Mit Strategie zum Aufstieg

Mit Strategie zum Aufstieg

Beim Jobstart kommt es nicht nur auf Noten, Praktika und Kontakte an. FORMAT zeigt, wie Absolventen diverser Studien ihre Karriere begannen.

Eine wichtige berufliche Veränderung hat Susanne Polansky vor kurzem hinter sich gebracht. Seit März 2013 ist die kommunikative Magistra – sie hat an der FH-Wien der WKW Journalismus und Medienmanagement studiert – in der Pressestelle des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) tätig. Besonders freut sie sich, als Frau in die Männerdomäne Fußball vorgedrungen zu sein.

Als ehemalige Leistungsschwimmerin hat sie eine starke Affinität zum Sport. Kein Wunder, dass sie bei jedem ihrer Praktika, ob Fernsehen, Zeitung oder Radio, in der Sportredaktion landete. „Ich habe immer schon das Gefühl gehabt, Journalistin und Sport, das ist eine gute und seltene Kombination. Es gibt kaum Frauen, die über sportliche Ereignisse berichten.“ Ihre Vision legt sie nach Abschluss ihres Studiums nur vorläufig ad acta. Bei einer Alumni-Netzwerkveranstaltung wird sie auf einen Job in der Unternehmenskommunikation bei den Casinos Austria aufmerksam gemacht. Die sind von Polansky begeistert, und so beginnt sie schon im Juni, nur wenige Wochen nach ihrer Sponsion, dort ihre Ärmel hochzukrempeln. Ihr damaliger Chef hätte eine sehr positive Haltung zu Absolventen von Fachhochschulen gehabt. Die würden nämlich darauf brennen, endlich loszulegen und zuzupacken, fand er. „Das stimmt wohl. Während des Studiums haben uns die Vortragenden immer bestärkt, uns etwas zuzutrauen und Verantwortung zu übernehmen. Sie waren überzeugt, dass wir uns in der Praxis bewähren würden.“ Deshalb sei sie von Anfang an voll Selbstbewusstsein gewesen.

Voller Zuversicht stellt sich Polansky nun ihrer neuen Aufgabe im Sportbereich: „Mein neuer Job ist für mich die Nische, in die ich gut hineinpasse. Meine sportliche Vergangenheit kommt mir hier zugute. Es wäre schade gewesen, meine Erfahrungen nicht zu nützen.“

Zielstrebig zum Rechtsanwalt

Der Jurist Florian Meister ist sich schon während des Studiums darüber klar geworden, dass er Rechtsanwalt werden will. Deshalb begann er schon als Student bei einer Wiener Wirtschaftskanzlei als Trainee zu arbeiten. „Ich wollte wissen, wie der juristische Alltag in einer großen Sozietät abläuft. Gleichzeitig war mir bewusst, dass ich auch noch kleinere Kanzleien kennenlernen will“, sagt Meister. Noch während seiner Dissertation beginnt er als Konzipient bei einer mittelgroßen Kanzlei zu arbeiten, wechselt aber kurz nach Abschluss zu seinem jetzigen Arbeitgeber Brandl & Talos Rechtsanwälte.

„Es ist sinnvoll, sich während der Konzipientenzeit mehrere Kanzleien anzuschauen. Jede hat andere Schwerpunkte, überall kann man etwas lernen“, so Meister, der im Herbst seine Anwaltsprüfung ablegen und auch als Anwalt bei seiner jetzigen Kanzlei bleiben möchte: „Es passt hier sehr gut für mich. Nachdem ich Verschiedenes gesehen habe, kann ich das gut beurteilen.“

Vom Bummeln zum Fokussieren

Dietrich Haubenberger tat sich schwer, in sein Medizinstudium hineinzufinden, und brauchte dafür länger als der Durchschnitt. Nicht, weil er faul war, sondern weil er sich neben dem Studium noch für vieles andere interessiert und stark in der Österreichischen Hochschülerschaft engagiert habe, so der heute als Neurologe an der Medizinischen Universität Wien tätige Arzt.

Sich nicht nur aufs Pauken konzentriert zu haben bereut der 38-Jährige bis heute nicht: „Ich habe laufend Projekte organisieren müssen, mich für die Anliegen von Studenten eingesetzt, Mitstreiter motiviert und an Podiumsdiskussionen teilgenommen. In dieser Zeit konnte ich also Fähigkeiten erwerben, von denen ich in meinem weiteren Berufsleben sehr profitiert habe.“

Bei keinem seiner Bewerbungsgespräche sei er je dafür angeprangert worden, den Doktortitel nicht schon nach zwölf Semestern in der Tasche gehabt zu haben. Wohl auch deshalb, weil Haubenberger den letzten Abschnitt in Rekordtempo hinter sich gebracht hat, nachdem er alle anderen Aktivitäten konsequent auf Eis gelegt hatte: „Irgendwann habe ich mich gefragt: Was willst du wirklich? Das war notwendig, weil mir klar wurde, dass ich mich ganz auf die Medizin fokussieren möchte. Als ich 2003 mit dem Studium fertig wurde, war ich nicht nur voll motiviert, sondern wusste auch, in welche Richtung ich gehen will.“

Die Neurologie fesselt Haubenberger – und das seit langem. Schon am Anfang seines Studiums musste er in dieses Fach – damals noch wider Willen – besonders tief eintauchen: Bei seinem Anatomie-Rigorosum fasste er einen Prüfer aus, der für seine Neuroanatomie-Fragen berüchtigt und gefürchtet war. Haubenberger fällt bei der Prüfung „mit Pauken und Trompeten“ durch. Beim zweiten Antritt stellt er sich, obwohl er das Recht auf einen anderen Prüfer gehabt hätte, demselben Professor wieder – und im zweiten Anlauf brilliert er.

Mut und Mühe machen sich für den angehenden Mediziner doppelt bezahlt: „Zum einen war dieser Professor auch von meiner Courage beeindruckt. Jahre später schrieb er mir, als ich mich für einen USA-Aufenthalt bewarb, eine wunderbare Empfehlung. Zum anderen habe ich bei der intensiven Vorbereitung schon damals meine Liebe zur Neurologie entdeckt und konnte so früh alles dafür tun, um in diesem Fach Fuß zu fassen.“ Das ist Haubenberger gelungen. 2011 kehrt der Wissenschaftler nach drei Jahren intensiver Forschungstätigkeit an den National Institutes of Health von Washington, D. C. nach Wien an die Uni-Klinik für Neurologie zurück, beendet seine Facharztausbildung und habilitiert sich mit seinen Untersuchungen über Bewegungsstörungen. Was Haubenberger, der auch ein sehr aktives Mitglied des Alumni-Clubs der Medizinischen Universität Wien ist, seinen jungen Kollegen mitgeben will? „Ehrlich sein zu sich selbst! Sich immer fragen: Was macht mir Spaß? Und wenn man das nicht weiß, ist es zumindest gut zu wissen, was man nicht machen will. Eines sollte man keinesfalls tun: Sich nach den Erwartungshaltungen der anderen richten. Lieber das Eigene finden und sich darauf konzentrieren, auch wenn es nicht immer leichtfällt.“

Früher Fehler korrigiert

Veronika Zwirnova, Absolventin der WU Wien, hatte es während des Studiums verabsäumt, sich um Ferialjobs zu kümmern. Ein Fehler, wie sie heute weiß. „Die Ferien als Pause zu sehen ist der falsche Zugang. Es geht nämlich nicht nur darum, nach dem Studium Berufserfahrung dokumentieren zu können, sondern herauszufinden, welche Branche einen selbst interessiert. Mit dem Hintergrund fällt es viel leichter, die richtigen Spezialgebiete im Studium zu wählen“, so Zwirnova selbstkritisch.

Es sei wohl kein Zufall, dass nicht nur sie, sondern auch viele ihrer Kollegen heute nicht mehr in jenen Bereichen tätig seien, auf die sie sich während ihrer Ausbildung eigentlich fokussiert hätten. Zwirnova selbst arbeitet heute für die Wirtschaftskammer Österreich in Bratislava als Assistentin des Außenwirtschaftscenters. Ihre Tätigkeit dort macht ihr große Freude. Das war nicht immer so. Begonnen hat sie ihre Laufbahn bei einer internationalen Organisation und fühlte sich dort gar nicht wohl: „Die ersten drei Jahre meines Berufslebens habe ich in keiner sehr guten Erinnerung. Aber von Enttäuschungen darf man sich nicht einschüchtern lassen. Früher oder später findet man die Stelle, die zu einem passt. Ich habe eben erkennen müssen, dass ich ein Mensch bin, der kleinere Einheiten bevorzugt.“ Bei einem Treffen im Alumni- Club der WU, dessen Hauptvertreterin die 30-Jährige in der Slowakei ist, hört sie von dem Job, der künftig der ihre sein sollte: „Ohne dieses Netzwerk wäre ich nie darauf aufmerksam geworden und wüsste auch nicht, welche Kultur in anderen Unternehmen herrscht. Der regelmäßige Austausch mit den Mitgliedern ist wirklich bereichernd!“

Aller Anfang ist schwer

Nicht nur nicht leicht, sondern sehr schwierig empfand Matthias Raschka seine ersten berufsausbildenden Jahre. Als 14-Jähriger will Raschka wie sein Vater und Großvater Förster werden. Das heißt für den jungen Oberösterreicher, sein Elternhaus zu verlassen, um in Bruck an der Mur das Internat der Höheren land- und forstwirtschaftlichen Schule zu besuchen. „Das erste Jahr ist hart gewesen, denn an der Schule wurde sehr viel verlangt. Der Druck war enorm, und wir durften nur jedes dritte Wochenende nachhause fahren. Viele meiner Kollegen haben schon nach kurzer Zeit aufgegeben“, erinnert sich Raschka. Er beißt sich durch: „Die Jahre haben mich geprägt. Damals habe ich gelernt, nicht den leichtesten Weg zu gehen, durchzuhalten und zäh zu sein.“ Eigenschaften, von denen er sowohl beim Bundesheer als auch bei seinem Forstwirtschaft- Studium an der Boku in Wien profitieren sollte. In den Ferien, Sommer wie Winter, verdingt er sich als Bauernakkordant, hilft Landwirten bei Schlägerungen im Forst, denn er will nach seinem Studium möglichst viel Praxis vorweisen können: „Schwere körperliche Arbeit, die mir aber immer sehr viel Spaß gemacht hat. Gleichzeitig konnte ich zu vielen Menschen wertvolle Kontakte knüpfen.“ Neben dem Studium arbeitet der zielstrebige Student als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Waldbau und schreibt dort seine Diplomarbeit. Ein weiterer Punkt in seinem Lebenslauf, der ihm bei seiner Bewerbung beim österreichischen Biomasseverband zugute kommt. 2012 erfährt der 33-Jährige, dass die Stelle des Geschäftsführers beim Oberösterreichischen Biomasseverband vakant ist, bewirbt sich und gewinnt prompt die Auswahl „knapp, aber doch“. Ausschlaggebend für seinen Erfolg sei nicht nur seine gute Ausbildung gewesen: „Ich bin überzeugt, dass soziale Kompetenzen, Auftreten, Berufserfahrungen und Kontakte, die man dabei knüpfen kann, genauso wichtig sind.“ Auch Julia Kneifel fand ihren Job bei der Via Donau über die Job-Börse des Alumni-Clubs der Boku-Wien. Die Suche hatte sich die junge Akademikerin, die gerade ihr Masterstudium Wasserwirtschaft und Umwelt beendet hatte, allerdings leichter vorgestellt.

Durchhaltevermögen gefragt

Nachdem mehrere Absagen ins Haus geflattert waren, beschloss Julia Kneifel daher, noch einen Lehrgang an der TU Wien zu besuchen. Nebenbei arbeitete sie einige Stunden pro Woche beim Österreichischen Energiekonsumenten-Verband: „Das war keine angenehme Phase. Es gehört schon einiges dazu, trotz der Rückschläge nicht das Selbstbewusstsein zu verlieren.“ Doch ihr Durchhalten lohnt sich. Unter 60 Bewerbern wird sie nach einem aufwendigen Selektionsverfahren ausgewählt, bei einem EU-Projekt zur Harmonisierung des Schiffabfalls an der Donau bei der Via Donau mitzuarbeiten. Ihre hervorragenden Englischkenntnisse, die sie bei einem Studienaufenthalt in Australien perfektioniert hat, sind ein Grund, weshalb sich das Management für die ambitionierte Frau entscheidet.

Ein anderer sind Kneifels hohes fachliches Know-how und ihre Zusatzqualifikationen: „Ich habe während meines Auslandsaufenthaltes auch einige Publikationen verfasst. Die wollte man bei meiner Bewerbung sehen und lesen. Schon beim ersten Gespräch wurde viel über Fachliches gesprochen. Da konnte ich auch sehen, dieser Job wäre für mich ideal.“

Nicht jedes Vorstellungsgespräch sei so angenehm verlaufen, ergänzt sie, und auch das müsse man wegstecken: „Löchert eine Kommission von Experten mit langjähriger Berufserfahrung mit Fachfragen, kann man nicht immer die Antworten kennen. Man muss sich vor Augen halten, dass man mit dem Interviewpartner einfach noch gar nicht auf einem Niveau sein kann!“

Kompetenz & Selbstvermarktung

Zweifel an ihren Fähigkeiten haben Christina Weber nie geplagt. Nach ihrer Matura entschied sich die Oberösterreicherin, an der TU in Graz Telematik zu studieren. Das Studium gilt als schwierig und herausfordernd. Für Weber nur ein weiterer Anreiz: „Ja, es war kein Spaziergang, aber meine Kollegen und ich, wir haben zusammengehalten. Es gab kaum Konkurrenz, denn Techniker sind meist fachbegeisterte Nerds. Das Problem ist nur, sie können sich und ihre Fähigkeiten schlecht verkaufen.“ Aber Selbstmarketing ist das Um und Auf, diese Einsicht hat Weber mittlerweile verinnerlicht. Nachdem sie ihren Master in Bioinformatik in Graz und an der Cranfield University in England gemacht hat, entscheidet sie sich „nach einer kleinen Sinnkrise“, bei der Zürich Versicherung ein internationales Trainee-Programm zu beginnen. Weber will schlussendlich herausfinden, wie es ist, in einem großen Konzern in einem großen Team zu arbeiten. Darüber hinaus bietet das Unternehmen der Technikerin mit Fernweh die Möglichkeit, einige Wochen in Zürich und drei Monate in Los Angeles in die Branche hineinzuschnuppern. Gerade in Kalifornien erfährt Weber, wie „ superwichtig“ ein funktionierendes Netzwerk ist: „Wenn man sich um einen Job bewirbt, nimmt man doch immer lieber jemanden, der einem empfohlen worden ist und von dem man gehört hat, dass er gut ist.“

Aber Techniker seien Theoretiker, hätten häufig viel zu viel Zurückhaltung, um auf andere Menschen zuzugehen. Im Technikstudium gebe es keine Möglichkeit, sich Rhetorik und Präsentationstechniken anzueignen. Gelernt hat Weber beides trotzdem längst. Und auch noch etwas anderes: „Wenn man nach oben will, muss man das seinen Vorgesetzten deutlich sagen. Aber stets charmant bleiben dabei und hartnäckig!“

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