Kuriositäten: Es steht in den Sternen

Kuriositäten: Es steht in den Sternen

Der Coaching-Boom treibt auch skurrile Blüten. So kann man sich nach Horoskop, auf Traumreisen und übers Internet coachen lassen. Oder ein Coaching einfach über die Gasse zum Mitnehmen holen.

Dank Ihrer profunden Ausbildung, der umfangreichen praktischen Erfahrung, dem brillanten Lebenslauf und Ihrer beeindruckenden Persönlichkeit sind Sie der aussichtsreichste Kandidat für die Position - aber was nützt Ihnen das? Sie sind Skorpion, mit Aszendent Stier! Für den Arbeitgeber Ihrer Träume quasi ein rotes Tuch, er hat einen generellen Aufnahmestopp über Skorpione verhängt! Blöde G’schicht!

Personalauswahl abhängig vom Horoskop der Bewerber zu machen passiert in Österreich häufiger, als man denkt. Michaela Fritsch führt mit ihrem Unternehmen STARconsulting astrologische Beratung durch und hat eine astrometrische Potenzialanalyse entwickelt, um damit Firmen bei der Personalauswahl zu unterstützen. Aufgrund der Sternenkonstellation zum Zeitpunkt der Geburt errechnet Fritsch, ob ein Jobanwärter was taugt oder nicht. "Es ist eine der effizientesten Methoden, um das tatsächliche Grundpotenzial einer Person mit all ihren persönlichen Talenten, aber auch Schwächen und Konfliktpotenzialen zu bestimmen“, so die Astroconsulterin. Fritsch ist seit über zwanzig Jahren im Geschäft mit den Sternen, und in den letzten fünf Jahren hat sie sich verstärkt Firmenkunden zugewandt. "Das Interesse ist so rasant gestiegen, weil es ein herrlich funktionierendes zuverlässiges Instrument ist“, glaubt Fritsch, "das ganz stark in der Key-Person-Evaluierung eingesetzt wird.“ Von ihren Klienten, die sich bei der Besetzung von Schlüsselpositionen nach den Sternen richten, sind 90 Prozent große und mittelständische Unternehmen. Ihre Dienste nimmt beispielsweise auch die Wirtschaftskammer Österreich in Anspruch. Eine Astro-Coaching-Stunde kostet für Firmen 120 Euro, Privatpersonen bekommen einen günstigeren Tarif, je nach Einkommen.

Noch günstiger bietet Johann Stacherl sein Amare-online-Coaching an. Amare ist Latein und heißt: lieben. Stacherl will sein "Coaching für persönliches Wachstum und ein selbstbestimmtes Leben“ vor allem deshalb online offerieren, weil "Coaching für Herrn und Frau Durchschnitts-Österreicher immer noch eine Kostenfrage darstellt“. Interessierte erhalten von ihm ein liebevolles, aber kostenloses Startgespräch am Telefon. Werden sie dann zu Klienten, können sie - ganz nach Wunsch - rein schriftlich, per Telefon oder per Videotelefonie gecoacht werden. Der rein schriftliche Kontakt wird mit 15 Euro pro beantworteter A4-Seite verrechnet, via (Video-)Telefonie kostet eine halbstündige Coaching-Einheit 30 Euro, für eine volle Stunde sind 40 Euro zu bezahlen. Und das Geschäft brummt, freut sich Stacherl, "weil sich immer mehr Menschen wieder auf ihr ureigenes Recht konzentrieren wollen, sich gut und richtig zu fühlen, wie sie sind.“

Der Boom des Coaching bringt ständig allerlei Skurrilitäten hervor. Hilfesuchende gibt es genug, und so können findige Berater auch mit der Befragung von Sternen, mit Traumdeutung oder mit Schnellsiederverfahren gute Geschäfte machen.

Spontane Hilfe, wenn rasche Entscheidungen anstehen oder wenn sowohl berufliche als auch private Probleme schnell gelöst werden sollen, verspricht ein Kurzzeitprogramm, das sich Wingwave-Coaching nennt, da es kaum länger als ein Flügelschlag dauert.

Laut Anbietern nützen Manager, Führungskräfte, Kreative und Künstler, Spitzensportler sowie Schauspieler die Wingwave-Methode. Über 2200 Coaches setzen Wingwave im deutschsprachigen Raum, in Frankreich, Spanien, Serbien, Kroatien, Skandinavien, in den USA, Japan und Russland in ihrer Arbeit ein. Sie haben auch bereits dafür gesorgt, dass Studien an der Universität Hamburg und an der Medizinischen Hochschule Hannover die Wirkung dieser Methode bescheinigen. Dasa Szekely bietet in Frankfurt dieses "Coaching-to-go“ bereits seit zwei Jahren erfolgreich in einem Gassenlokal an. Eine Terminvereinbarung ist nicht nötig: "Einfach reingehen und glücklich wieder rauskommen“ lautet die Devise. Das Coaching kostet 80 bis 120 Euro die Stunde. "Die Leute sollen selbst entscheiden, wie viel sie bezahlen wollen, je nach Einkommen“, meint Szekely. "Das klappt hervorragend.“

Eine ganz andere Methode hat die Beraterin Birgitt Morrien entwickelt, die ihre Klienten auf Traumreisen schickt. "Coaching heißt ja, dir die Leiter raufzuhelfen, und das ist mein Motto“, sagt sie. DreamGuidance nennt sich das Programm und soll den Kunden durch die Auswertung und Verarbeitung von Tagträumen neue Karriereperspektiven vermitteln. "Es sorgt für mehr Originalität im Business“, ist Morrien überzeugt, "durch die Unabhängigkeit von den Erwartungen anderer. Und für mehr Sinn, Erfüllung und Durchsetzungsvermögen im beruflichen Alltag.“ Bleibt zu hoffen, dass die Wirkung nicht nur ein Traum war und länger als einen Flügelschlag lang anhält.

Die Seriosität von Coachings im Eilzugstempo, auf Traumreisen oder nach einem Blick auf das Horoskop mag angezweifelt werden. Sterne-Consulterin Fritsch stört das nicht weiter. Denn es zähle allein das Ergebnis: "Letztendlich entscheidet die Wirksamkeit.“

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