e-Learning: Lernen Sie online!

Sprachen lassen sich in virtuellen Kleingruppen pauken, Fachkenntnisse in Videovorlesungen der US-Elitehochschulen vertiefen und Wissenslücken mithilfe von Online-Tutoren schließen. trend hat für Sie die 33 besten Bildungsportale ausgesucht, damit Sie Ihre Karriere selbst vorantreiben können.

e-Learning: Lernen Sie online!

Wenn Jörn Loviscach über harmonische Reihen, Schmiegeparabeln oder Fehlerfortpflanzung spricht, wissen nur Eingeweihte, dass es sich dabei nicht um zwischenmenschliche Begrifflichkeiten handelt. Oder sie sind Studenten der Mathematik, die den Ausführungen des Professors auf YouTube folgen. Mehr als 2000 Videos hat Loviscach bereits produziert. Diese stellte er über das Internet allen zur Verfügung, die sich im Bereich der Mathematik oder Informatik weiterbilden wollen - pro Video immerhin bis zu 30.000, darunter auch viele Österreicher.

Der deutsche Professor steht damit beispielhaft für eine Entwicklung, die die Bildungslandschaft in den nächsten Jahren grundlegend verändern wird: In dieser wird das Internet als Lehr- und Lernmedium massiv an Bedeutung gewinnen, sowohl für berufliche als auch private Zwecke. "Am e-Learning führt künftig kein Weg mehr vorbei“, sagt Helmut Stemmer, Bildungsexperte im Unterrichtsministerium.

Die größten Umbrüche finden aktuell im Hochschulwesen statt, wo ausgehend von den USA eine Demokratisierung der Bildung vorangetrieben wird. Allein in diesem Sommer entstanden drei Portale, auf denen Elitehochschulen Teile ihrer bis dato exklusiven Studieninhalte einem weltweiten Publikum vorerst kostenlos anbieten. Die ersten Kurse der Universität Harvard und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) starten im Herbst. Aber auch im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Angebote, die die Bildung und Weiterbildung im Netz vorantreiben: Sprachen lassen sich im Austausch mit Nativespeakern online lernen, Wissenslücken mit Tutoren im virtuellen Klassenzimmer diskutieren oder Fachkenntnisse in Online-Kursen vertiefen.

Die Nutzung von e-Learning wird damit zu einem neuen, wichtigen Faktor in der persönlichen Karrierestrategie. Dies umso mehr, als sich die virtuellen Lernwelten leichter in den Berufsalltag integrieren lassen. Die größere örtliche und zeitliche Flexibilität gilt als ein wesentlicher Vorzug des e-Learning gegenüber dem Präsenzunterricht. Bernhard Hirschhofer, Fluglotsenschüler, sieht seiner Erfahrung nach noch einen weiteren: "Die Hemmschwelle ist geringer, weil man keinen dicken Ordner auf dem Tisch liegen hat, sondern spielerischer an neue Themen herangeführt wird.“

Wir zeigen welche der neuen Bildungsportale sich am besten eignen, um berufliche Kompetenzen zu erwerben oder weiterzuentwickeln.

Harvard für alle

Immer mehr US-Hochschulen stellen Vorlesungen ins Netz. Damit kann nun jeder die Studieninhalte von Eliteuniversitäten wie Harvard, Stanford oder MIT nutzen, um seine Karriere zu beschleunigen.

Dass ihm jemals so viele Studenten zuhören würden, damit hatte Sebastian Thrun wohl selbst nicht gerechnet. Im September 2011 hielt der gebürtige Deutsche eine zehnwöchige Vorlesungsreihe über künstliche Intelligenz an der Eliteuniversität Stanford, wo er als Professor tätig war. Damit aber nicht nur die regulären Studenten seinen Ausführungen folgen konnten, übertrug Thrun die Vorlesung live ins Internet. Für die globale Studentengemeinde eine einmalige Chance, kostenlos an exklusives Wissen zu gelangen: Mit 160.000 Teilnehmern - das sind mehr als zehnmal so viele Studenten wie auf dem gesamten kalifornischen Stanford-Campus - war der Zulauf enorm.

Der Erfolg als Online-Professor ließ Thrun kurze Zeit später eine mutige Entscheidung treffen: Er ließ sich von seinen Lehrverpflichtungen freistellen, um sich im Frühjahr dieses Jahres zusammen mit zwei Partnern seinem bisher größten Projekt zu widmen: der Gründung von Udacity, einem privaten Online-Portal, mit dem Ziel, die Hochschulbildung zu demokratisieren. An den aktuell rund ein Dutzend Kursen auf Stanford-Niveau kann jeder kostenlos teilnehmen, der Student aus Kairo genauso wie die angehende Führungskraft aus Graz oder der CEO aus Wien. Bis dato exklusives Wissen wird damit global verfügbar.

Udacity ist aber nicht das einzige Projekt, das sich um alle Bildungshungrigen rund um die Welt kümmert. In diesem Sommer sorgten zwei weitere US-Initiativen für Schlagzeilen: Coursera ist eine ebenfalls von Stanford-Professoren gegründete private Plattform, bei der sich mittlerweile mehr als 1,3 Millionen Mitglieder registriert haben; Edx ist im Gegensatz dazu eine gemeinnützige Initiative der beiden amerikanischen Eliteuniversitäten Harvard und MIT. Die Neugründungen werden die Hochschullandschaft deutlich umkrempeln: "Immer mehr Lernmaterialien und Vorlesungen werden künftig online zur Verfügung stehen, wodurch sich für den Einzelnen die Chance ergibt, sich seine eigene Lernbiografie zusammenzustellen“, sagt Jochen Robes, e-Learning-Experte und renommierter Blogger ( weiterbildungsblog.de ). Die US-Autorin Anya Kamenetz prägte in diesem Zusammenhang den Begriff der "Do-it-yourself University“ (DIY U).

X-Zertifikat

Wer sich für eine Nutzung der Online-Portale entscheidet, muss neue Kompetenzen entwickeln. Wichtig ist vor allem die Fähigkeit, selbstgesteuert lernen zu können. Denn anders als in einem Seminar kann man Ort und Zeit des Studiums selbst wählen. Die größere Flexibilität dürfte insbesondere für Berufstätige interessant sein. "Viele melden sich an, weil sie neugierig sind, sind dann aber überrascht, wie viel Zeit sie in einen Kurs investieren müssen“, gibt der Experte zu bedenken. Zudem muss idealerweise die englische Sprache beherrscht werden, weil die Auswahl an Kursen und Vorlesungen auf Deutsch wesentlich unspektakulärer ist.

Immer mehr Plattformen bieten zudem an, die erfolgreiche Teilnahme zu bestätigen. Bei Edx bekommt man ein MITX- oder HarvardX-Zertifikat. So nennen sich die Universitäten im Internet, um ihr virtuelles Angebot vom traditionellen zu unterscheiden. Wie angesehen die Zertifikate bei Arbeitgebern sein werden, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Noch ist die Nutzung der großen US-Plattformen kostenlos. Aber die Macher von Edx haben bereits bekannt gegeben, künftig eine "moderate Gebühr“ zu verlangen.

iTunes U

Die Entwicklungen in den USA versetzen die deutschsprachige Hochschullandschaft jedenfalls bereits in Aufruhr. "Wir beobachten dies genau und werden davon abhängig weitere Schritte setzen“, sagt der Sprecher der Universität Innsbruck. Die Tiroler Hochschule war die erste in Österreich, die sich für eine Präsenz auf "iTunes U“ entschieden hat. Ausgewählte Vorlesungen, Vorträge und Studieninformationen sind seit Oktober 2009 über das Apple-Bildungsportal für jedermann zugänglich. Mittlerweile sind auch andere heimische Hochschulen nachgezogen, beispielsweise die Universitäten Graz, Salzburg sowie die Technische Universität Graz. Letztere konnte mit dem Vorlesungszyklus "iphone Development“, einer Art Einleitung zum Bau von Apps, einen großen Erfolg landen. Im Schnitt werden 20.000 Downloads die Woche erzielt. Darüber hinaus betreibt die Hochschule ein eigenes Portal, wo bisher rund zehn Prozent der gesamten Online-Inhalte, die für die Studenten konzipiert wurden, öffentlich zugänglich sind. "Ich treibe die Open-Content-Strategie auch deshalb stark voran, weil es für die Hochschule eine gute Möglichkeit ist, sich zu positionieren“, sagt Martin Ebner, Leiter der Abteilung vernetztes Lernen an der TU Graz.

Wer an dieser Uni studiert, für den findet der Großteil des Vorlesungsangebots aber weiterhin in den Hörsälen statt. Die Videoaufzeichnungen dienen der Vertiefung, ein Ersatz sind sie nicht. "Wir bieten keine reinen Online-Studiengänge an“, sagt Ebner. Den Trend sieht er im Bereich der Hochschulen im so genannten Blended Learning, also einer Mixtur von virtuellem Lernen und Präsenzunterricht. Der im Herbst beginnende Masterstudiengang "Reinraumtechnik“ basiert auf diesem Konzept. Beispiele finden sich auch an einer Handvoll anderer österreichischer Hochschulen.

Ein reiner Online-Studiengang ist hingegen noch die Ausnahme. Diesen bietet aktuell etwa die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg im Bereich Pflegewissenschaft an. Student Martin Fangmeyer ist begeistert: "Obwohl man von zu Hause aus lernt, kommt der Austausch mit den Dozenten und den Kommilitonen nicht zu kurz.“

Unis im Web. Ein Überblick

Nachhilfe via Web

Sie unterstützen Lernende bei ihrem Fortschritt im virtuellen Klassenzimmer, geben Online-Nachhilfe oder stellen ihr Spezialwissen im Chatroom oder via Lehrvideos zur Verfügung.

Tutorvista.com heißt einer der interaktiven Wege, in Mathe, Physik, Chemie und Biologie mit sehr erfahrenen Tutoren zu lernen. Ein 10-Stunden-Package kostet 250 Dollar. ExpertInsight wiederum bietet vom Nobelpreisträger über den Pokerprofi bis hin zum Bestsellerautor Experten, die man stundenweise buchen kann. Ganz billig ist die Sache allerdings nicht: Will man etwa mit dem ExpertInsight-Gründer, Unternehmer und Harvard-Professor Brandon Adams ökonomische Theorien diskutieren, kostet das zwischen 400 und 6500 US-Dollar.

Unbestritten ist aber, dass der Erfolg von e-Learning durch den Einsatz von Tutoren verbessert wird. Online-Tutoring unterstützt dabei die zeit- und ortsungebundenen Lernprozesse.

Dementsprechend lassen sich viele Trainer und Lehrer zunehmend zu Tele-Tutoren ausbilden, um ihren Unterricht und diverse Lehrgänge auch über das Internet anbieten zu können. Denn die bisher üblichen Präsenzschulungen lassen sich nicht so einfach in eine Online-Lernumgebung übertragen: Trainer müssen nicht nur bestens im Umgang mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien vertraut sein, sondern auch über die vielfältigen didaktischen Besonderheiten und Möglichkeiten des virtuellen Lernraums Bescheid wissen. In Österreich haben allein im letzten Jahr 300 Lehrer eine zertifizierte Ausbildung zu Online-Mentoren absolviert.

"Besonders interessant wird Online-Lernen, wenn ein Austausch mit anderen möglich und erwünscht ist“, sagt Dieter Langgner, der an der Pädagogischen Hochschule Steiermark für die Koordination der Tutorenausbildung zuständig ist. "Dieser Aspekt überwindet Gruppen-, Klassen-, Schul- und möglicherweise auch Ländergrenzen. Es eröffnen sich Möglichkeiten, die traditioneller Unterricht nicht oder nur schwer bieten kann.“

Oft stößt man beim eigenständigen Lernen auch auf Hindernisse, die man mit einem kompetenten Partner klären möchte. Da kann ein Tutor die Einsamkeit in den weiten Wissenshallen des World Wide Web wohltuend mildern.

Tutoren werden aber auch gerne Online-Trainer genannt, die einzelne Online-Lernangebote konzeptionell erstellen. In Österreich gehört hier federführend die bitgroup dazu. Das Grazer Unternehmen ist für alle Fragen rund um Aus- und Weiterbildung sowie Entwicklung und Einsatz von Informationstechnologien im Bildungswesen tätig und zählt im Bereich e-Learning zu den führenden Unternehmen im gesamteuropäischen Raum.

Salman Khan, US-amerikanischer Pädagoge und Gründer des kostenlosen Lernportals Khan Academy, gestaltete 3200 Video-Lektionen von jeweils zehn Minuten Länge auf seiner Website khanacademy.org . Diese führen auf einfache Weise in Mathematik, Naturwissenschaften und Geschichte ein. Wegweiser auf dem WWW-Wissenspfad sind aber auch Tausende Lern-Apps, von interaktiver Astronomie bis zur Einführung in die Buchstaben nach Montessori, sodass den Lernmöglichkeiten praktisch keine Grenzen gesetzt sind.

Tutoren-Links

Von allen verstanden

Das Mühsame am Sprachenlernen ist vorbei - dank der mittlerweile zahlreichen kreativen und unterhaltsam gestalteten Online-Programme.

Es gibt in Kamerun noch genau acht Menschen, die Busuu sprechen. Und doch gibt es mindestens 20 Millionen Menschen, die Busuu kennen. Denn so viele Nutzer hat die weltweit größte Community zum Sprachenlernen, gegründet vom Österreicher Bernhard Niesner: "Unsere Hauptwachstumsmärkte sind Länder wie Brasilien, Russland oder Türkei, wo Menschen Sprachen nicht als Hobby lernen, sondern um am Arbeitsmarkt bessere Chancen zu haben.“

So lernt der Taxifahrer in Rio bereits fleißig auf der interaktiven Sprachplattform Englisch für die Weltmeisterschaft 2014. Und er hat auch noch Spaß dabei, denn die audiovisuellen Lerninhalte sind so gut aufgebaut, dass busuu zum besten Education-Start-up 2012 in Europa gekürt wurde. Dank der mobilen Apps kann praktisch überall unterwegs gelernt werden, und der direkte Kontakt zu Muttersprachlern motiviert stets zum Weiterlernen.

Jeden Tag melden sich 40.000 neue User an, "wobei wir derzeit um 30 Prozent stärker mobil als im Internet wachsen“, so Niesner. Die meisten Menschen wollen einfach den Weg zur Arbeit und nach Hause oder einfach jede sich bietende Pause für ihr Sprachstudium nutzen.

Das intelligente System speichert die Lernfortschritte jedes einzelnen Users und passt sich dementsprechend an die Bedürfnisse an. An die Vokabeln, bei denen es letzte Woche gehapert hat, könnte sich nicht einmal der teuerste Privatlehrer genau erinnern. Das Sprachlernsystem hingegen wiederholt sie automatisch mit dem Lernenden, das erspart ihm rund 30 Prozent der Lernzeit. Und für den gesamten Kurs zahlt er nur rund fünf Euro im Monat. Das ist ein verschwindender Bruchteil dessen, was er für einen mitunter zähen Präsenzkurs zahlen würde, bei dem er mit zehn Österreichern dreimal die Woche in einem stickigen Klassenzimmer hockt. Kein Wunder also, dass gerade beim Sprachenlernen Online-Kurse den herkömmlichen Methoden bereits längst den Rang abgelaufen haben. Denn Flexibilität ist nach einer weltweiten Studie der Hauptgrund für Sprachlernende, um zur Online-Methode zu greifen.

Mobil und polyglott

Aber selbst vom Platz vor dem Bildschirm wollen die User weg und die Freiheit haben, genau dann und dort zu lernen, wo es ihnen gerade gefällt. Laut der aktuellen Learning-Delphi-Studie wollen 87 Prozent der Lernenden künftig Angebote nutzen, die speziell für Smartphones und Tablets entwickelt wurden. Daraus resultiert auch der große Erfolg von Anbietern, die ausschließlich den Markt für Apps bedienen - mittlerweile ein Muss für jedes erfolgreiche Sprachlernportal. Besonders wichtig ist den Wissbegierigen aber auch der ständige Austausch mit Muttersprachlern, und dazu offerieren die interaktiven Sprachschulen mit ihren weltweiten Communities die besten Möglichkeiten.

Daneben ist eine lernfreundliche und unterhaltsame Aufbereitung des Stoffangebots gefragt, denn ödes Grammtikpauken war gestern und der Hauptgrund für Lernfrust. Heute wird eine Sprache beispielsweise auf Lingua-TV durch Quizspiele, Kreuzworträtsel oder Lernkarten vermittelt - auf dem Sprachportal Lingorilla sogar kostenlos. Papagei-TV lehrt Sprachen mittels origineller Videoclips - allerdings nicht kostenlos, da der Online-Sprachtrainer dem deutschen Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer gehört.

Andreas Salcher, der Mitte Oktober sein neues Buch "Nie mehr Schule“ präsentiert, in dem er die Missstände im herkömmlichen Unterricht aufdeckt und erfolgreiche Beispiele neuer Methoden aus Österreich und aller Welt aufzeigt, spricht angesichts der neuen mobilen Lernangebote jedenfalls von einer "unaufhaltsamen Revolution des Lernens!“

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