länder zu führen, bedeutet viel Verantwortung, viel Stress, viel Einsatz und viel Arbeit. In Wirklichkeit sind Österreichs beste Jobs solche, an die man gar nicht gedacht hätte: Etwa Chef des Flugplatzes in Bad Vöslau zu sein. Oder die MedUni Wien International zu leiten. Denn hier ist die Zahl der Beschäftigten und der Umsatz überschaubar und die Entlohnung dennoch außerordentlich.

Ein vergangene Woche veröffentlichter Bericht des Rechnungshofs über den Flugplatz Vöslau hat gezeigt, welche beneidenswerte Zustände dort herrschen. Das Unternehmen, das eine Tochter des Flughafens Wien ist, macht einen Umsatz von 880.000 Euro. 210.000 Euro betragen die Personalkosten für den Chef Peter Niedl, der damit auf ein Einkommen rund 160.000 Euro im Jahr kommt. Die wichtigste Einnahmequelle des Flugplatzes ist ein Betriebskostenzuschuss der Mutter.

FORMAT hat diesen Bericht zum Anlass genommen, Ausschau nach anderen Top-Jobs zu halten: Mit Hilfe des Einkommensberichts des Rechnungshofs aus dem Jahr 2011 und dem Firmenbuch wurden staatliche und staatsnahe Unternehmen ausfindig gemacht, in denen man stattlich verdient, die aber dennoch - in der Außenwahrnehmung - nicht nach einem hohen Maß an Stress klingen. Stellen, bei denen die Privilegien nicht so markant ins Auge stechen, dass sie zum Thema gemacht werden und die daher friedlich weiterexisitieren.

Sitzungen auf den Malediven

Besonders verlockend wirkt es, einer der zwei Chefs der MedUni Wien International (MUVI) zu sein. Mit neun Beschäftigten werden medizinische Projekte in aller Welt umgesetzt, die Entlohnung ist besser als die des Bundeskanzlers. Dass die Manager kürzlich auf den Malediven weilten, habe nicht mit der Schönheit der Inseln, sondern mit einem neuen Auftrag zu tun, heißt es. Da die beiden Chefs projektabhängig bezahlt werden, lagen ihre Gehälter zwar in der Vergangenheit bei 293.000 Euro für die Vollzeit-Stelle und bei 130.000 Euro für die Viertelstelle (zehn Stunden pro Woche). Zuletzt aber sollen weniger Projekte an Land gezogen worden sein - was sich auch in den Einkommen widerspiegele, wird erzählt.

Auch ein Traumjob scheint die Leitung der österreichischen Bundessporteinrichtungen: Sechs Zentren (Faaker See, Kitzsteinhorn, Maria Alm, Obertraun, Schloss Schielleiten und Südstadt), die alle auch einen Chef vor Ort haben, sind zu führen - die Entlohnung dafür liegt bei rund 180.000 Euro. Zum Vergleich: Das österreichische Durchschnittsbruttoeinkommen beläuft sich auf knapp 25.000 Euro.

Nach einem Highlight sieht auch die Geschäftsführung des ERP-Fonds aus: Für acht Wochenstunden Arbeit werden laut Rechnungshof im Jahr 40.750 Euro ausbezahlt. Allerdings wird dieser Job aufgrund gesetzlicher Vorgaben von den Chefs der Förderbank AWS in Personalunion übernommen, sie kommen unterm Strich auf ein Gehalt von 251.950 Euro pro Jahr.

Ein Problem für viele der staatsnahen Traumjobs ist, dass sie schwer zu bekommen sind, vor allem, wenn keine Beziehungen zu Politikern vorhanden sind. Eine zweite Hürde sind die Prüfer des Rechnungshofs, die nach dem Zufallsprinzip auch kleinere Gesellschaften unter die Lupe nehmen und für unangenehme Öffentlichkeit sorgen. Dieser Tage etwa wurde so publik, dass bei der Wellcon, einem Unternehmen der Eisenbahnerversicherung und den ÖBB, fünf Geschäftsführer in fünf Jahren verbraucht wurden - "die vorzeitige Auflösung der Verträge war mit hohen Zusatzkosten, insbesondere für freiwillige Abfertigungen, Bonuszahlungen bzw. Beratungsverträge, verbunden“, wie der Rechnungshof bekrittelt.

Nicht alle Unternehmen nehmen diese Kritik gelassen hin: Beim Flughafen Wien etwa findet man die Rüge für den Flugplatz Vöslau höchst ungerecht. "Das ist keine Beteiligung zum Geld verdienen, sondern eine, die aus einer historischen Verpflichtung beim Bau der zweiten Piste in den 70er Jahren heraus entstand“, erklärt Flughafensprecher Peter Kleemann. Dass der Chef dort so viel verdient habe damit zu tun, dass der 55-jährige Niedl zuvor Bereichsleiter beim Flughafen Wien war und einen unkündbaren Vertrag hatte. "Für den Flughafen Wien sind aus Konzernsicht daher keine zusätzlichen Kosten durch den Wechsel angefallen“, sagt Kleemann.

In anderen Fällen indes hat die Kritik des Rechnungshofs wie ein Job-Killer gewirkt: Etwa beim Künstlerhilfe-Fonds, der aufgrund einer Neuorganisation mehrere Jahre lang keinen Geschäftsfall mehr zu bearbeiten hatte. Bereits 2005 wies der Geschäftsführer auf die Überdotierung des Fonds hin und schlug dem damals zuständigen Kanzleramt die Auflösung vor. Auch 2008, 2009 und 2010 erfolgte diese Aufforderung, nachgekommen ist man diesem Ansinnen erst nach einem kritischen Bericht 2012.

Manchmal kommen auch die Eigentümer selbst ins Grübeln: Die Salzburger WSG Wasser Services, wo der Chef vier Mitarbeiter führte und 164.000 Euro pro Jahr kassierte, wurde vor kurzem von der Mutter, dem Energiekonzern Salzburg AG, liquidiert. Weil erkannt wurde, dass der Versuch, mit Wasser in den arabischen Emiraten Geld zu verdienen, doch nicht so erfolgreich war.

Auch den Flugplatz Vöslau möchte der Wiener Airport nicht behalten - ein neuer Käufer wird derzeit gesucht. Vielleicht ist es ja doch kein Traumjob, Chef dieses kleinen Flugplatzes zu sein.

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